Der eine ist der glücklichste Mensch, wenn er dem Trend zum Urlaub im eigenen Garten folgt. Für den anderen ist das ganz und gar kein erholsamer Urlaub. Nur weil etwas im Trend liegt, bringt es noch lange nicht zum gewünschten Ziel. Außerdem verändern sich Trends im Laufe der Zeit – das ist beim Urlaub nicht anders als bei der Weiterbildung. Ein Einblick in die Arbeit der „Bildungs-Trendscouts“ des WIFI Steiermark, die sich u.a. mit der eLearning und der Generation Z beschäftigen und ihr neues Programm für 2017/2018.

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Wer sich schon heute auf die Trends von morgen vorbereitet, ist für seine weitere Karriere bestens gerüstet.

Updates in Echtzeit

Egal ob bei den Google-Search-Algorithmen, bei den Cloud-Diensten oder beim Nutzerverhalten: Der Bereich Internet/Web ist einer, in dem sich Trends besonders schnell verändern. Wie schafft man es dennoch, zeitgemäßes Know-how zu vermitteln?

„Man ist als Trainer heute stark gefordert“, steht für Gerhard Trittenwein außer Frage. „Das Vorwissen der Teilnehmer ist deutlich gestiegen und auch das Umfeld verändert sich laufend.“ Der IT-Unternehmer ist seit 1999 am WIFI Steiermark als Trainer im Einsatz, „und anders als damals ist es heute unumgänglich, vor jedem Lehrgang das Skriptum zu überarbeiten.“ Was im September brandaktuell ist, ist im Februar oft schon überholt.

Einer der Lehrgänge, die derzeit für das Bildungsjahr 2017/2018 komplett überarbeitet werden, ist die Fachakademie für Medieninformatik und Mediendesign, die u.a. um die Trend-Themen Test Automation, IDEs und SCRUM, ein Prozess für agiles Projektmanagement erweitert wird. Auch eCommerce gewinnt zunehmend an Bedeutung, „das ist zwar schon seit den 2000er-Jahren Thema, damals ging es aber eher noch um die Grundlagen.“

„Mittlerweile ist eCommerce für die Unternehmen zum Alltag geworden und es geht um die konkrete Implementierung in allen Unternehmensbereichen.“

Die enge Vernetzung des WIFI mit den steirischen Unternehmen sieht Trittenwein hier als großen Vorteil. „Im Endeffekt geht es ja darum, nicht blindlings allen IT-Trends nachzukommen sondern in jenen Bereichen Weiterbildungen anzubieten, in denen die steirischen Unternehmen Bedarf haben.“

Generation Verständnisvoll

Jugendliche „ticken“ heute in vielen Dingen anders als ihre Ausbilder, was im Arbeitsalltag zu Generationenkonflikten führen kann. Auch haben Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, Lehrlinge zu finden. Das WIFI trägt diesen Entwicklungen Rechnung.

Der Ausbilder empfindet es höchst unhöflich, wenn der Lehrling das saloppe Du verwendet. Der Lehrling versteht die Aufregung nicht. Im Radio und auf Facebook wird er doch selbst von den Unternehmen mit „Du“ angesprochen. Unterschiedliche Generationen – unterschiedliche Gewohnheiten und Lebenswelten. „In einem Unternehmen macht das die Zusammenarbeit zwischen Lehrlingen aus der Generation Z und Ausbildern oft zur Herausforderung“, weiß Birgit Freidorfer, die am WIFI Lehrlinge und Ausbilder trainiert.

Zwar ist eine Ausbildung für Lehrlingsverantwortliche schon lange gesetzlich vorgeschrieben, vor einigen Jahren hat sich aber klar gezeigt, dass die Inhalte zu kurz greifen. Das WIFI Steiermark hat deshalb die WIFI-Ausbilderakademie ins Leben gerufen, die Jugendliche und ihre Lebenswelt ebenso thematisiert wie Teamentwicklung oder Konfliktkompetenz, wobei es zahlreiche Fördermöglichkeiten gibt. Und weil das Rennen um die besten (Lehrlings-)Köpfe zunehmend schwieriger wird und Zusatzqualifikationen hier ein Pluspunkt sind, erfreuen sich auch die WIFI-Angebote für die Lehrlinge zunehmender Beliebtheit.

