Wie auch in anderen Ländern hat sich das von den christlichen Kirchen eingeführte Geburtstagsfest Christi in Norwegen mit älteren lokalen Bräuchen verbunden. Im Laufe der Jahrhunderte fügten sich neue Entwicklungen an und schufen im Küstenland zwischen Oslo und Nordkap das „Jul“ genannte Weihnachten.

Natürlich hat in einer globalen Welt auch das norwegische Jul-Fest mittlerweile zum großen Teil viele Schnittmengen mit den Weihnachten anderer Länder, aber es werden auch weiterhin nicht nur auf dem Lande und bei ausgesprochenen Traditionalisten viele norwegische Weihnachts-Sonderheiten gepflegt.

Quietschbuntes Blinkwerk -Nein Danke!

Wie auch in  Österreich ist auch in Norwegen der 24. Dezember der zentrale Tag des Weihnachtsfestes, obwohl er bis 16.00 Uhr offiziell ein ganz normaler Arbeitstag ist. In den Tagen und Wochen vor dem Jul-Fest haben die Norweger sich in Weihnachtsstimmung gebracht. Geschäfte, Straßen und Wohnungen sind festlich geschmückt. Es wird in der Vorweihnachtszeit gern in geselliger Runde Gløgg (Glühwein) getrunken. Es fällt auf, dass anders als etwa in den USA kaum quietschbuntes Blinkwerk zu sehen ist. Norweger bevorzugen weiße Kerzen, Lampen und Lichter. Traditionelle Weihnachtsdekorationen sind Naturelemente wie Holz und Rindenstücke. Die auch in Norwegen allgegenwärtigen Weihnachtsbäume werden mit kleinen Nationalfahnen geschmückt. Jul ist vor allem ein im Kreise der Familie begangenes Ess- und Geschenkefest. Der Feierreigen beginnt aber für viele oft mit einem frühabendlichen, überaus festlichen Beisammensein mit Kollegen.

Die meisten norwegischen Familien treffen sich Heiligabend (Julaften) zu einem leckeren Essen (Julebord) zuhause. Klassischerweise geht es in der Tradition vorchristlicher Opferbräuche deftig zu. Insbesondere in Südnorwegen steht am Heiligabend aufwendig zubereitete und oft von Fleischklößen, Rotkohl sowie Preiselbeeren begleitete Schweinerippe (Svineribbe) auf dem Speiseplan.

Mølje, Juleøl & Co.

An der Westküste werden eher Lammrippen bevorzugt und Nordnorweger lassen sich vornhehmlich Dorschgerichte munden. Nicht missen mögen viele Norweger „Mølje“ (etwa: „Mischmasch“) genannte Spezialitäten auf Fleisch-, Fisch- oder auch Knäckebrot-Basis. Dazu passt extra für die Festzeit gebrautes Weihnachtsbier (Juleøl), Aquavit und Weihnachts-Rosinenkuchen (Julekaker). Es gibt in Norwegen zwar auch den rot gewandeten Standard-Weihnachtsmann deutsch-amerikanischern Ursprungs (Julemann), aber wichtiger als Geschenkebringer für die Kinder ist immer noch der koboldartige Julenisse, der von kleinen Helfern, den Julebarna, begleitet wird.

Der 1. Weihnachtstag wird besinnlich verbracht, der 26. Dezember dagegen ist ein beliebter Termin für ausgelassene Partys. Offiziell endet die norwegische Weihnachtszeit zumeist am Dreikönigstag (6. Januar).

Veranstaltungstipp: Norwegisch für den Urlaub

God Jul! (norwegisch: „Fröhliche Weihnachten!“)

Titelbild: © derdy – Fotolia.com

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