Warum Konsequenz nicht gleich Konsequenzen bedeutet.

Malina Klöppel, Erziehungswissenschafterin, Akad. Kommunikationsberaterin und Family Support-Trainerin am WIFI Steiermark erklärt, warum Konsequenz in der Kindererziehung zwar unerlässlich ist, Konsequenzen aber nur die Spitze der Erziehungspyramide bilden.

Frau Klöppel, als erfahrene Trainerin leiten Sie bereits seit Jahren Aus- und Fortbildungskurse zum Thema Kindererziehung – unter anderen auch die mittlerweile auf 35 Stunden erweiterte Ausbildung zum/zur KinderbetreuerIn. Was bildet den zentralen Inhalt Ihrer Kurse?

Foto Kinderbetreuungskurs_Malina Klöppel
Erziehungswissenschaftlerin Malina Klöppel

Malina Klöppel: Im Zentrum steht die Kommunikation. Die Kommunikation mit den Kindern in erster Linie, aber auch mit den Eltern der Kinder, den künftigen Arbeitgebern sozusagen. Es geht um einen liebevollen, respektvollen Umgang, wir vermitteln das Handwerkszeug zur Konfliktprävention und wenn nötig zur Konfliktbewältigung. Die liebevolle Grundhaltung und ein dem entsprechender Umgang miteinander bilden die eigentliche Basis der Kindererziehung und nicht nur dort.

Vorleben von Werten

Stichwort Basis – Sie sehen die Bausteine der Kindererziehung als Pyramide, wie wir sie alle aus dem Ernährungsbereich kennen. Können Sie dieses Modell ein wenig erläutern?

Klöppel: Wie gesagt, die Basis bilden die bereits erwähnte liebevolle Grundhaltung und die eigenen Werte. Denn nur wovon man selbst überzeugt ist und was man auch selbst lebt, kann man glaubwürdig vermitteln. Damit sind wir bereits bei der zweiten Stufe – nämlich der Vorbildwirkung. Wir alle wissen, dass Kinder große „Nachahmer“ sind. Sie spiegeln ihre Umgebung – vor allem natürlich ihre engsten Bezugspersonen. Das Vorleben der Werte, die wir unseren Kindern weitergeben wollen, ist daher ein ganz essenzieller Teil der Erziehung. Die dritte Ebene bilden Regeln und Rituale – ganz wichtige Anker im Leben von Kindern. Sie geben einen Rahmen vor, sie geben Halt und Sicherheit. An der Spitze der Erziehungspyramide stehen letztlich die Konsequenzen. Selbstverständlich ist es wichtig bei der Einhaltung von Regeln auch konsequent zu sein, ständiges Nachgeben würde nur wieder zu Verunsicherung führen und damit das Ziel verfehlen. Logische Konsequenzen sollten dennoch das letzte Mittel sein, die Einhaltung von Regeln durchzusetzen.

Konstruktiv ansprechen

An zweiter Stelle Ihrer Erziehungspyramide stehen die Werte. Was, wenn nun meine Werte als Kinderbetreuer nicht mit jenen der Eltern übereinstimmen?

Klöppel: Am Beginn jedes Kurses steht zuerst einmal die Selbstreflexion – wir beschäftigen uns eingehend damit, welche Werte die Teilnehmer den zu betreuenden Kindern vermitteln wollen. Die Vorstellungen der Teilnehmer klaffen hier aber nicht allzu weit auseinander. Aber natürlich kann es vorkommen, dass die Vorstellungen der Eltern sich nicht mit den eigenen Ansichten decken. Hier wird – wie auch bei anderen Arbeitsverhältnissen – abzuwägen sein, ob ich mir ein Betreuungsverhältnis trotzdem vorstellen kann oder ob die Ansichten so weit auseinanderdriften, dass dieses nicht funktionieren kann. Der Umgang mit kleineren Spannungsfeldern zwischen Betreuer und Eltern ist zudem auch ein Thema des Kurses und sollte den Teilnehmern keine großen Probleme bereiten. Sie lernen dort, diese konstruktiv anzusprechen.

Für den schnellen Überblick hier also nochmals zusammengefasst: die 5 Ebenen der Erziehungspyramide

  1. Liebevolle Grundhaltung & Werte
  2. Vorbild sein
  3. Regeln & Rituale
  4. Konkretes Ansprechen & Anweisungen (Was kann ich tun, damit die Botschaft auch ankommt?! D.h. gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt)
  5. Konsequenzen

Bunte Kursgruppe

Alles in allem ein durchaus komplexes Thema, das den neuen Kursumfang von 35 Stunden durchaus rechtfertigt.

Klöppel: Ja, ehrlich gesagt waren die bisherigen 8 Stunden viel zu kurz, um allen Kursteilnehmern eine Basis für ihre künftige Aufgabe als Kinderbetreuer zu vermitteln. Man darf nicht immer voraussetzen, dass alle Interessenten bereits auf umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Kindern zurückgreifen können. In unserem letzten Kurs hatten wir z.B. eine sehr bunte Gruppe – vom Au-Pair-Mädchen aus Mauritius bis zur „Leihoma“ aus Innsbruck – das sind sehr unterschiedliche Ausgangssituationen. Langweilig war es uns an diesen Wochenenden nie!

Im Gegenteil, die Teilnehmer haben sich – trotz des doch sehr dichten Programms – täglich auf den Kurs gefreut, wie man deren Feedback entnehmen kann.

Klöppel: Es waren auch für mich spannende und abwechslungsreiche Tage und es ist natürlich schön, wenn man so begeisterte, aktive Teilnehmer hat. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Kurstage!

Neue Ausbildung für Kinderbetreuung

War bislang eine Ausbildung der Betreuungsperson im Ausmaß von 8 Stunden für die steuerliche Absetzbarkeit als Kinderbetreuungskosten ausreichend, muss seit Anfang 2017 eine Ausbildung zur Kinderbetreuung und Kindererziehung im Mindestausmaß von 35 Stunden nachweisen müssen. Nähere Infos auf stmk.wifi.at.

Titelbild: © luckybusiness – Fotolia.com

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