Unbedingt den Namen des Fotografen richtig angeben. Und nicht gedankenlos Beiträge auf Facebook teilen. Rechtliche Fallstricke im Marketing.

Egal ob Text, Foto oder Video: Fast jedes Werk ist urheberrechtlich geschützt und darf nur mit Zustimmung des Urhebers genutzt werden. Sobald dabei eine Person im Spiel ist, egal ob sie am Bild abgebildet oder im Text vorkommt, kommt auch das Persönlichkeitsrecht zum Tragen. MMMag. Dr. Rainer Beck erläutert:

Beim Urheberrecht gilt: Wenn man nicht die ausdrückliche Zustimmung hat, darf man das Werk nicht nutzen.
Beim Persönlichkeitsrecht ist das umgekehrt: Grundsätzlich darf man Abbildungen von Personen nutzen – außer es ist verboten, weil man etwa geschützte Interessen verletzt. Die Verwendung für Werbung ohne Zustimmung ist bereits eine solche Verletzung.

Beck über 8 häufige Fehler:

Fehler 1: Gedankenlos teilen

Wenn man auf einer Facebook-Seite einen Inhalt teilt, auf den die Allgemeinheit bereits davor zugreifen konnte (etwa einen News-Beitrag von orf.at oder ein Youtube-Video), ist das urheberrechtlich erlaubt, „weil man damit keine neue Veröffentlichung macht“, sagt Beck. Das gilt auch, wenn man Beiträge von öffentlichen Facebook-Seiten teilt, auf die man auch zugreifen kann, ohne bei Facebook registriert zu sein. Allerdings: „Wenn man einen Beitrag teilt, der im Vorfeld nur für Facebook-Benutzer sichtbar war, kann das eine Urheberrechtsverletzung darstellen.“

Fehler 2: Fotocredit falsch angeben

Grundsätzlich müssen immer der Rechteinhaber und der Urheber genannt werden – auch dann, wenn ein Unternehmen die Nutzungsrechte erworben hat. Beck: „Auf den Namen des Urhebers, also zum Beispiel des Fotografen, darf man nur dann verzichten, wenn der Urheber dem Verzicht ausdrücklich zugestimmt hat.“

Wichtig ist es auch, den Namen des Urhebers genauso anzugeben, wie ihn der Urheber vorgibt. Bei einem Foto auf Flickr, das zur kommerziellen Nutzung freigegeben ist, muss daher der vollständige User-Name des Urhebers angegeben werden, auch wenn es sich dabei um einen Künstlernamen handelt.

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Fehler 3: Bilder von Personen ohne deren Zustimmung für Werbung verwenden

Wenn Bilder für Werbung verwendet werden – egal ob auf einer Facebook-Seite oder in einem Werbefolder, benötigt man dazu immer das OK der abgebildeten Personen. „Die kommerzielle Nutzung ohne Zustimmung verletzt nämlich das Persönlichkeitsrecht.“

Fehler 4: Bilder in negativem Kontext darstellen

Rechtlich bedenklich ist es auch, wenn Bilder in einem Kontext dargestellt werden, der die Persönlichkeitsrechte verletzt. Beispiele dafür sind laut Beck Alkoholkonsum, Nacktheit oder Kriminalität.

Fehler 5: Bilder von Kindern veröffentlichen

Sind Kinder auf Bildern dargestellt – egal ob einzeln oder in einer Gruppe – ist zu besonderer Vorsicht geraten, „bei Kindern gilt eine besondere Sorgfaltspflicht“, weiß Beck. Allgemein gültige Richtlinien gibt es nicht, d.h. es ist immer gesondert zu beurteilen, ob Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. „Grundsätzlich sollte man bei der Abbildung von Kindern aber immer die Zustimmung der Eltern einholen, wie dies viele Schulen bereits zu Beginn des Schuljahres pauschal für alle Bilder machen.“

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Fehler 6: Rechte unscharf definieren

Häufig kommt es vor, dass ein Fotograf seine Bilder „inklusive aller Nutzungsrechte“ verkauft und dies auf der Honorarnote auch so angegeben ist. All jenen, die auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt Beck jedoch eine genaue Definition der Nutzungsrechte: etwa eine Formulierung wie „zeitlich unbegrenzt für kommerzielle und redaktionelle Zwecke in Print- und Online-Publikationen“.

Fehler 7: Stockbilder auf Facebook veröffentlichen

Beim Verwenden von Stockbildern unbedingt die genauen Veröffentlichungsrechte prüfen! Häufig wird in den Bedingungen definiert, dass nur ein einmaliges Nutzen erlaubt ist oder generell keine Nutzung auf sozialen Medien.

Fehler 8: Bilder verändern

Vorsicht bei der Bildbearbeitung. Auch wenn „nur“ eine kleine Photoshop-Korrektur vorgenommen wird, kann das eine Urheberrechtsverletzung bedeuten.

Unser Weiterbildungstipp: „Rechtliche Grundlagen im Internet

Titelbild: © Jakub Jirsák – fotolia.com

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