… und wie man sie vermeidet.

Unlängst hat der KSV1870 seine Insolvenzstatistik veröffentlicht, die einmal mehr bestätigt: Der Großteil der Insolvenzen – 2015 waren es 51 Prozent – geht auf Management-Fehler zurück (siehe auch Artikel Jetzt unternehmensrettende Vorkehrungen treffen). Diese Fehler zu vermeiden, ist daher ein wesentliches Mittel zur Insolvenz-Vorsorge. Aber was sind eigentlich häufige Management-Fehler?

1. Keine kaufmännische Grundausbildung

In ihrem Fachgebiet sind die meisten Unternehmer Experten. Oft wird aber vergessen, dass es für den Erfolg auch kaufmännische bzw. wirtschaftliche Grundkenntnisse braucht. Auch wenn man das beste Produkt oder die beste Dienstleistung anbietet, wenn der Verkaufspreis nicht richtig kalkuliert ist, wird das nicht auf Dauer gut gehen.

Auch rechtliche Belange und Marketing sind unerlässlich, bestätigt Sabrina Hödl, die sich nach dem WIFI-Unternehmertraining mit ihrem Friseursalon „Zeitgeist“ in Graz selbstständig gemacht hat. „Ich bin schließlich nicht nur Friseurin, sondern als Unternehmerin auch für meinen eigenen Geschäftserfolg und damit für die Zahlen, den Außenauftritt, Marketing, Rechtliches und vieles mehr verantwortlich.“

Unternehmerin Sabrina Hödl, Absolventin des WIFI-Unternehmertrainings
Unternehmerin Sabrina Hödl, Absolventin des WIFI-Unternehmertrainings

2. Abhängigkeit von wenigen Kunden – fehlendes Controlling

Natürlich ist es vom Handling her einfacher, wenige größere Kunden zu betreuen als mehrere kleine. Auf Dauer kann das aber gefährlich werden: Wenn ein Großkunde wegfällt, hinterlässt er nämlich eine viel größere Lücke als ein kleiner. Experten empfehlen einen Umsatzanteil pro Einzelkunden von maximal 10 bis 15 Prozent des Gesamtumsatzes (u.a. Fraunhofer-Forschungsgesellschaft). Fundierte Infos dazu erhält man in den WIFI-Ausbildungen aus dem Bereich Management und Controlling.

3. Selbstüberschätzung

Ein gewisses Risiko geht man als Unternehmer natürlich immer ein, alles lässt sich nicht im Vorfeld kalkulieren und planen. Wenn man seinen Business Plan aber vorab mit Experten (etwa beim WKO-Gründerservice) bespricht und von diesen realistisch einschätzen lässt, ist das Risiko deutlich geringer bzw. diese Abstimmung eine wichtige Maßnahme zur Insolvenz-Vorsorge. Auch Vernetzung mit anderen Jungunternehmern, etwa über Ideentriebwerk, eine Vernetzungsinitiative für Grazer Startups und natürlich fundierte Weiterbildungen wie das WIFI-Unternehmertraining oder der Lehrgang Business Management Professional helfen dabei, Selbstüberschätzung zu vermeiden.

4. Auf die Trennung zwischen Beruf und Privatem vergessen

Der Einfachheit gleich ein gemeinsames Konto für Unternehmen und Privatleben? Ein No-Go, auch für Einzelunternehmer! Wenn man ein gemeinsames Konto hat, verliert man nämlich deutlich schneller den Überblick, als wenn man Berufliches und Privates auch am Konto strickt trennt. Auch für die ordnungsgemäße Besteuerung der Privatentnahmen ist eine Trennung sinnvoll.

Als Unternehmer fällt es naturgemäß nicht ganz so leicht, sein Berufsleben nicht mit ins Private zu nehmen, immerhin trägt man ja deutlich mehr Verantwortung als ein Mitarbeiter. Dennoch sollte man sich klare Zeiten definieren, die für Familie und Freizeit reserviert sind. Am besten gleich in den Terminkalender eintragen – und genauso ernst nehmen, wie Kundentermine.

5. Auf der Stelle treten

Irgendwann ist jeder Markt gesättigt und nach der Sättigung folgt die Degeneration. Weil man aber nicht von heute auf morgen ein neues Produkt bzw. eine neue Dienstleistung auf den Markt bringt bzw. erfolgreich vermarktet, ist Forschung & Entwicklung als dauerhafter Prozess unerlässlich. Dazu braucht es für EPU und KMU keine große Forschungsabteilung, es hilft schon viel, wenn man sich regelmäßig Zeiten für Innovations- und Kreativprozesse reserviert, sich Inspirationen in Weiterbildungen wie der WIFI-Sommerakademie für Führungskräfte holt und auch Ideen seiner Mitarbeiter ernst nimmt (siehe auch 6 Tipps für das Ideenmanagement).

6. Falsches Einschätzen des Netzwerkes

Nicht die Anzahl der Kontakte ist entscheidend, sondern die Qualität – das gilt auf sozialen Netzwerken ebenso wie im realen Leben. Dass man als erfolgreicher Unternehmer sein Netzwerk braucht, versteht sich von selbst. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass ein starkes Netzwerk ein Garant für gefüllte Auftragsbücher ist. Und auch nicht darauf, dass ein Netzwerk dauerhaft Bestand hat. Das WIFI Steiermark bietet zahlreiche Weiterbildungen in den Bereichen Kommunikation und Vertrieb/Verkauf an, in denen auch das erfolgreiche Netzwerken am Programm steht.

7. Mangelnde Führungs- und soziale Kompetenz

Was man gern macht, macht man gut. Auch wenn diese Weisheit etwas altertümlich klingen mag, trifft sie den Kern der modernen Mitarbeiterführung auf den Punkt. Es geht nämlich darum, den Mitarbeitern ein angenehmes Arbeitsumfeld durch selbstbestimmtes Arbeiten, Wertschätzung, offene Kommunikation und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, dann ist letzten Endes auch ihre Leistungsbereitschaft deutlich höher und damit der Beitrag zum Unternehmenserfolg. Unternehmer, die nach wie vor auf hierarchische Strukturen und strikte Befehlskultur setzen, können das Potenzial ihrer Mitarbeiter meist nicht zur Gänze ausschöpfen.

Weiterbildungstipp: Agiles Leadership – Führung der Zukunft

8. Mangelnde Delegationsfähigkeit

Wenn man als EPU startet, wie das bei vielen Unternehmen der Fall ist, hat man naturgemäß wenige Möglichkeiten zum (unternehmensinternen) Delegieren von Aufgaben. Wenn das Team dann aber wächst und Partner bzw. Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden, ist die Kunst des Delegierens gefordert – immer unter dem Bewusstsein, dass andere Menschen auch andere Arbeitsweisen haben. Nur weil ein Mitarbeiter oder Partner eine Aufgabe anders ausführt, heißt das nicht, dass sie falsch ist. Unerlässlich ist es, Aufgabe bzw. Ziel klar zu kommunizieren. Natürlich ist damit ein gewisser Aufwand verbunden – am Anfang dauert es oft länger, jemanden einzuschulen und zu guiden, als die Aufgabe selbst durchzuführen. Auf lange Sicht gesehen lohnt sich der Aufwand aber allemal, wie man auch im WIFI-Unternehmertraining erfahren kann.

Titelbild: © alphaspirit – fotolia.com

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