Ja, wir brauchen Spezialisten, sagt Unternehmer und WIFI-Kunde Paul Kiendler jun.. Diese Spezialisten – in seinem Fall Elektroinstallateure – müssen aber einen Blick fürs Ganze haben und wissen, was das Unternehmen sonst noch macht. Und das geht weit über das Hantieren mit Stromkreisläufen hinaus.

Sie betreiben eine Öl- und Getreidemühle und sind Experte für Automatisierungstechnik, daneben gibt es noch einen Elektrohandel. Wie passt das zusammen?

Paul Kiendler jun.: Eigentlich war das alles eine logische Entwicklung, ausgehend von einer alten Schiffsmühle in Leibnitz. Aus der Schiffsmühle wurde durch den technologischen Fortschritt eine Landmühle mit 14 Wasserrädern, 1895 kam dann ein Gleichstromdynamo hinzu, der der Mühle elektrisches Licht ermöglichte. Das wiederrum hat die benachbarte Gräfin auf den Plan gerufen – warum hat der Müller Strom und ich nicht – und uns dazu veranlasst, unsere erste Kupferleitung zu graben. Unzählige weitere folgten und irgendwann kamen das Elektroinstallationsunternehmen dazu und der Elektrohandel. Ja, und weil wir in unser eigenen Mühle laufend Prozesse automatisiert haben, hat sich auch in diesem Bereich Expertentum entwickelt, das wir heute an Kunden weitergeben.

Weiterbildung unerlässlich

Welche Rolle spielt Qualifizierung in Ihrem Unterhemen?

Kiendler jun.: Eine sehr zentrale, weil wir uns auch heute immer noch laufend weiterentwickeln und dem technologischen Fortschritt folgen. Das geht nicht ohne Weiterbildung. Man muss dazu aber auch im Mitarbeiter die Motivation für Weiterbildung wecken, ihm zeigen was ihm das bringt und dass er sich damit neue Perspektiven im Unternehmen eröffnet. Speziell für die Lehrlinge starten wir jetzt mit dem WIFI Steiermark eine Lehrlingsakademie, wo die Social Skills ein wichtiger Bereich sind. Das Programm ist ganz individuell auf unseren Bedarf abgestimmt und damit eine gute Ergänzung zum praktischen Wissen, das die Lehrlinge auf unseren Baustellen erfahren.

Spezialisten, aber keine Fachidioten

Und braucht es eher Mitarbeiter mit einer breit gefächerten Ausbildung oder einer, die tief in die Materie geht?

Kiendler jun.: In unserer Größe – wir sind rund 130 Mitarbeiter – ist auf jeden Fall beides erforderlich. In der Führungsebene sind sicher eher die Querdenker gefragt, die strategische Entwicklungen erkennen. Aber irgendwer muss die erforderlichen Schritte dann ja auch umsetzen. Dazu braucht es Spezialisten, die aber natürlich keine Fachidioten sein dürfen und stur auf ihren Bereich fixiert. Wenn der Elektriker in ein Haus kommt, in dem ein alter Kühlschrank steht, muss er wissen: Der Kiendler verkauft auch Kühlschränke.

Sind am Arbeitsmarkt eher Fachidioten oder Wunderwuzzis gefragt? Bei der Antwort auf diese Frage ist die WIFI-Community gespalten, wie eine aktuelle Umfrage gezeigt hat.

Zum Umfrageergebnis „Fachidiot oder Wunderwuzzi?“

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Paul Kiendler jun., Geschäftsführer der Kiendler-Unternehmensgruppe

Foto: © Furgler
Titelbild: © industrieblick – Fotolia.com

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