Die Bezeichnung mag sperrig klingen, der Inhalt ist aber ganz logisch: Ein Klimawandel-Anpassungsmanager unterstützt Unternehmen und Gemeinden dabei, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen – sei es über neue Produkte, welche die Unternehmen anbieten können oder sei es über die Sicherstellung eines lebenswerten Wohnraumes in der Kommune. Das WIFI Steiermark bietet nun – einzigartig in Österreich – einen Diplomlehrgang dazu an. In der Konzeption mitgearbeitet hat auch Andra Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark.

Der Klimawandel ist zwar in aller Munde, dass er sich auch in der Steiermark schon spürbar macht, vielen aber noch nicht bewusst.

Andrea Gössinger-Wieser: Ja, bei diesem Bewusstsein besteht auf jeden Fall noch Potenzial. Es ist ein bisschen so wie bei einem Dachflächenfenster, das man offen lässt, obwohl das Wetter instabil ist. Eigenvorsorge braucht kein Millioneninvestment, oft kann man mit geringen Maßnahmen schon viel bewirken.

Praxisbeispiele für die Anpassung an den Klimawandel

Und warum lohnt sich das speziell für Unternehmen?

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Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark

Gössinger-Wieser: Klimabedingte Veränderungen betreffen alle Menschen gleichermaßen und damit auch die Unternehmen. Das Risiko für durch Unwetter verursachte Wasserschäden kann man reduzieren, wenn man Flächen nicht durchgängig betoniert, sondern auf ausreichend Versickerungsflächen achtet. Und wenn man – sofern es möglich ist – für energieeffiziente Kühlung sorgt, wirkt sich die Hitze im Sommer weniger stark auf die Arbeitsproduktivität aus. Der neue WIFI-Diplomlehrgang für Klimawandel-Anpassungsmanager fokussiert speziell auf den Bereich Bauen und Wohnen bzw. liefert hier konkrete Praxisbeispiele für Anpassungen.

Gibt man sich mit dieser Anpassung dem Klimawandel gewissermaßen geschlagen, d.h. gehört das Energiesparen der Vergangenheit an?

Gössinger-Wieser: Ganz und gar nicht, die Anpassung ist eine notwendige Erweiterung zu den bisherigen Maßnahmen. Das wurde im Paris-Vertrag 2015 auch klar festgelegt: Die Staaten sind verpflichtet sowohl die vereinbarten Klimaschutz-Ziele zu erfüllen als auch dafür zu sorgen, dass sich die Bevölkerung an die Folgen des Klimawandels soweit als möglich anpasst.

Klimawandel in der Steiermark

Woran merkt man den Klimawandel in der Steiermark bereits jetzt?

Gössinger-Wieser: Um 1,8°C stieg die durchschnittliche Jahrestemperatur im Alpenraum in den letzten 150 Jahren und damit liegen wir deutlich über dem weltweiten Anstieg von 0,85°C. Für die Steiermark wird bis 2050 ein weiterer Anstieg von 1,4°C prognostiziert, der zum größten Teil auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Die Beobachtungen der letzten Jahre zeigen ganz klar, dass die Wetterextreme zunehmen: die Zahl der Hitzetage im Sommer steigt und es kommt häufiger zu Starkregenereignissen wobei im Jahresmittel die Niederschlagsmenge unverändert bleibt.

Sowohl für Unternehmen als auch für Kommunen gibt es zahlreiche Förderungsmöglichkeiten …

Gössinger-Wieser: Ja, für Kommunen und Regionen gibt es als Ergänzung zu dem bereits bestehenden Programm der Klima- und Energieregionen (KEM) nun auch die Klimaanpassungsmodellregionen (KLAR). Und für Unternehmen gibt es unter anderem Förderungsmöglichkeiten seitens der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG).

Über den neuen Diplomlehrgang für Klimawandel-Anpassungsmanager

  • Zielgruppen: Gebäudetechniker, Energieberater, Ingenieurbüros, Installateure, Elektriker, Unternehmensberater, Baumeister, Architekten, Planer, KLAR-Manager, …
  • Umfang: 60 Stunden (bzw. durch individuelle Vorkenntnisse verkürzt auf 48 Stunden) + 25 Stunden Umsetzungskonzept und Präsentation
  • Start der Ausbildung: Ende Juni 2017
  • Infos auf www.stmk.wifi.at/energie

 

Titelbild: © lassedesignen – Fotolia.com

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