Sie werden es schaffen! Selbst wenn Sie als Redner Anfänger sein sollten und Ihre erste Rede oder eine Ihrer ersten Reden halten müssen: Wenn Sie Ihr Thema gut vorbereitet haben und Ihrer Sache sicher sind, dann wird es nicht schief gehen! Hier sind ein paar Tipps für Sie, die Ihnen helfen sollen, mit der für manchen ja doch etwas unangenehmen Situation „Ich stehe allein da vorne, und alle starren mich an“ fertig zu werden. Wir fangen mit allgemeinen Tipps zum Verhalten des Redners an (Nr. 1 – 6) und fügen einige Ratschläge zum Aufbau der Rede an (Nr. 7 – 9). Und bitte beherzigen Sie vor allem den letzten Ratschlag (Nr. 10)! Viel Glück!

1) Vom Manuskript ablesen oder frei sprechen?

Natürlich machen Redner, die ihren Text im Kopf haben und auswendig sprechen, großen Eindruck. Aber ein Anfänger sollte das auf keinen Fall wagen. Es ist keine Schande, sich an ein Manuskript zu halten. Aber natürlich sollten Sie nicht wörtlich vom Blatt ablesen wie ein Schauspieler, der Aufnahmen für ein Hörbuch macht oder wie ein Radiosprecher, sondern Sie sollten Ihre Rede solange üben, dass Sie große Teile auswendig können. Sie werden dann merken, dass es Ihnen gelingt, sich immer wieder vom Blatt zu lösen und auch frei zu formulieren. Aber das Manuskript gibt Sicherheit! Der nächste Schritt (wenn die ersten schon gut abgelaufen sind) wäre dann, sich nur noch Stichworte aufzuschreiben und im Prinzip frei zu formulieren. Auch erfahrene Redner werden immer einen „Spickzettel“ mit Stichworten dabei haben …

2) Laut und deutlich sprechen!

Dies klingt wie eine Binsenweisheit, ist es aber nicht. Bedenken Sie bitte, dass nicht alle Ihrer Zuhörer ein gutes Gehör haben. Vielleicht sind Senioren darunter, die ein Hörgerät tragen. Auch junge Menschen haben heutzutage infolge des Musikkonsums über Kopfhörer oft schon Probleme mit dem Hören. Das müssen Sie berücksichtigen, selbst dann, wenn Sie durch ein Mikrofon sprechen dürfen. Das Mikrofon erfordert, dass Sie ganz besonders langsam sprechen. Üben Sie, wenn irgend möglich, schon vor Beginn der Rede, das Sprechen ins Mikrofon (Mikrofonprobe).

3) Ein Akzent ist etwas Sympathisches!

Die meisten Österreicher sprechen im täglichen Leben kein „gestochenes Hochdeutsch“, sondern Umgangssprache oder eine Mundart. Stehen Sie – auch während Ihrer Rede – zu Ihrer Mundart und Ihrem Akzent. Sie werden selbstverständlich Ihre Rede auf Hochdeutsch halten, aber Ihre steirische, kärntnerische  oder Tiroler Herkunft darf das Publikum durchaus heraushören. Versuchen Sie nicht, sich Ihren sympathischen regionalen Akzent „abzutrainieren“! Sie dürfen nämlich davon ausgehen, dass ein Dialektakzent bei den meisten Ihrer Hörer Sympathien weckt. „Gestochenes Hochdeutsch“ wirkt dagegen allzu akademisch. Lassen Sie ruhig auch einmal einen Dialektbegriff einfließen, so können Sie die Hörer auch für sich gewinnen.

Weitere Seminare zum Thema finden Sie unter: Persönlichkeit und Kommunikation

4) Humor schadet nicht, aber …

… versuchen Sie nicht, „mit aller Gewalt“ Lachen und gute Laune hervorzurufen. Vielleicht ist es Ihrem Thema gar nicht angemessen. Da Sie ja kein Kabarettist und kein Comedian sind, sondern ein ernsthafter Redner, sollten Sie auch keine Ironie verwenden. Viele Menschen haben Probleme mit Ironie, sie verstehen sie gar nicht recht, ja, in manchen Kulturkreisen ist Ironie sogar unbekannt! Angenommen, es regnet in Strömen, wenn Ihre Rede beginnt. Dann können Sie natürlich auf das Fenster zeigen und anmerken „Was für ein tolles Wetter!“ – das ist kein Problem. Aber die Inhalte Ihrer Rede sollten ironiefrei präsentiert werden!

