Auch in der Arbeit wollen die Digital Natives Snapchat und Facebook nutzen, vergessen schon mal auf ein höfliches „Guten Morgen“ und sagen einfach „Du“ zum Chef. Soweit die Vorurteile. In der Realität kann die Generationenvielfalt im Unternehmen aber anders ablaufen – und ein großer Benefit sein.

Birgit Freidorfer
Birgit Freidorfer ist u.a. an der WIFI-Ausbilderakademie und bei den WIFI-Lehrlingspowerdays als Trainerin im Einsatz.

„Es stimmt schon, die Jugendlichen sind heute selbstbewusst und sagen offen ihre Meinung“, sagt Birgit Freidorfer, WIFI-Trainerin für Lehrlinge und Lehrlingsausbilder. „Und weil in einem Unternehmen unterschiedliche Generationen zusammenarbeiten, kann das zu Konflikten führen.“ Für die Generation Z, die heutigen Lehrlinge und Berufseinsteiger, ist etwas anderes „normal“, als für ältere Menschen und das lässt sich auch ganz einfach erklären:

  • „Normal“ ist das, was einem von klein auf vorgelebt wird bzw. was man von der Umgebung aufschnappt. In der Werbung und auf sozialen Medien überwiegt das „Du“ heute bei Weitem, selbst Unternehmen sprechen Ihre Kunden mit „Du“ an. Deshalb ist das „Du“ für die Generation Z auch keine unhöfliche Anrede sondern einfach „normal“.

Nur einmal am Tag zum Postkasten

Ein anderes Beispiel: Jahrzehntelang war es normal, den Postkasten einmal am Tag auszuleeren und seine Post zu lesen. Die heutigen Digital Natives verschicken hunderte Messenger-Nachrichten pro Tag, die meist auch innerhalb von Sekunden/Minuten gelesen werden. Es ist „normal“, laufend aufs Handy zu schauen.

Regeln mit Erläuterungen statt Befehle

  • „Da muss man“, so Freidorfer, „im Unternehmen klare Regeln einführen und diese auch begründen.“ Zum Beispiel: Smartphone-Nutzung nur in der Pause, weil sonst die Konzentration auf die Arbeit leidet und Fehler passieren können.
  • Es ist nämlich nicht so, dass sich Jugendliche per se den Vorgaben Erwachsener widersetzen. Aber sie hinterfragen Dinge und wollen den Hintergrund verstehen. Deshalb braucht es eine Erklärung und keine reinen Befehle.

Gemeinsames Regelwerk für Jung und Alt

Eine Unterstützung beim Definieren von gemeinsamen Regeln bietet Birgit Freidorfer mit dem Workshop „Sag mir wie alt du bist und ich sag dir wie du tickst – Die Generation Z(ukunft) – die Welt der Digital Natives“ am WIFI Steiermark an (siehe Weiterbildungstipps am Textende). Lehrlinge und Ausbilder setzen sich dabei gemeinsam an einen Tisch und definieren einen „Kodex“, mit dem sich beide Seiten identifizieren können. „Es müssen sich natürlich beide Seiten ein bisschen bewegen, aber das ist alles kein Ding der Unmöglichkeit sondern man kann sogar voneinander profitieren.“

Jugendliche für Employer Branding nutzen

Unternehmen können von den Jugendlichen im Employer Branding – vor allem im technischen Bereich ist es ja oft schwierig, Lehrlinge bzw. Karriereeinsteiger zu finden – profitieren. Auch im Employer Branding muss der „Köder dem Fisch schmecken“ und der junge Mitarbeiter weiß eben oft besser, was seinen „Artgenossen“ schmeckt als ältere Generationen. Freidorfer empfiehlt: „Einfach die jungen Mitarbeiter im Unternehmen in Employer-Branding-Videos einbauen bzw. sie fragen, welche Bilder aus dem Unternehmen sie am ansprechendsten finden und so weiter.“

Ältere als Vorbild

Und umgekehrt? „Was den Fokus auf das Wesentliche betrifft, sind ältere Generationen oft ein gutes Beispiel.“ Es mag zwar für manche wie ein Verhalten aus vergangenen Jahrzehnten scheinen, aber man arbeitet definitiv konzentrierter, wenn man seine Mails bzw. Messenger-Nachrichten nur alle paar Stunden und nicht laufend abruft.

Gehirn hat sich verändert

Das ständige Onlinesein führt dazu, dass das Gehirn der Digital Natives wächst: Unter anderem ist der Sensomotorische Cortex durch das viele Tippen von Nachrichten am Smartphone um ein Vielfaches größer geworden (siehe Interview „Wie digitale Medien unser Gehirn verändern“ mit Hirnforscher Georg Hüther auf swr.de). Jugendliche können dadurch Eindrücke viel schneller wahrnehmen und darauf reagieren, was aber auch für viel mehr Ablenkung sorgt – die Konzentration wird schwerer. Der Mensch ist laut Freidorfer nämlich definitiv nicht multitaskingfähig.

„Detox-Camps“

Immer mehr junge Menschen empfinden die Reizüberflutung auch als Belastung, „wir werden für Lehrlinge in Zukunft auch ‚Detox-Camps‘ anbieten, bei denen gemeinsame Aktivitäten am Programm stehen und das Smartphone ausgeschaltet bleibt“.

„Stärkenvielfalt“ nutzen

Freidorfer sieht in der Generationenvielfalt im Unternehmen eine große Chance: „Unterschiedliche Menschen und Generationen haben auch immer unterschiedliche Stärken. Es würde viel Potenzial verloren gehen, wenn Unternehmen diese Stärkenvielfalt nicht nutzen.“

Weiterbildungstipps

Für Lehrlingsausbilder: WIFI Ausbilderakademie (u.a. mit dem Modul Jugendliche und ihre Lebenswelt) und Workshop „Sag mir wie alt du bist und ich sag dir wie du tickst – Die Generation Z(ukunft) – die Welt der Digital Natives“. Nähere Infos und Termine beim WIFI-Team Ausbilderakademie

Foto: © WIFI Steiermark
Titelbild: © rohappy – Fotolia.com

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