„Die kuriosesten Gewohnheiten gehen unter dem Wort: ,Es ist so der Brauch‘.“ (Nicolas Chamfort)

Jeder der sieben Kontinente unseres Planeten zeichnet sich durch ganz individuelle, charakteristische Besonderheiten aus – dazu zählen natürlich auch Tradition und Brauchtum. Ob Asien, Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Australien und Ozeanien oder Antarktika, jeder Erdteil ist Heimat typischer Riten und Bräuche, die einschneidende Lebensabschnitte begleiten. Überall auf der Welt ist auch die Eheschließung mit solch überlieferten Gepflogenheiten verbunden – einige davon können dem Betrachter außerhalb des betroffenen Kulturkreises allerdings ziemlich kurios erscheinen.

Asien

„Die Liebe ist das Gewürz des Lebens, sie kann es versüßen, sie kann es aber auch versalzen.“ (Konfuzius)

„Mukonage“ in Matsunoyama
Der japanische „Bräutigamweitwurf“ existiert bereits seit 300 Jahren – allerdings wirft die Braut ihren Bräutigam unabhängig vom Hochzeitsdatum stets im Januar einen steilen Hang hinunter, denn so wird der Fall in dieser schneereichen Bergregion ein wenig gebremst.

Bettokkupation in China und in Thailand
Dort folgen die Hochzeitsgäste dem frisch getrauten Ehepaar bis in das Schlafzimmer. In Thailand legt sich vor dem Brautpaar das älteste Ehepaar ins Bett, das Lager wird anschließend mit Sesam, Reis, einem Steinstößel, mit Münzen und mit einer Schüssel voller Regenwasser bestückt. Drei Tage – und Nächte – soll das Paar sein Bett mit diesen Utensilien teilen.

Kamm und Kirche auf den Philippinen
Am Tag der Hochzeit wird es für Braut und Bräutigam im Inselstaat haarig – vor der Hochzeit werden dem Brautpaar vor der Kirche öffentlich die Haare gekämmt.

Europa

„Früh heiraten ist zu früh, spät heiraten ist zu spät.“ (aus Montenegro)

„Leap Day“ in Irland
Eine irische Tradition zur Gleichberechtigung bei der Hochzeitsanbahnung ist der Leap-Day: Am 29. Februar dürfen die Frauen den Männern einen Heiratsantrag machen.

„Farbzwang“ in Schottland und Schweden
Ob das Kleid, der Kilt oder sogar das Gemüse auf der Hochzeitstafel – die Farbe Grün ist bei einer schottischen Hochzeit ein absolutes No-Go, denn die Doane Shi, die schottischen Elfen, zürnen, wenn Sterbliche ihre Farbe tragen.
Ein rotes Kleid bei einer schwedischen Hochzeit erzürnt möglicherweise die Braut – trägt es ein weiblicher Hochzeitsgast, so bedeutet das, dass diese Dame Sex mit dem Bräutigam hatte.

„Knus og Kys“ in Dänemark
„Einander stets zur Seite stehen“ heißt es im Königreich schon während der Hochzeitsfeier – verlässt nämlich die Braut oder der Bräutigam den Saal, so darf der oder die Alleingelassene von allen weiblichen beziehungsweise männlichen Gästen umarmt und geküsst werden.

„Honeymoon“ in Irland
Die „Hochzeitsbrauch-Reise“ durch Europa beginnt und endet in Irland: ist das Hochzeitsfest vorüber, gebietet ein irischer Brauch den frischgebackenen Eheleuten, einen Monat lang Met zu trinken. Dieser Monat voller Honigwein brachte den Flitterwochen den Namen „Honeymoon“ ein.

Amerika

„Du musst die Dinge mit dem Auge in deinem Herzen ansehen.“ (indianische Weisheit)

„gag order“ der Navajos
Von Weisheit und Erfahrung erzählt dieser Brauch des Stammes der Diné:
Nach der Eheschließung erhält der Ehemann Sprechverbot mit seiner Schwiegermutter, um Gründe für Ehestreitigkeiten hintanzuhalten.

„kissing ban“ in Massachusetts
Im strengen Neuengland wird wohl kirchlich getraut – aber der Kuss des Brautpaares vor der Kirche entfällt traditionell. Schuld daran ist weniger ein überlieferter Brauch als das Gesetz, das in Boston das Küssen vor einer Kirche offiziell verbietet.

Lebensbaum für die Ehe auf den Bermudas 
Auf den Inseln des britischen Überseegebietes bekommt der Begriff „pflanzliche Lebensmittel“ in Bezug auf die Hochzeitstorte eine völlig neue Bedeutung: aus den drei Torten-Etagen wachsen kleine, lebende Bäumchen, die später als „Lebenbaum für die Ehe“ im gemeinsamen Garten gepflanzt werden sollen.

„Muschelbläser“ auf Hawaii
Während dieses unüberhörbaren Rituals, das die Ankunft der Braut ankündigt, dreht sich der Bläser der Seemuschel „PU“ in alle vier Himmelsrichtungen – zu allen überlieferten „Orten des Glücks“.

Afrika

„Frauen wurden geboren, um geschätzt zu werden.“ (aus Libyen)

„Moussem d’Imilchil““ in Marokko
Marokkanische Eheversprechen werden, der Tradition folgend, meist den vom Vater gewählten Partnern oder Partnerinnen gegeben. Bei der Berber-Gruppierung Ait Haddidou herrschen allerdings andere Sitten – hier wird ein jährlicher Heiratsmarkt abgehalten, bei dem heiratswillige Frauen, gekennzeichnet durch spitze, blaue Hauben, ihre Ehemänner selbst aussuchen dürfen. Geheiratet wird kollektiv und gleich im zuge dieses Treffens. Die verschleierte Braut wird auf einem Esel auf den Festplatz geführt, der Standesbeamte stempelt die Urkunden ebendort unter freiem Himmel.

„Milch und Mist“ bei den Massai
Zu den Hochzeitsbräuchen der Massai zählt nicht nur ein Fruchtbarkeitsritual, bei dem die Braut von ihrem Vater mit Milch angespuckt wird – außerdem muss sich die zukünftige Ehefrau von den weiblichen Verwandten des Mannes beleidigen und mit Kuhdung beschmieren lassen.

„Schuh-Leidenschaft“ bei den Berbern
Beim Volk der Tuareg gilt die absolute Gleichberechtigung von Mann und Frau und geheiratet wird meist aus Liebe. Einer ihrer Hochzeitsbräuche steht unter dem Motto
„All you need is love… and a new pair of shoes“. Ist der zukünftige Ehemann nämlich nicht selbst ein Cousin der Braut, so muss er diese ihrem Cousin abkaufen – die Währung für den Brautpreis ist allerdings ungewöhnlich: für die Braut wird mit Sandalen bezahlt.

Australien und Ozeanien

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents.“ (John Donne)

„Pokarekare ana“ in Neuseeland
Die Hochzeitszeremonie bei den Maori wird vom „Pokarekare ana“, dem berühmten Liebeslied des indigenes Volkes, begleitet und mit einem „Hongi“, einem Nasenkuss, beendet. Traditionell darf allerdings die Schwester der Braut nichts davon miterleben – sie ist bei der Hochzeitsfeier niemals eingeladen. Die Maori glauben nämlich, dass sich die schwesterliche Anwesenheit negativ auf die Fruchtbarkeit der Braut auswirkt.

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Titelbild: © Piumadaquila – Fotolia.com

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