Kaum ein Thema ist so schwer zu greifen wie „Glück“. Jeder möchte glücklich sein, aber eine Zauberformel oder gar ein Anrecht auf Glück gibt es nicht. Leichte Antworten scheint die Werbung zu geben: Strahlende Menschen, jung und gesund lachen von Plakaten und suggerieren, dass ein bestimmtes Aussehen, die gute Figur, das tolle Auto oder Wohlstand zu einem glücklichen Leben führen. Doch stimmt das? Untersuchungen aus der Glücksforschung führen diese Versprechen ad absurdum. Zu hohl, zu oberflächlich, zu materialistisch sind diese von Projektionsflächen vermittelten angeblichen Werte.

Welches jedoch sind Faktoren, die zu einem glücklichen Leben beitragen?

Der Begriff

Der mittelhochdeutsche Begriff „Gelücke“ bezeichnete vor 900 Jahren ein Ereignis, das zu einem guten Ende gekommen war. Ähnlich dem antiken Glücksbegriff der „Eudaimonie“, was bedeutete, einen „guten Dämon zu haben“, der zu einem gelingenden Leben beiträgt. In der heutigen Umgangssprache meint der Begriff in westlichen Gesellschaften die Erfüllung persönlicher Wünsche.

Das Recht auf Glück

Dagegen gibt es Länder wie Bhutan, wo das „Recht auf Glück“ in der Verfassung verankert ist. Das „Bruttosozialglück“ stellt tatsächlich die Zufriedenheit seiner Bürger über wirtschaftlichen Erfolg. Jigme Singje Wangchuk, der frühere Monarch von Bhutan, hat den im Westen noch heute populären Satz geprägt: „Das Streben nach Bruttosozialglück zählt mehr als das Bruttosozialprodukt“.

Profaner haben es die Vereinten Nationen beschrieben. Demnach gehören zu einem glücklichen Leben 100 Liter Wasser und 2.500 Kalorien täglich sowie ein Kochplatz und mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum sowie sechs Jahre Schulausbildung. Was aber bedeutet der Begriff für jeden Einzelnen? Auf jeden Fall: Subjektives Wohlbefinden und Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Glück in der Wissenschaft

Jenseits persönlicher Glücksgefühle gibt es in der positiven Psychologie Methoden, um zu erforschen, was Menschen zufrieden macht. Sie reichen von biochemischen Grundlagen der Freude des Einzelnen bis zum Wohlergehen einzelner Nationen. Egal unter welchen Gesichtspunkten geforscht wird – gleich bleibt, dass andere Menschen für das Glücksgefühl wichtig sind. Anders ausgedrückt: Die Bausteine eines gelingenden Lebens sind sozialer Art. Freundschaften, Ehrlichkeit und Nähe innerhalb der Familie, eine Partnerschaft, die von gleichen Werten getragen ist – all dies sind beispielgebend Bedingungen für ein glückliches Leben.

Ladybugs family on a grass bridge.

Natürlich erleben Menschen Glücksgefühle auch durch Erfolge. Ein gefeierter Künstler auf der Bühne, ein Wissenschaftler, der bahnbrechende Entdeckungen macht, ein Arzt, der Leben rettet – all diese Tätigkeiten können Glücksgefühle erzeugen, weil sie mit Sinngebung gekoppelt sind. Aber: Diese Erfolge verdanken sich nicht allein Begabung oder Beharrlichkeit. Sie kommen auch durch die Lehren und die unterstützende Hilfe von nahen Menschen zustande. Von Wegbegleitern – in welcher Form auch immer.

Wie schon die Beatles sangen: „All you need is love“. Wer gute Beziehungen zu seinen Mitmenschen unterhält, seien es Nachbarn, Kollegen, Freunde oder die engsten Familienmitglieder fühlt sich sicherer, geborgener und positiver. Die Glücksforschung formuliert daher drei Kriterien:

Das Glück nicht nur bei sich, sondern in Beziehungen zu anderen Menschen zu suchen. Zu erkennen, dass man auch selbst für andere da sein und Verantwortung übernehmen muss. Menschen, die einem wichtig sind wie die eigenen Kinder, Freunde, Eltern oder Kollegen, zu ehren und zu lieben.

Richtig bewerten

Wer nur auf sich fixiert ist, ehrgeizig und mit Ellbogen seine Ziele durchboxt oder gar immer nur glücklich sein möchte, schafft sich seinen Frust selbst. Zu einem erfüllten Leben gehört dazu, zu erkennen, dass jedes Leben Widerstände und Stolpersteine bietet. Es ist schlicht nicht möglich, alle Widrigkeiten zu umschiffen. Im Gegenteil: Nur wer lernt, mit Herausforderungen umzugehen, wird stärker. In diesem Kontext ist der Begriff „Resilienz“ in den Fokus getreten.

