Schrift und Sprache sind die wohl schärfsten und gefährlichsten Waffen des Menschen. Dabei wird für diese Waffen kein aufwendiges technisches Know-how benötigt und sie funktioniert über tausende von Kilometer hinweg genauso gut wie von Angesicht zu Angesicht.

Die Manipulation der Gedanken

Mündliche, bildliche oder schriftliche Überzeugungsarbeit zu leisten ist im Prinzip eine Umschreibung für die Manipulation einer Person oder einer Gruppe. Um dies zu bewerkstelligen, bestehen verschiedene Ansätze, deren Nutzung abhängig ist vom gewollten Ziel und der überwiegenden Einstellung der Person oder der Gruppe. In der Regel wird immer dann manipuliert oder eben Überzeugungsarbeit geleistet, wenn zu erwarten ist, das die zu beeinflussenden Zielpersonen eine andere Meinung über das betreffende Thema besitzen.

In der einfachsten Form der Manipulation werden eigentlich negative Bestandteile eines Inhaltes positiv dargestellt oder zumindest so umschrieben, dass negativ behaftete Begriffe einfach nicht mehr vorkommen. Dazu werden dann einfach Synonyme verwendet. Ein Beispiel dafür ist der Begriff „Atomstrom“, der für viele Menschen einen negativen Inhalt besitzt. Stattdessen wird „Nuklear-Energie“ verwendet. Der englische Ausdruck „Nuklear“ ist weniger geläufig und im Zusammenhang mit dem Wort „Energie“ ergibt sich ein freundlicheres Bild, zumindest im deutschsprachigen Raum.

Das ist zugleich das Stichwort für die Beziehung der Manipulation zur Sprache. Wirklich funktionieren kann die rhetorische Manipulation nur bei völliger Beherrschung der Muttersprache. Allerdings kann auch eine absichtliche Verstellung im Umgang mit der jeweiligen Sprache einen positiven oder negativen Effekt besitzen. So wird vielleicht von einem englischen Muttersprachler ein radebrechend vorgebrachter Satz eher positiv aufgenommen als wenn dieser Satz in perfektem Deutsch von einem Deutschen ausgesprochen worden wäre. Das wohl berühmteste Beispiel war der Satz von John F. Kennedy im damals isolierten Berlin: „ich bin ein Berliner“. Wäre dieser Satz etwa vom damaligen Berliner Bürgermeister Willy Brandt gekommen, so besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Berliner dies dem gebürtigen Lübecker übel genommen hätten.

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, erfolgte gerade eben in den obigen Sätzen gleichfalls eine Manipulation. Je nach politischer Überzeugung hätte der Satz:“…im damals isolierten Berlin:“ auch so formuliert werden können:“….im damals von den kommunistischen Sowjetmächten isolierten Berlin:“.

Marcus Porcius und Karthago

Diese Formen der Manipulation sind schon sehr lange im Gebrauch und fanden schon in der Antike ihre Anwendung. Die antike Stadt Karthago wurde ein Opfer geschickter rhetorischer Manipulation. „Und im übrigen bin ich der Überzeugung, dass Karthago zerstört werden muss“, schloss Marcus Porcius (Cato der Ältere)  jede seiner Reden vor dem römischen Senat – wohl wissend, dass ständige Wiederholung bei den Zuhörern am Ende zur Gewissheit wird. Neben der gezielten Einbringung oder dem weglassen bestimmter Begriffe ist die ständige Wiederholung einer These oder eines Themas eine sehr beliebte Form der Manipulation, die früher von Politikern, heute jedoch vermehrt in der Werbung oder dem Marketing genutzt wird. Irgendwann verbindet sich im Unterbewusstsein des Zuhörers etwa ein Markenname mit einer Eigenschaft, wenn dies nur oft genug zu hören ist.

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Dabei muss es nicht einmal ein ganzes Wort sein. Ein bestimmter Ton genügt schon, der eine bestimmte positive Beziehung aufbaut, immer abgestimmt auf die Zielgruppe. Das geht natürlich genauso umgekehrt und nun geht es wieder in die Politik, wo dieser rhetorische Schachzug nur zu gerne verwendet wird. Wie aber kann ein politischer Gegner diskriminiert werden, ohne diesen direkt anzugreifen, denn verbale Angriffe, möglichst noch mit Kraftausdrücken gespickt, fallen in der Regel auf den jeweiligen Redner zurück wie eine senkrecht nach oben abgeschossene Kanonenkugel.

Von Freunden, die Feinde sind

Der schnellste Weg, einen direkten Gegner in den Augen seiner Freunde oder Anhänger in ein negatives Licht zu setzen, ist diesen zum engen persönlichen Freund zu machen, selbst wenn dieser davon nichts wissen will. Die ständige Beteuerung der Nähe zum „Freund“ führt dazu, dass dieser wiederum keinerlei negative Äußerungen abgeben kann, ohne sich selbst ins vorgeblich falsche Licht zu setzen.  Für den Anwender dieser rhetorischen Manipulation hat der Trick zudem noch den Vorteil, als ein positiver Mensch dazustehen, der lieber Freunde als Feinde an seiner Seite hat. Eine Rede kann so positiv zum eigentlichen Thema beginnen, nur um zu verschleiern, das der Redner völlig dagegen ist. Etwa so:“ Meine Damen und Herren, einige meiner besten Freunde sind ….. , jedoch bin ich der Überzeugung…..“ Der Redner sucht die Nähe zum Feind, nur um Ihm besser den Dolch in den Rücken stoßen zu können. Positive Äußerungen müssen folglich keineswegs positiv gemeint sein, werden aber von der Zuhörerschaft positiv aufgenommen.

Der Timesharing Trick

In der einfachsten Form, die die etwa Versicherungsvertretern oder Verkäufern von Timesharing-Immobilien beigebracht wird, erfolgt die Manipulation nur durch weglassen von Negativismen. Worte wie Nein, nie, niemals, nicht, unmöglich oder Minus dürfen in deren Sprachschatz während des Kundenfangs nicht vorkommen. Das lässt sich relativ leicht erlernen und wenn etwa eine Frage auf diese Weise nicht abzubügeln ist, erfolgt in der Regel die Antwort, das er, der Verkäufer, die Frage mitnehmen werde und an passender Stelle beantworte, in der Hoffnung, das die Frage bis dahin vergessen ist.

Manipulatives Reden lässt sich erlernen, jedoch sollte ein gewisses Talent dafür bereits vorhanden sein und ganz wichtig ist das Gefühl dafür, welche Stimmung gerade bei der Zuhörerschaft zum gewählten Thema besteht. In der Werbung werden dafür Marktforschungsinstitute eingeschaltet, die zu praktisch jedem Thema Befragungen durchführen und so aufzeigen, ob etwas positiv oder negativ aufgenommen wird und wie sich etwa ein Produkt verändern lässt, um eine positive Wirkung zu erhalten. Wir werden manipuliert und wir manipulieren selbst, oftmals sogar unbewusst. In welchem Maße, ist nicht selten eine Frage des Charakters, aber auch der Erziehung.

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© igor – Fotolia.com

2 Kommentare

  1. Rhetorik ist per se eben nicht (moralisch) gut oder schlecht. Das Motiv dahinter macht die Konnotation. Rhetorik ist ja auch nicht „gut“ zu reden, sondern wirksam. D.h. erreiche ich was ich will, war es gut, weil wirksam………Instrumente und Methoden sind eben nur die Werkzeuge, von dem der sie nutzt. Und nicht das Instrument ist die moralische Instanz, sondern der Nutzer oder Empfänger.

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