Es gibt Menschen, die werden als Führungskraft geboren, früher war das z. B. bei Fürsten und Königen so der Fall.  In unserer modernen Demokratie hat sich diesbezüglich viel verändert, denn in seinem beruflichen Umfeld hat fast jeder die gleiche Chance, sich ggf. auch eine Position als Führungskraft zu erarbeiten. Dem einen fällt das relativ leicht, weil er von zu Hause aus seiner Sozialisation heraus bereits viele (charakterliche) Eigenschaften mitbringt, die eine gute Führungskraft ausmachen, und ein anderer muss in der Sache viel hinzulernen. Die gute Nachricht ist: Jeder kann das lernen.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten braucht eine Führungskraft?

Es war schon immer eine Voraussetzung, dass man sehr gute fachliche Kenntnisse und jahrelange berufliche Erfahrungen auf seinem Gebiet mitbringt, um überhaupt in die engere Wahl für eine Führungsposition zu kommen. Man sollte hier aber auch beobachten, dass es in den letzten Jahren eine deutliche Verschiebung bei den Prioritäten gegeben hat. Fast ein Hauptaugenmerk wird heute bei der Einstellung von Führungskräften bzw. bei der Übertragung einer Führungsposition auf die sogenannten Soft Skills („weiche Fähigkeiten“) gelegt in dem Wissen, dass fachliche Aufgaben entweder durch eine Nachschulung oder durch geschicktes Delegieren relativ schnell zu lösen sind.

Kann jeder Soft Skills lernen?

Diese Frage kann mit einem eindeutigen JA beantwortet werden, wobei es aber in Einzelfällen auch unüberwindliche charakterliche Grenzen geben kann. Personalentwicklung ist durchaus ein gewichtiges Thema bei größeren Betrieben oder Behörden. Voraussetzung ist, dass zunächst einmal begriffen wird, dass der eigene, bereits vorhandene Mitarbeiterstamm das wichtigste „Kapital“ des Betriebes überhaupt ist. Hierin zu investieren, darf man nicht als vermeidbare „Unkosten“ abtun.

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Aus diesem Grunde beschäftigen sich in größeren Betrieben und Behörden ganze Abteilungen mit dem großen Themenkreis „Fortbildungsmaßnahmen“. Wer die entsprechenden Angebote von innerbetrieblichen Schulungen in den letzten Jahren etwas verfolgt hat, stellt leicht fest, dass eine deutliche Verschiebung bei den Inhalten stattgefunden hat. Der eine große Schwerpunkt ist heute natürlich die betriebswirtschaftliche Fortbildung und der IT-Bereich, aber gleichauf mit diesen befinden sich die Fortbildungsangebote für alle möglichen Arten von Soft Skills.

Im Mittelpunkt steht die Teamführung

Die Leistungsfähigkeit eines Teams steht und fällt mit der Qualität der Teamführung. Im Zuge der hohen Bedeutung vernetzten Wissens lässt sich heute kein einziges Produkt mehr ohne das Zusammenwirken der ganz unterschiedlichen Fähigkeiten von vielen Mitgliedern eines Teams herstellen. Nun ist uns Menschen ein gewisses Maß an Eitelkeiten eigen, und in der Folge können auch innerhalb jedes guten Teams nicht unerhebliche Konfliktsituationen entstehen. Nicht (gewaltsame) Unterdrückung der Konflikte hilft da weiter, sondern eine fähige Teamführung, die gleichsam wie ein Konzertdirigent den einzelnen Instrumenten zu ihrer vollen Tonalität verhilft. Aber Dirigent wird man nicht von heute auf morgen, für die ganze Partitur muss man von den einzelnen Stimmen und Instrumenten eine Menge verstehen, was aber weitestgehend erlernbar ist.

Und genau hier setzt auch die oben erwähnte Personalentwicklung an. Aufbauend darauf, was ein Mitarbeiter bereits von seiner Ausbildung und seiner bisherigen Berufserfahrung her mitbringt, kann der Arbeitgeber grob die weiteren Potenziale seiner Mitarbeiter abschätzen und sich auch Gedanken darüber machen, welche weiteren Positionen seine Mitarbeiter in überschaubaren Zeiträumen auszufüllen wahrscheinlich imstande sind. Entsprechend baut auch eine Struktur von Fortbildungsmaßnahmen aufeinander auf.

Warum ist Personalentwicklung so wichtig?

