Büro- und Handwerkstätigkeiten, Logo-Design, Botendienste – diese und viele weitere Arbeiten werden heute über Crowdworking-Plattformen angeboten. Doch sowohl als Auftraggeber als auch als Crowdworker kann man dabei schnell die Grenzen der Legalität überschreiten und riskiert hohe Strafen. Arbeitsjuristin Beatrix Karl, die auch beim WIFI-Arbeitsrecht-Tag am 23. Oktober eine Keynote hält, klärt auf.

Von Clickworker und Amazon Mechanical Turk (AMT) über MyHammer bis hin zu 99designers: Plattformen, über die Auftraggeber Crowdworker für unterschiedliche Tätigkeiten finden, gibt es mittlerweile zahlreiche und auch die Zahl der Crowdworker in Österreich steigt.

  • Unter Crowdwork versteht man die Vergabe bzw Auslagerung von bestimmten Arbeiten durch den Auftraggeber (Crowdsourcer) an eine üblicherweise unbestimmte Menge von Menschen (Crowdworker). [1]
    Dabei werden Aufgaben auf eine Internetplattform (Crowdsourcing-Plattform) gestellt und dann durch einzelne Crowdworker erledigt, sei es in Zusammenarbeit oder wettbewerbsorientiert. [2]
  • Laut einer Studie der Arbeiterkammer Österreich aus dem Jahr 2016 werden von österreichischen Crodworkern dabei hauptsächlich Büroarbeit sowie Tätigkeiten im kreativen und IT-Bereich durchgeführt.

Arbeitnehmer oder Selbstständiger?

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Arbeitsrecht-Expertin Beatrix Karl

Die rechtliche Stellung der Crowdworker ist dabei oft unklar. Die Grazer Arbeitsrechts-Expertin Beatrix Karl, die auch als Keynote-Speakerin beim WIFI-Arbeitsrecht-Tag zu Gast ist, erläutert: „Wenn ein Unternehmen über eine Plattform externe Crowdworker beauftragt, kommen unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse in Betracht.“ Meist ist der externe Crowdworker als Selbstständiger zu sehen. „Dabei ist dann aber entscheidend, ob das Ganze als freier Dienstvertrag oder als Werkvertrag gilt. Auch macht es einen Unterschied, wenn eine Arbeitnehmerähnlichkeit gegeben ist.“

Österreichisches Recht?

Es gibt in Österreich zwar ein Heimarbeitsgesetz, dieses ist laut Karl aber in den seltensten Fällen anwendbar. Relevant ist außerdem die Frage, ob überhaupt österreichisches Recht oder eine andere Rechtsordnung zur Anwendung gelangt, da man über die Plattformen ja als Unternehmer auch Crodworker aus dem Ausland beauftragen kann.

„Wer Strafen vermeiden will, sollte sich auf jeden Fall genau informieren“, empfiehlt Karl sowohl den Crowdworkern als auch den Unternehmen, die sie beschäftigen. Eine sehr gute Gelegenheit dazu ist der WIFI-Arbeitsrecht-Tag.

WIFI-Arbeitsrecht-Tag

Termintipp: Beim Arbeitsrecht-Tag des WIFI Steiermark am 23. Oktober 2017. Beatrix Karl hält dabei eine Keynote zum Thema Crowdwork.
Weitere Experten des Arbeitsrecht-Tags sind u.a. Ingrid Kuster („Arbeitszeit – eine gefährliche Lohndumpingfalle“) und Prof. Franz Schrank („Aktuelle Judikatur im Arbeitsrecht“)
Info & Anmeldung

[1] Vgl. Leimeister/Zogaj/Blohm, Crowdwork – digitale Wertschöpfung in der Wolke, in: Benner (Hrsg), Crowdwork – Zurück in die Zukunft? (2014) 9.

[2] Vgl. Klebe, Crowdwork: Amazonisierung der Arbeit oder Selbstbestimmung mit sozialen Schutzrechten? In: Tomandl/Risak (Hrsg), Wie bewältigt das Recht Moderne Formen der Arbeit? (2016) 72 (73). 

Foto: Jungwirth

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