In vielen Familien ist es nach wie vor Tradition, am Heiligen Abend Karpfen zu essen. Besonders in Süd-, Ost- und Mitteleuropa wird dieses Brauchtum weiter gepflegt und es muss ein Weihnachtskarpfen auf den Tisch.

Woher stammt nun dieses Brauchtum?

Der Advent gilt als Fastenzeit und früher haben sich die Menschen da strikt daran gehalten. Fastenzeit bedeutet, dass kein Fleisch gegessen werden darf, Fisch war allerdings erlaubt. Am Heiligen Abend wollte man schon immer ein besonderes Mahl auf den Tisch bringen und daraus entstand der Brauch, an diesem Abend, zum Abschluss und Höhepunkt der Adventszeit, Karpfen zu essen.

Der Fisch war bei den Ur-Christen ein Erkennungs- und Geheimzeichen. Damit konnten sie mit einem Zeichen am Haus oder der Türe zeigen, dass sie Christen sind. Auch das hat einen Zusammenhang mit dem Traditionsessen des Weihnachtskarpfens.

Meist wird der Karpfen in Stücke geschnitten, paniert und gebraten. Dazu wird – ebenfalls von der Familientradition abhängig – häufig Kartoffelsalat, Kartoffel-Mayonnaise-Salat, Feldsalat mit Kartoffeln oder Gurkensalat serviert. Es muss schon ein richtiges Festessen sein.

Legenden und Bräuche

Um den Weihnachtskarpfen ranken sich verschiedene Geschichten und Gebräuche. So soll man eine Schuppe vom Weihnachtskarpfen in der Geldbörse tragen, das bringt Glück, verhilft zu Wohlstand und dazu, dass im nächsten Jahr die Geldbörse niemals leer wird. Das ist ganz sicher, denn zumindest die Karpfenschuppen sind immer enthalten.

Nach einer Legende soll mit den Kopfknochen des Karpfens ein taubenähnliches Vogelgebilde zusammengestellt werden können. Auch von einem Steinchen in der Form des Mondes über den Augen des Weihnachtskarpfens gibt es Geschichten. Wer dieses Steinchen findet, hat im nächsten Jahr Glück.

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Für viele Karpfen ist im Advent das Leben zu Ende. Die Karpfenteiche werden ausgefischt und die Tiere dürfen noch eine Zeit lang in Behältern im frischen Wasser schwimmen. Dadurch vergeht auch der eventuell vorhandene erdige Geschmack der Fische, obwohl das heute bei den Zuchtkarpfen nicht mehr häufig der Fall ist.

Bräuche in anderen Ländern

In Polen kauft man die Fische lebend und sie schwimmen bis zum Heiligen Abend in der Badewanne. Dann werden sie eigenhändig geschlachtet, was manchen die Lust auf den Weihnachtskarpfen vergehen lässt. In Tschechien werden die Karpfenschuppen nicht nur in die Geldbörse gelegt, sondern auch unter den Teller am Tisch. Auch das bedeutet Reichtum. Nach einer schlesischen Sitte legt man die Gräten des Karpfens zu den Obstbäumen, damit diese im Frühling besser gedeihen und viele Früchte tragen.

Der perfekte Weihnachtskarpfen

Traditionell bereitet man den Weihnachtskarpfen gerne als „Karpfen blau“ zu.
Dazu benötigt man einen ganzen Karpfen, der zwar ausgenommen und vorbereitet ist, der aber nicht geschuppt sein darf. Die charakteristische Farbe bekommt der Fisch bei unbeschädigter Schleimschicht auf der Haut. Der Karpfen muss schonend in einem Sud gar werden.

Dazu putzt und schneidet man Karotten und Sellerieknolle gibt Knoblauch und eine mit Gewürznelken gespickte Zwiebel sowie eine Teelöffel Salz, einen Teelöffel Zucker, Pimentkörner, Pfefferkörner, Lorbeerblätter, ein Viertelliter trockenen Weißwein, ein Achtelliter Weißwein-Essig und etwas Zitronensaft in zwei Liter Wasser und kocht alles auf. Dieser Sud soll etwa eine Viertelstunde auf kleiner Flamme köcheln.

Der Karpfen wird innen gut und außen sehr vorsichtig gewaschen. Die Schleimschicht auf der Haut darf dabei nicht verletzt werden, sonst wird der Karpfen nicht schön blau. Den Karpfen innen gut salzen.

Inzwischen wird der Backofen auf 150 Grad, bei Umluft 125 Grad, vorgeheizt. Eine ofenfeste Tasse stellt man in die tiefe Fettpfanne und setzt den Fisch mit dem offenen Bauch auf die Tasse, sodass er aufrecht stehen bleibt. Ein Achtelliter guter Weißwein-Essig wird in einem kleinen Topf aufgekocht und langsam gleichmäßig über den Karpfen gegossen, bis der Fisch blau wird. Der Gemüsesud kommt in die Fettpfanne. Im Backofen soll der Karpfen langsam gar ziehen. Das dauert etwa 20 bis 25 Minuten. Wenn sich die Rückenflosse leicht herausziehen lässt, ist der Fisch gar. Er wird vorsichtig aus dem Sud gehoben. Das geht am besten mit Hilfe von zwei Pfannenwendern.

Während der Fisch im Backofen ist, werden Karotten und Lauch in feine Streifen geschnitten und in Salzwasser einige Minuten gekocht. Für die Meerrettich-Sahne schlägt man Sahne steif, gibt Meerrettich dazu und schmeckt mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker ab. Das fein geschnittene Gemüse und die Salzkartoffeln sind gemeinsam mit der Meerrettich-Sahne Beilagen zu dem blauen Weihnachtskarpfen.

Eine weitere besonders beliebte Zubereitungsart für den Weihnachtskarpfen ist es, ihn zu panieren. Dazu wird der Fisch in etwa 200 Gramm schwere Portionen geteilt und auf der Hautseite einige Male eingeschnitten. Die Karpfenstücke mit Zitronensaft beträufeln, salzen und pfeffern und ein wenig einziehen lassen. Dann wir der Karpfen hintereinander in Mehl, verquirltem Ei und Semmelbrösel paniert.

Mit der Fleischseite nach unten beginnend, wird der Fisch in heißem Fett schwimmend gebacken bis er eine goldbraune Farbe hat und schön knusprig auf den Teller kommt. In den meisten Familien ist es üblich, zum gebackenen Weihnachtskarpfen Kartoffelsalat zu essen, gerne auch mit Mayonnaise oder gemischt mit Feldsalat.

Es gibt noch viele empfehlenswerte, schmackhafte Karpfenrezepte wie beispielsweise Karpfen als Gulasch, Karpfen in Schwarzbiersoße, Karpfen in Mohnpanier oder Karpfen in Bierteig. Der traditionelle Weihnachtskarpfen wird aber meist gebacken oder als Karpfen blau gegessen.

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Titelbild: © Alexander Raths – Fotolia.com

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