Mit 15 wollte man rasch Geld verdienen, mit 40 denkt man sich: Eine Akademische Ausbildung wäre ideal, um weiterhin fest im Berufsleben zu stehen. Das WIFI Steiermark kommt dem Trend zu individuellen Bildungs- und Karrierewegen entgegen, erläutert WIFI-Leiter Martin Neubauer im Interview.

Jahrzehntelang war es eine klare Sache: Man entschied sich als Jugendlicher zwischen Lehre und Studium und startete danach seine Berufslaufbahn – entweder als Facharbeiter oder als Akademiker. Erst folgte die Ausbildung, dann darauf basierend die berufliche Tätigkeit. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, Bildungs- und Karrierewege werden immer individueller bzw. passen sich an die aktuelle Lebensphase an. Bereits mehr als ein Drittel der FH-Studiengänge in Österreich wird berufsbegleitend angeboten und am WIFI Steiermark absolvieren derzeit rund 220 Steirerinnen und Steirer, die alle mitten im Berufsleben stehen, einen Akademischen Lehrgang in einem der folgenden Bereiche:

Kooperationspartnern dabei sind M/O/T und FHWien – und der Zugang ist im manchen Fachrichtungen auch ohne Matura möglich.

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Rund 220 Personen absolvieren derzeit eine Akademische Ausbildung am WIFI Steiermark.

Interview mit WIFI-Leiter Martin Neubauer

Inwiefern gewährleistet das WIFI bei den Akademischen Ausbildungen die Verbindung mit dem praktischen Wissen?

Martin Neubauer: Unsere Akademischen Ausbildungen sind da, um den Anforderungen der Wirtschaft zu entsprechen. Wir wissen, dass sehr viele junge Menschen, die eine Lehre und Meisterprüfung bzw. viele Zusatzqualifikationen absolviert haben, unglaublich intelligent und fleißig sind. Diesen Menschen den Zugang zu einer akademischen Ausbildung zu ermöglichen, darin besteht unsere Aufgabe.

Schon von der Grunddefinition her sind diese Akademischen Ausbildungen „angewandt“ und wirtschaftsorientiert, so wie wir es als WIFI in unserem Namen tragen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Hochschulen zusammen, die auch aufgrund der jeweiligen Akkreditierungsrichtlinien eine entsprechende Wirtschaftstauglichkeit der jeweiligen Ausbildung nachweisen müssen. Darüber hinaus sind wir insbesondere bei der Selektion unserer Trainer sehr selektiv um den Lernenden die Umsetzung der präsentierten Inhalte in das Berufsleben so idealtypisch wie möglich zu gestalten.

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Martin Neubauer, Leiter des WIFI Steiermark

Menschen, die fest im Berufsleben stehen

An wen richtet sich das Angebot?

Martin Neubauer: Unsere Akademischen Ausbildungen zielen insbesondere auf Personen ab, die aus dem dualen Ausbildungssystem (Lehre, Meister) stammen und das Ziel haben, zusätzlich eine Akademische Ausbildung zu absolvieren. Wir möchten diesen Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen, das Zeug zum Unternehmer haben bzw. dies bereits umsetzen eine Möglichkeit bieten, sich über die operative hinaus verstärkt eine strategische Kompetenz anzueignen.

Welche Rolle spielt Blended Learning?

Martin Neubauer: Blended Learning ist ein Thema, das in der Zukunft verstärkt in unseren Lehr- und Lernbereich einfließen wird. Wichtig ist es, die elektronische bzw. Online-Komponente in erster Linie nicht als Ersatz sondern als ein Mehr an Möglichkeiten zu sehen. Präsenz vor Ort und Lernen im Team stärkt das soziale Lernen – Eigenschaften, die im digitalen Bereich in dieser Form noch nicht möglich sind. Blended Learning bietet aber die Möglichkeit einer zusätzlichen Individualisierung der Bildung, sprich noch individueller und auch unmittelbarer mit den Lernenden zu interagieren, Feedback zu geben, Inhalte auf die jeweilige Person „zuzuschneidern“ und darüber hinaus asynchron und disloziert Wissen zu vermitteln.

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Fotos: © WIFI Steiermark
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