Nur jedes fünfte Unternehmen überprüft die Zahlungsfähigkeit seiner Lieferanten, so eine aktuelle Studie. Ein großer Fehler, warnt Controlling-Experte Paul Slamanig, und gibt Praxistipps für das Lieferantencontrolling.

Nur ein Drittel der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) betreibt aktives Risikomanagement bei der Beschaffung, wie eine Studie der FH Campus02 ergeben hat. Gemeinsam mit der Beratungsagentur Proquest wurden rund 4.000 KMU aus Industrie und Handel befragt. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist demnach akut von Ausfällen betroffen. Aber nur jedes fünfte der befragten KMUs würde sich die finanzielle Potenz seiner Lieferanten näher ansehen.

Krisen frühzeitig erkennen

Der Verzicht auf das Lieferantencontrolling ist ein großer Fehler, warnt Paul Slamanig, Leiter des Controlling-Lehrgangs am WIFI Steiermark. „Ein externer Geschäftspartner kann eine Krise im eigenen Unternehmen verursachen. Im Rahmen des Risikomanagements kann man solche Krisen aber deutlich abschwächen“, so der Controlling-Experte.

Mit System arbeiten

„Es geht dabei um die systematische Erkennung, Analyse, Bewertung, Überwachung und Kontrolle von Risiken“, erläutert Slamanig die Umsetzung in der Praxis. „Sich nur auf die Einhaltung der Zahlungsziele zu konzentrieren, ist viel zu kurz gegriffen.“

Zahlungsausfälle seien operative Krisen, meist folge davor aber bereits eine strategische Krise. „Ein klassisches Beispiel für eine strategische Krise ist jene von Kodak. Das Unternehmen hat viel zu spät auf Digital- statt Analogfotografie gesetzt.“

Frühwarnsysteme einführen

Der WIFI-Controlling-Lehrgang liefert für Controller konkrete Umsetzungstools für die Praxis, wie Absolvent Manfred Niederl bestätigt, Projektcontroller bei AVL. „Es wird speziell auf die Anforderungen mittelständiger Unternehmen eingegangen – mit vielen anwendungsfertigen Beispielen.“ Ein solches Beispiel ist ein Frühwarnsystem, mit dem Krisensymptome bei Geschäftspartnern frühzeitig erkannt werden können. Der Controller überprüft damit unter anderem,

  • ob Geschäftspartner häufig um Verlängerung der Zahlungsfrist ansuchen,
  • Aufträge stornieren, 
  • Bestellmengen reduzieren, 
  • Preisverhandlungen intensivieren, 
  • um Ratenzahlungen bitten 
  • oder Skontofristen nicht ausnutzen.

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Titelbild: © lassedesignen – Fotolia.com

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