Nonverbale Signale sind nicht nur eine Chance, andere besser zu verstehen und Fehlinformationen zu entlarven. Sie sind auch ein Weg, um die eigene Außendarstellung zu optimieren und von der Umwelt positiver aufgenommen zu werden.

Die Sprache ist unser zuverlässigstes Medium für die Interaktion. Verbale Mitteilungen sind kurz, verständlich und möglichst unzweideutig, wenn die beiden Konversationspartner eine fruchtbare und ehrliche Verständigungsbasis erreichen wollen. Dies ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Kommunikation. Worte können nämlich auch trügen.

Über Worte können wir Informationen transportieren, die der Unwahrheit entsprechen und einen Sachverhalt verzerren. Lügen, Zweideutigkeiten und Auslassungen werden oftmals durch die Sprache vermittelt (oder eben nicht), sodass der Empfänger einer Mitteilung weniger weiß als zuvor oder sogar mit falschen Informationen versorgt wird. Nicht umsonst warnte schon der griechische Philosoph Platon vor den Lügen der Dichter. Wer etwas in eine Vielzahl von Worten einkleidet, ein echtes Wirrwarr an ambigen Ausdrücken in die Welt entsendet und der sprachlichen Präzision entsagt, stiftet mehr Unheil, als dass er Erkenntnisse über die Provenienz, das Motiv, den echten Sinn seiner Äußerungen zulässt.

Die Sprache setzt uns dementsprechend tagtäglich dem Risiko aus, falschen Fährten zu folgen. Wie können wir uns doch in vielen Fällen in der Kommunikation orientieren, selbst wenn wir gezielt oder unabsichtlich fehlerhafte Äußerungen entschlüsseln müssen? Wir observieren den Sprechenden! Wir untersuchen, wie er etwas sagt, welchen Gesichtsausdruck er dabei hat oder welche Körperhaltung er einnimmt. Zu einer Aussage gehören nicht nur Worte, eine vollständige Äußerung beinhaltet mannigfaltige unterschiedliche Faktoren, die vom Sendungsempfänger studiert und ausgewertet werden können. Wir nennen diese Faktoren „Nonverbale Signale“. Es gibt eine ganze Reihe nonverbaler Signale, die bei der Kommunikation beachtet werden müssen, um ein möglichst vollständiges Gesamtbild zu erhalten.

Der Gesichtsausdruck

Der Gesichtsausdruck ist der erste Verwirklichungsort unserer Emotionen, der für die Außenwelt greifbar ist. Er kann das Gesagte bestätigen oder diesem widersprechen. Wir haben im Laufe unseres Lebens das nötige Werkzeug an die Hand bekommen, um Gesichtsausdrücke zu interpretieren und zu entlarven. Zusammengezogene Augenbrauen bedeuten Wut, ein Lächeln bedeutet eine positive Haltung des Sprechenden gegenüber seinem Konversationspartner oder der Sache, von der er redet, ein Verdrehen der Augen suggeriert Langeweile, Überheblichkeit oder Geringschätzung. Oftmals ergibt der Gesichtsausdruck in Kombination mit den Worten eine kompaktere, wahrere Gesamtäußerung des Sprechenden ab.

Doch man darf auch nicht arglos von der Echtheit der Miene täuschen lassen. Einige Menschen beherrschen ihre Gesichtsmuskeln so gut und sind so kaltschnäuzig und erfahren im Umgang mit anderen, dass sie ihre Gesichtsausdrücke fälschen und unwahren Äußerungen anpassen können. Nicht nur die brillanten Schauspieler aus Hollywoodstreifen haben den Ausdruck ihrer Miene gemeistert und können auf Knopfdruck die verschiedensten Emotionen über ihr Antlitz huschen lassen. Um die Persönlichkeit zu optimieren und die Außendarstellung zu verbessern, versuchen die Menschen seit Anbeginn der Zeit, Herr über ihre Mimik zu werden. Mit großem Erfolg!

Der Körper

Heikler für den Sprechenden ist der Körper. Wenn er etwas Bestimmtes, wie etwa Zuversichtlichkeit oder Selbstbewusstsein, ausstrahlen möchte, kann der Körper rebellieren. Ist die Person allgemein eher nicht von sich, einer Sache oder einer Aussage überzeugt, kann dies durch den Körper verraten werden. Ein Schweißausbruch, ein Pochen der Halsschlagader, kalte Hände, ständige Berührungen im Gesichtsbereich, Kopfkratzen. All diese Signale werden dem Empfänger unwillkürlich übermittelt. Erfahrene Konversationspartner erkennen diese sofort und legen sie entsprechend aus. Die Analyse der Körperhaltung, der Körperfunktionen und Bewegungen ist eine der wichtigsten Heuristiken in der Kriminologie.

Auch die Signale des Körpers können gezähmt werden. Man kann sich beispielsweise des Öfteren künstlichen Stresssituationen aussetzen und lernen, mit diesen umzugehen. So ist man allmählich auch auf den Ernstfall vorbereitet und hat den Körper unter Kontrolle. Der Geist ist an die Anstrengung gewohnt und vermag es, unliebsame Zuckungen und Äußerungen des Körpers zu unterdrücken.

