Postgasthof, Haubenrestaurant und Genusshotel: Familie Thaller beweist mit ihrem Posthotel in Anger, wie man diese 3 Bereiche erfolgreich verbindet. Ein Interview mit Junior-Chefin Katharina Thaller, die den Lehrgang für Hotel- & Tourismusmanagement am WIFI Steiermark absolviert hat.

Junior-Chefin Katharina Thaller

Die Konkurrenz im Hotelbereich ist groß, auch was die „Genusshotels“ angeht. Worin sehen Sie Ihre USP bzw. was macht das Posthotel Thaller besonders?
Katharina Thaller: Unsere Stärke ist definitiv die Kulinarik, wir haben da ein sehr breit gefächertes Angebot. Im klassischen Wirtshaus bieten wir traditionelle, sehr hochwertige Speisen an – 7 Tage die Woche ganztätig warme Küche, das ist sicher ein großer Vorteil. Zusätzlich betreiben wir das 2-Hauben-Restauraunt „Luis“ und eine hauseigene Konditorei.

Wie ist das Haubenlokal „Luis“ entstanden?
Thaller: Mein Mann, Luis Thaller, ist 2007 von einer langen Wanderschaft durch unterschiedliche touristische Stationen zurück in die Steiermark gekommen. Er hat die Jahre davor immer auf Haubenniveau gekocht und das wollte er dann auch zuhause umsetzen. Das Wirtshaus wollten wir aber nicht aufgeben, deshalb haben wir mit dem „Luis“ ein eigenes Restaurant ins Leben gerufen.

Keine Berührungsängste

Ihr Betrieb besteht bereits seit 5 Generationen und ist in der Region stark verwurzelt. Inwiefern ist es eine Gratwanderung, bei Einheimischen ebenso beliebt zu sein bzw. zu bleiben wie bei weiter angereisten Gästen? Und wie bleibt man dabei authentisch?
Thaller: Es ist bestimmt eine Gratwanderung. Wir haben uns wahnsinnig gefreut über die 2 Hauben von Gault Millau. Aber ich habe am Anfang auch ein bisschen Bauchweh gehabt. Wenn ein Restaurant zum Haubenrestaurant erhoben wird, ist es oft so, dass die Einheimischen auf Distanz gehen – zu „schickimicki“, da kann man nicht mehr hingehen … Darum haben wir ein eigenes Konzept entwickelt. Der Haubenküche wurde ein eigener Raum gewidmet und dieser hat auch nur an 3 Abenden in der Woche geöffnet.

Als Familienbetrieb sind wir aber auf beiden Schienen authentisch geblieben, das spüren die Leute und das kommt auch gut an. Die Einheimischen wissen, dass es auch im 2-Haubenrestaurant locker hergeht, da gibt es keine Berührungsängste, es muss sich niemand verstellen, auch wir machen das nicht. Alle unsere Gäste werden mit viel Herz willkommen geheißen, jedem wird auf gleicher Augenhöhe begegnet.

Der kulinarische Genuss steht im Posthotel Thaller im Mittelpunkt – mit hauseigener Konditorei, einem klassischen Wirtshaus und einem 2-Haubenrestaurant.

Worin unterscheiden sich Haubenrestaurant und Gasthof?
Thaller: Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Speisekarte: Wir haben eine sehr große Wirtshaus-Karte, klassisch mit Suppen, Hauptspeisen, Vorspeisen, Schnitzerl, Spieß, etc. Luis, der Küchenchef, schaut da beim Fleisch besonders auf die Qualität, verwendet nur Premium-Fleisch und keine Tiefkühlprodukte – eine sehr hochwertige Wirtshausküche also.
Im „Luis“ hingegen gibt es 2 verschiedene mehrgängige Menüs, das eine ist a bisserl bodenständiger, mit Innereien zum Beispiel, Bluttommerl oder ähnlichem, das zweite ist ein bisserl feiner, exklusiver, mit ausgefallenen Produkten. Luis kocht jedoch auch hier vom Prinzip her bodenständig, nimmt super Grundprodukte, die er verfeinert.
Natürlich wird im 2-Haubenlokal auch ein wenig anders gedeckt, Weingläser gehören hier zum Standard. Aber der Sommelier arbeitet sowohl im Restaurant als auch im Wirtshaus, das heißt es gibt da wie dort einen perfekten Weinservice.