Nur wer lernt, eine innere Stärke zu entwickeln, wird belastbar. Resilienz meint also die Fähigkeit, auf wechselnde Herausforderungen und Stressfaktoren angemessen und flexibel reagieren zu können. Wer sich als selbstwirksam erlebt, fühlt sich glücklich. Wer auf seine eigene Kompetenz und Fähigkeit vertrauen kann, lebt unbeschwerter – aber nicht oberflächlich. Reflexion gehört zum Glück dazu. Häufig bleibt es nicht aus, dass man sich mit anderen Menschen vergleicht. Doch sollte man dabei keinesfalls stehen bleiben oder gar Neid entwickeln. In positive Bahnen lenkt man seine Kräfte, wenn man sich fragt, was man von einem anderen lernen kann. Im besten Fall lassen sich neue Ideen entwickeln, die Kräfte oder einen Platz für – nicht überzogenen – Ehrgeiz freisetzen.

Niederlagen sollte man umpolen: Das erfordert ein Nachdenken über sich selbst und eine eventuelle Kurskorrektur. Das eigene Leben ist wie eine Geschichte: Mit Höhen und Tiefen, Freude und Niederlagen. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge zu erkennen.

Paradox aber wahr

Volkswirte haben das Verhältnis von gemessenem Glücksniveau und der Höhe des Einkommens verglichen. Dabei hat sich in verschiedenen Länderstudien herausgestellt, dass Menschen in armen Ländern das Einkommen als bestimmenden Glücksfaktor ansehen. Sind wesentliche Grundbedürfnisse wie Wohnen, Kleidung und Nahrung gedeckt, wird das Einkommen für das persönliche Glücksgefühl unwichtiger.

Forscher nennen es das „Glücks-Paradox“, dass deswegen in sehr armen Ländern ein höheres Glücksniveau gemessen werden kann, als in Wohlstandsgesellschaften. Da dort Menschen finanziell abgesichert sind, konzentriert sich ihr Glücksgefühl auf die Erfüllung persönlicher Wünsche oder Ziele. Diese wiederum sollten reflektiert sein, beziehungsweise erfordern persönlichen Einsatz, etwa wenn es um Freundschaften geht. Kurz gesagt lautet der Glücksschlüssel: Einkommen ist wichtig, aber immer mehr Geld führt nicht zu großen Glücksgefühlen.

Lebensqualität, Vertrauen, neidloser Umgang mit anderen Menschen – all dies fördert das Glücksgefühl. Vergleiche finanzieller Art sind kontraproduktiv für das eigene Glücksempfinden.

Glück erlernen

Natürlich gibt es Menschen, die einen optimistischen Charakter haben. Dennoch gilt für alle Menschen: Glücklich sein lässt sich erlernen. Das beginnt mit der Sorge für den eigenen Körper: Viel Bewegung, gesundes Essen, Sport und genügend Schlaf tragen zu Wohlbefinden und damit auch Glücksgefühlen bei. Dasselbe gilt für Auszeiten, die man sich gönnen sollte. Wer nur in seinem Alltagstrott verharrt, verliert den Blick für das Besondere. Brechen Sie eingefahrene Situationen auf: Warum nicht mal die Mittagspause verlängern und im nächsten Park ein Eis kaufen oder am Brunnen dem Wasser zuhören?

Daneben ist und bleibt es genauso wichtig, sich weiterzubilden. Bildung macht stark und unabhängig. Wer Bescheid weiß, kann mit anderen diskutieren, sich in der Gesellschaft einbringen, sein Leben gestalten. Eine Weiterbildungsmaßnahme kann beispielsweise in ein neues, attraktives Berufsfeld münden. Jede Form des Lernens birgt den Schlüssel zu mehr Glück.

Wer sich anregen lässt, neugierig bleibt und seinen Horizont erweitert, wird nicht nur für andere Menschen anziehender, er kann auch mehr mit seinem eigenen Leben anfangen. Mehr Bildung eröffnet neue Sichtweisen und neue Wege. Das können thematische Vertiefungen sein oder das Erlernen einer neuen Sprache. Je nach Neigung und Talent sollte jeder seinen Weg finden.

Genießen

Glück hängt auch mit der Fähigkeit zusammen, genießen zu können. Wer Geld oder Wissen anhäuft, es aber nicht mit anderen teilt oder seine Freunde vernachlässigt, steht bald allein da. Ein gelingendes Leben hängt von der Ausgewogenheit verschiedener Bereiche ab. Bringen Sie Arbeit, Hobby, Ruhezeiten, Freunde und Familie in ein ausgewogenes Verhältnis miteinander. Neugier und Lust auf Neues, lebenslanges Lernen und Offenheit für andere Menschen, deren Gefühle und Einstellungen erhöhen ebenso das persönliche Glücksgefühl. Und lernen Sie zu akzeptieren, dass ein gelingendes Leben nicht nur aus Höhepunkten bestehen kann. Glück ist dynamisch wie Wasser.

Bilder © Maksim Bukovski – Fotolia.com, © Kletr – Fotolia.com

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