5) Medien sinnvoll einsetzen!

Medien sind wichtig und hilfreich. Haben Sie die Möglichkeit, eine Powerpoint-Präsentation zu Hilfe zu nehmen oder eine Texteinspielung? Das ist alles sinnvoll, aber vergessen Sie nicht: Das Charisma des Redners ist durch nichts zu ersetzen. Und ein übertriebener Einsatz medialer Hilfsmittel könnte bei Ihren Zuhörern den Verdacht wecken, dass der Redner sich hinter den Medien verstecken möchte …

6) Anmerkungen zu Gestik und Mimik

Die Mimik wird keine große Rolle spielen. Die Zuhörer sind ja ein Stück von Ihnen und erkennen Ihre Mimik gar nicht deutlich. Ausnahme: Eventuell werden Sie gefilmt und auf eine Leinwand projiziert. Auch in diesem Fall sollten Sie sich über Ihre Mimik weiter keine Gedanken machen! Es ist albern, wenn ein Redner vor dem Spiegel steht und „Mimik übt“ … Nein, Sie sollten selbstbewusst genug sein, zu Ihrem Gesicht und Ihrer natürlichen Mimik, Ihrer natürlichen Ausstrahlung zu stehen! Um die Gestik ist es anders bestellt. Sie spielt für das Gelingen einer Rede eine wichtige Rolle. Als Faustregel sollte gelten: Vermeiden Sie „abweisende Gestik“! Ein drastisches Beispiel für eine abweisende Geste ist das Verschränken der Arme (das würde Ihnen natürlich als Redner nicht passieren – es soll nur die Intention dieses Ratschlags verdeutlichen!). Achten Sie darauf, sich ein wenig zu bewegen beim Reden: mal aufzuschauen, den Kopf zu wenden, bekräftigende Gesten mit der Hand zu machen. Übrigens sollten Sie – wenn irgend möglich – während Ihrer Rede stehen und nicht sitzen, denn im Stehen lässt es sich besser atmen und daher auch deutlicher sprechen.

7) Zum Aufbau Ihrer Rede: Die Einleitung

Die klassische Rhetorik nennt den Beginn der Rede „captatio benevolentiae“ (= „das Einfangen des Wohlwollens“). Damit ist gemeint, dass der Redner einige verbindliche Sätze, die ihm die Sympathie des Publikums sichern sollen, an den Anfang stellen sollte. Bedanken Sie sich z.B. für die Gastfreundschaft, äußern Sie sich lobend über die Stadt, in der Sie auftreten. Und dann kommen Sie natürlich zum Thema. Erklären Sie ganz kurz, was Sie vorhaben.

8) Zum Aufbau Ihrer Rede 2): Der Hauptteil

Gliedern Sie den Hauptteil gut. Formulieren Sie nicht zu lange Sätze. Wenn der Hauptteil der Rede aus mehreren Aspekten besteht, so nennen Sie ruhig jeweils im Voraus den Punkt, zu dem Sie nun kommen.

9) Zum Aufbau Ihrer Rede 3): Der Schluss

Am Schluss der Rede steht das Fazit. Ein kurzer Rückblick, evtl. die Nennung der wichtigsten Punkte. Ganz am Ende steht – korrespondierend mit dem „Fangen des Wohlwollens“ am Anfang – eine verbindliche Wendung wie etwa: „Ich bedanke mich herzlich für Ihre Geduld …“

10) Sich selbst nicht zu ernst nehmen!

Versuchen Sie, die ganze Sache locker zu nehmen. Nicht inhaltlich (Ihr Redeinhalt ist vielleicht ernst, und dazu sollten Sie auch stehen!), sondern persönlich. Sie sind zwar als Redner die wichtigste Person im Saal, solange Ihre Rede dauert. Aber bleiben Sie trotzdem bescheiden. Wenn es auf der Veranstaltung, auf der Sie reden, irgendwie möglich ist, so lassen Sie Fragen der Hörer zu und reagieren Sie auf Kritik locker und nicht beleidigt. Sie werden es schaffen!

Weitere Seminare zum Thema finden Sie unter: Persönlichkeit und Kommunikation

Titelbild: ©lightpoet – Fotolia.com

 

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