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Kein Putenfleisch mehr auf der Speisekarte

Nicht nur 2 verschiedene Restaurants, auch 2 Generationen sind bei Ihnen am Werk.
Thaller: Ja, das schätzen die Gäste auch sehr, dass wir ein echter Familienbetrieb sind. Erst letztens hat mir wieder ein Hotelgast erzählt, der geschäftlich in Weiz zu tun hatte, dass er gerne den Weg zu uns nach Anger auf sich nimmt, weil er sich hier einfach so wohlfühlt und mit dem Chef am Abend bei einem Glaserl Wein zusammensitzen kann. Aber es birgt natürlich hie und da auch Konfliktpotenzial, weil unterschiedliche Generationen eben oft unterschiedliche Ansätze verfolgen. Meine Schwiegereltern waren zum Beispiel ein bisschen skeptisch, als mein Mann das Putenfleisch von der Speisekarte streichen wollte, weil qualitativ hochwertiges Putenfleisch nur zu einem Preis erhältlich ist, den man kaum an die Gäste weitergeben kann. Aber weil diese Veränderung auch bei den Gästen – wenn man ihnen den Hintergrund erklärt hat – Zustimmung fand, sind heute alle glücklich damit. Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit …

Von den Gästen sehr geschätzt: Das Posthotel Thaller ist ein echter Familienbetrieb.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Kennzahlen, an denen Sie Ihren Erfolg messen? Und woran orientieren Sie sich bei der Preispolitik?
Thaller: Natürlich schauen wir uns laufend die Kennzahlen der Wirtschaftlichkeit an, also Wareneinsatz, Warenerlös, Deckungsbeitrag etc. Und wir beobachten den Wettbewerb, weil man sich natürlich auch daran orientieren muss. Aber letzten Endes ist auch viel Bauchgefühl dabei, vor allem bei der Preisgestaltung kann man nicht nur nach den Zahlen gehen. Wir haben im Hotel viele Stammgäste, die schon immer einen hohen Standard genossen haben. Da kann man den Preis nicht auf einmal deutlich erhöhen, obwohl man viel investiert hat.

Das Posthotel Thaller verfügt über 45 verschiedene Zimmer.

Den Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen

Im Tourismus ist es oft eine Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden …
Thaller: Ja, das kann ich nur bestätigen. Es ist schon selten, dass sich jemand bewirbt und dann kommt es auch vor, dass vereinbarte Bewerbungstermine nicht wahrgenommen werden. Wenn dann aber jemand einmal bei uns arbeitet, bleibt er aber meist auch. Wir legen auch großen Wert auf ein gutes Betriebsklima. Die Mitarbeiter merken, dass wir ihnen vertrauen und dass wir sie wertschätzen. Das ist mir ganz wichtig. Und natürlich ermöglichen wir auch gern Weiterbildungen, wenn das Interesse der Mitarbeiter da ist.

Sie haben ja auch selbst eine umfangreiche Weiterbildung absolviert: den Lehrgang für Hotel- & Tourismusmanagement am WIFI Steiermark.
Thaller: Ja, der hat sich auf alle Fälle gelohnt. Für mich war es eine ideale Erweiterung zur Handelsakademie. Ich habe zwar schon vieles an Berufserfahrung im Tourismus, wollte dann aber auch meine theoretischen Hintergrundkenntnisse erweitern. Und dafür hat der Lehrgang ideal gepasst, ich kann ihn nur weiterempfehlen.

Weiterbildungstipp

Lehrgang für Hotel- & Tourismusmanagement
Management, Rechnungswesen, Marketing, Personalmanagement, etc. 136 Stunden, nächster Lehrgangsstart: 16. März 2017

Fotos: © Werner Krug

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