Das Wie der Sprache

Nicht nur die tatsächliche Wortwahl oder der Sinngehalt einer Äußerung verrät etwas über den Sprechenden. Es ist oft das Wie, das dem Sendungsempfänger Informationen über den Sprechenden preisgibt. Wenn man nach Jahren glaubt, eine Fremdsprache mittlerweile perfektioniert zu haben, kann man im Ausland von vielen Menschen noch immer leicht als Fremdsprachler entdeckt werden. Häufig können wir anhand des Akzents sogar in etwa den Herkunftsort oder die Herkunftsregion des Gegenübers bestimmen. Selbst innerhalb ein und desselben Sprachgebrauchs gibt es gravierende Unterschiede in der Äußerungsform der Sprecher. Regionale Dialekte verwässern die Standardsprache und offenbaren dem Gesprächspartner, woher der Sprechende stammt. Darüber hinaus setzt sich auch das soziale Milieu des Sprechers in seiner Sprache fest. Viele verschiedene soziale Schichten haben eigene Sprachcodes, die charakteristisch für die jeweilige Schicht sind und zu deren Identifikation beitragen. Anhand des Wie einer sprachlichen Äußerung können also spezifische Informationen über die Herkunft und soziale Position des Sprechers erlangt werden.

Akzente und soziale Codes sind jedoch keine festgeschriebenen, unwiderruflichen Phänomene. Im Laufe des Lebens wandelt sich der Sprachgebrauch und kann verschiedene Phasen durchlaufen. Mit verschiedenen Trainingsmethoden, beispielsweise von Schauspielschulen vermittelt, können bestimmte Sprachschemata und Automatismen abgestellt werden. Dies bedarf einer hohen Disziplin und Kontrollfähigkeit seitens des Lernenden, führt jedoch auch rasch zu sichtbaren Erfolgen. Auf diese Weise kann man der sprachlichen Prägung entwachsen und sprechen, wie man es selber will.

Nonverbale Signale – Nicht nur Verwirrung, sondern eine Chance

In der heutigen Arbeits- und Lebenswelt ist ein positives, gutes Auftreten unerlässlich für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg des Individuums. Man muss seine Persönlichkeit ins beste Licht rücken, um auf Interesse und Wohlwollen zu stoßen. Dabei ist es notwendig, hilfreiche Verhaltensweisen zu adaptieren und hinderliche zu vermeiden. Es gibt zweierlei Probleme bei der Außendarstellung unserer Persönlichkeit. Unsere innere Persönlichkeit ist manchmal durch den langen und beschwerlichen Weg von unserer mentalen, seelischen Konstitution hinaus in die physisch fassbare Welt gehemmt und weiß sich nicht recht zu äußern. Andererseits könnte es aber auch sein, dass unsere eigentliche Persönlichkeit mit den äußeren Anforderungen nicht übereinstimmt und im gesellschaftlichen Leben sozusagen gezähmt werden muss. Nicht immer ist es weise, alles zu äußern, was man gerade denkt. Die Ausbalancierung von außen und innen gleicht zuweilen einem Drahtseilakt.

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Unser Gesichtsausdruck verrät oft mehr, als wir wollen. Um ein möglichst positives Bild abzugeben, müssen wir uns beizeiten zügeln. Wir müssen lernen, in verschiedenen Situationen auf Mimiken zurückzugreifen, die nicht unserem derzeitigen Befinden entsprechen, um beispielsweise andere nicht zu kränken, einzuschüchtern oder abzuschrecken. Ein erster Schritt ist die sorgfältige Beobachtung der Mitmenschen. Wer erreicht was durch welchen Gesichtsausdruck? Im zweiten Schritt denken wir uns in vergleichbare Situationen und probieren den erlebten Gesichtszug aus. Die Anspannung und Lockerung der Muskeln muss in einer solchen Frequenz eingeübt werden, dass sie letztlich unwillkürlich in der wünschenswerten Regung des Gesichts mündet.

Zusätzlich kann der Körper mit den oben angesprochenen Methoden als Störfaktor ausgeschaltet werden. Es macht keinen guten Eindruck, wenn man bei einem Bewerbungsgespräch oder einer wichtigen Verabredung unaufhörlich schwitzt, zittert oder in der Nase bohrt. Solche Verhaltensweisen zu unterbinden, ist der erste Schritt zu einer positiven Präsentation der eigenen Persönlichkeit. Auch hier sind Einsicht und Selbsterkenntnis die ersten Hürden, die man überwinden muss. Wir müssen unsere Bewegungen genauestens untersuchen und beobachten und im Anschluss nach Wegen suchen, ungewollte Regungen im Keim zu ersticken. Nur durch den Willen können wir unseren Körper kontrollieren lernen.

Auch das Wie der Sprache bereitet uns in einigen Situationen Schwierigkeiten. Oftmals wirkt es einfach nur unhöflich oder rüde, wenn man im tiefsten Akzent oder Alltagsdeutsch daherredet. In manchen Fällen scheitert jedoch sogar das Verständnis an solch einer sprachlichen Barriere. Wenn man in Hamburg am Arbeitsplatz im ländlichsten Bayrisch spricht, stößt man damit nicht nur Irritation, man wird schlichtweg nicht verstanden. Wichtig ist es, unliebsame Aspekte der eigenen Sprache schonungslos aufzudecken und zu beheben. Bei der Bekämpfung von sprachlichen Eigenheiten hilft nur stumpfe Wiederholung und tagtägliche Übung. Letztlich werden sich jedoch schnell Fortschritte zeigen.

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Titelbild: © Syda Productions – Fotolia.com

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