Ein Unternehmen, das keine Personalentwicklung betreibt, hat schon verloren. Das hängt auch mit dem heute so geforderten lebenslangen Lernen zusammen. Es funktioniert einfach nicht mehr, dass ein Mensch drei Jahre lang seine Lehre macht und auf dieser Wissensbasis dann sein ganzes Berufsleben lang tätig ist. Die gesellschaftlichen Veränderungen durch wissenschaftlich-technische Innovationen gehen heute viel zu schnell. So möchte sich jeder Arbeitnehmer zurecht weiterentwickeln, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in seiner beruflichen Stellung und gesellschaftlich. Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern solche Möglichkeiten nicht ausreichend eröffnet, weil z. B. die guten Positionen ausschließlich (bequem) durch externe Führungskräfte besetzt werden können, dann wird Stillstand einkehren, weil sich kaum noch jemand bemüht, einen Schritt weiter zu gehen, als es der Dienst nach Vorschrift verlangt. Eine gesunde gegenseitige Konkurrenz und Ansporn und Motivation zu guten Leistungen gehören zum Motor eines erfolgreichen Unternehmens.

Welche Rolle spielen dabei die Führungskräfte?

Wie oben bereits erwähnt spielt die Teamführung die zentrale Rolle, sie ist heute mindestens ebenso wichtig, wie die fachliche Kompetenz der Führungskraft. Das hängt u. a. mit dem Erfordernis zusammen, dass die Führungskräfte turnusmäßig unzählige Gespräche mit ihren Mitarbeitern führen müssen. Wer z. B. in einer Behörde tätig ist, weiß, dass ein Fachbereichs- oder Referatsleiter jedes Jahr mit allen Mitarbeitern Beurteilungsgespräche führen muss, dabei werden sozusagen „Zensuren“ für die Leistungen vergeben, auf deren Grundlage vielleicht eine Höhergruppierung bzw. Beförderung stattfinden kann. Das nächste riesige Bündel von Mitarbeitergesprächen betrifft die sogenannte „leistungsorientierte Bezahlung“ (LoB), auf deren Grundlage ein jährliches Budget gerecht und motivierend verteilt werden soll. Unabhängig von irgendwelchen Bewertungen werden außerdem alljährlich die „Mitarbeiter – Vorgesetztengespräche“ angeboten und durchgeführt, damit der Vorgesetzte die Wünsche und Ängste, ggf. auch private Problemsituationen seiner Mitarbeiter besser einordnen kann.

Nach längerer Krankheit werden Rückkehrergespräche mit dem betroffenen Mitarbeiter geführt, und darüber hinaus Gespräche zum betrieblichen Eingliederungsmanagement im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, an denen auf Wunsch des Mitarbeiters ebenfalls sein Vorgesetzter teilnehmen soll. In speziellen Konfliktsituationen z. B. bei Abmahnungen, die einer ordentlichen oder außerordentlichen Kündigung vorausgehen, steht die Führungskraft mehrfach beim Personalrat Rede und Antwort.

Diese lange Aufzählung ist keine „Räuberpistole“ oder gar ein abschreckendes Extrembeispiel, nein, diese Aufzählung entspricht heute dem ganz normalen Alltag von Führungskräften und macht es wohl jedem plausibel, warum die Führungskraft kaum noch zur Anwendung ihrer fachlichen Kompetenzen kommt, sondern fast jeden Tag konfrontiert ist mit der Bewältigung von Fragen, bei denen diese und andere Soft Skills eines Psychologen dringend benötigt werden:

  • Offenheit
  • Zuhörenkönnen
  • Menschenkenntnis
  • Souveränität
  • Selbstbewusstsein
  • Durchdachtes Delegieren
  • Selbstreflexion
  • Empathie
  • Fairness und Gerechtigkeit
  • Autorität
  • Besonnenheit
  • Entscheidungsstärke
  • Diplomatie
  • Charisma
  • Überzeugende Rhetorik
  • Kollegialität auf Augenhöhe
  • Ausstrahlung von Vertrauenswürdigkeit
  • ….

Diese Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Zugleich kann sie aber ein Impuls sein für die Frage, die jeder an sich selbst richten sollte: „Bin ich wirklich eine ausgemachte Führungskraft, will ich das überhaupt sein, ist so ein (stressiger) Job im Leben (überhaupt) erstrebenswert?“

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Titelbild: © Jr Casas – fotolia.com

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