Der „Lehrlings-Powerday“ wird individuell für Unternehmen konzipiert und umfasst Coachings im Bereich Kommunikation, Gesundheit und soziale Kompetenz. „Zusätzlich bieten wir nun eigene Digital-Detox-Camps, da immer mehr Jugendliche mit dem Informationsüberfluss überfordert sind“, gibt Freidorfer einen Ausblick auf die neuen Bildungsangebote ab Herbst 2017.

Wellness war gestern

Heute ist das Feld der Gesundheit und Fitness so breit, dass es Spezialisierungen braucht. Auch die mentale Komponente gewinnt zunehmend an Bedeutung und es braucht mehr denn je Experten, die Orientierung im Diät- und Fitnessdschungel schaffen.

Von der Avocado über die Hautcreme bis hin zum Fitnesscenter: Wenn man auf Instagram nach Wellness-Bildern sucht, zeigt sich schnell die große Bandbreite des Themas. Und es wird klar, dass eine einzige Person kaum (mehr) Experte in allen Facetten dieses Themas sein kann. Deshalb hat man auch an der WIFI Gesundheits- und Sportakademie den ursprünglichen 450-stündigen Lehrgang zum Wellnesscoach durch ein deutlich flexibleres Modulsystem ersetzt.

Den Einstieg bildet der Grundlehrgang Gesundheit & Sport, darauf aufbauend kann man Spezialausbildungen absolvieren – unter anderem für Schwimmtraining, Wirbelsäulen- und Beckenboden-, Kindergesundheits- oder Seniorenaktivtraining. „Einen deutlichen Trend merken wir auch zum Mental- und Achtsamkeitstraining, wo wir neben den Lehrgängen ab Herbst 2017 auch neue Spezialseminare anbieten“, verweist Teamleiter Heinz Vogel auf das Seminar „Mentale Stärke statt Arbeitsfrust“.

Gewissermaßen als „Konterpart“ zu den laufend neuen Diät-Hypes hat man den Lehrgang für Weight Management geschaffen. Die Teilnehmer setzen sich hier wissenschaftlich fundiert mit dem Thema auseinander und werden damit in Zeiten, in denen die Ernährung zunehmend im Fokus steht, zu gefragten Experten.

Die Vernetzung unter diesen Experten – sprich den Absolventen – fördert das WIFI aktiv, das nächste „Alumni-Treffen“ ist schon fixiert …

Lehren am Puls der Zeit

Langfristig im Gedächtnis bleibt nur das, was einem „gehirngerecht“ und interaktiv vermittelt wird. eLearning gehört am WIFI Steiermark längst zum Alltag und in der Didaktik geht es um das Organisieren von Lernprozessen und das Vermitteln von Kompetenzen.

Man kennt es aus der Schule. Vokabeln, Formeln oder Jahreszahlen, die man für die Prüfung auswendig gelernt hat, vergisst man oft unmittelbar danach. Gerade wenn man sich für eine berufsbegleitende Weiterbildung entscheidet, will man sein erworbenes Wissen aber auch lange nach dem Lehrgangsabschluss nutzen. Schon vor mehr als 25 Jahren hat sich das WIFI Steiermark deshalb als Pionier in der Trainerausbildung hervorgetan. „Schon damals ging es weg von der traditionellen Vermittlungsdidaktik, hin zum Organisieren von Lernprozessen“, erinnert sich Psychologe und Universitätslektor Enrique Grabl, der seit Langem die Aus- u. Weiterbildungsprogramme für WIFI-Lehrbeauftragte leitet. Diesen Weg geht man bis heute konsequent weiter, was unter anderem an den Übungsfirmen für die Teilnehmer des Unternehmertrainings sichtbar wird.

„Es geht um interaktives, gehirngerechtes und spielerisches Lernen. Es geht darum, dass die Teilnehmer Fähigkeiten und Kompetenzen erhalten, die sie im Arbeitsprozess 1:1 umsetzen können.“

Auch eLearning ist dabei heute gelebte Praxis, so Martin Neubauer, Leiter des WIFI der WKO Steiermark: „Bei eLearning handelt es sich um keinen Trend sondern um einen klaren Weg. Es geht um einen Zusatznutzen für Lernende und Lehrende, ohne dabei auf das soziale Lernen im Präsenztraining zu verzichten.“

Titelbild: © Egor – Fotolia.com
Foto: © Shutterstock – A lot of people

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