Um die Berufe im Rechnungswesen ranken sich viele Klischees. Die Arbeit mit Zahlen klingt für viele Menschen nach einer trockenen Aufgabe, die viel Konzentration und Genauigkeit abverlangt. Nun ja, Genauigkeit und Konzentration sind wichtige Bestandteile des Berufsfeldes, aber trocken? Weit gefehlt!

Menschen, die im Rechnungswesen und in der Buchhaltung arbeiten, werden oft vorschnell in eine Schublade gesteckt. Unbarmherzig nehmen sie Kürzungen vor und streichen absichtlich genau dort Gelder, wo sie im Betrieb gebraucht werden. Die Köpfe tief in Büchern – heute wohl eher Excel-Tabellen und Computerprogrammen – vergraben, schieben sie lediglich Zahlen hin und her. Falsch!

In Wirklichkeit müssen sie nicht nur breit gefächerte fachliche Kompetenzen mitbringen, sondern auch über den nötigen Weitblick, eine starke Persönlichkeit und die entscheidenden Soft Skills verfügen. Denn eine verlässliche Buchhaltung ist die Basis eines jeden Unternehmens. Zeit, um mit den Klischees aufzuräumen!

Mehr als Freude an Zahlen

Natürlich sollte man eine gewisse Affinität zu Zahlen haben, wenn man sich für eine Ausbildung in der Betriebswirtschaft interessiert, eine Voraussetzung ist das aber nicht unbedingt. Viel wichtiger sind Eigenschaften wie Neugierde, Genauigkeit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.

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Viele nehmen an, dass man im Rechnungswesen und in der Buchhaltung vom Firmenalltag abgeschottet ist und im Alleingang Zahlen hin und her schubst. Das stimmt ganz und gar nicht: Neben dem Unternehmen selbst gibt es nämlich eine Reihe anderer Interessensvertreterinnen und -vertreter, die an den Informationen aus der Finanzabteilung interessiert sind. Buchhalter/innen und Co. versorgen Gläubigerinnen und Gläubiger, Angestellte sowie das Finanzamt mit wichtigen Daten.

Sie behalten den Überblick über Einnahmen, Kosten und finanzielle Risiken. Damit sind sie entscheidend für Erfolg oder Misserfolg von Betrieben mitverantwortlich. An ihrem Engagement und ihren Fähigkeiten hängt also nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen ab, sondern auch der Erhalt vieler Arbeitsplätze.

Rechnungswesen verstehen und umsetzen

Im Großen und Ganzen geht es im Rechnungswesen darum, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Die Anwendung dieses Systems ist dann alles andere als schwierig und der Beruf der Buchhalterin und des Buchhalters alles andere als trocken. Zum besseren Verständnis kann das Rechnungswesen in mehrere Teilbereiche unterteilt werden.

Den Anfang macht die Buchhaltung, die am WIFI Steiermark schrittweise unterrichtet wird. Das Basiswissen wird im berufsbegleitenden Kurs Buchhaltung I vermittelt. Der inhaltliche Fokus liegt hier auf Theorie und Grundbegriffen, der Brutto-Netto-Rechnung, laufenden und besonderen Geschäftsfällen, einer Einführung in die Umsatzsteuer sowie rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Konkret können Sie dann Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen anstellen, eine doppelte Buchführung durchführen und laufende Geschäftsfälle buchen. Bei Buchhaltung II erlernen Sie die Grundlagen der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und erfahren wie man Monatsabschlüsse erstellt, Geschäftsfälle verbucht und Eröffnungsbuchungen am Beginn eines Geschäftsjahres durchführt. Außerdem werden Buchungsmitteilungen des Finanzamtes und alle monatlichen Abgabe- und Zahlungstermine thematisiert.

All jene die bereits über diese Grundkenntnisse verfügen, können mit dem Buchhaltungslehrgang und der Buchhalter/innenprüfung eine in der Wirtschaft anerkannte Qualifikation für Tätigkeiten im Rechnungswesen erlangen. Das Diplom, das Sie bei erfolgreichem Abschluss erhalten, weist Ihr Können in Buchhaltungstheorie und -praxis, Zahlungs- und Kapitalverkehr, Kostenrechnung, Handels-, Steuer- und bürgerlichem Recht sowie Personalverrechnung nach.

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Die Bilanzbuchhaltung ist gewissermaßen die „große Schwester“ der Buchhaltung, da sie deren Inhalte um zahlreiche Details und den Bereich der Bilanzierung erweitert. Wer in Österreich Bilanzbuchhalter/in werden möchte, muss daher bereits die Buchhalter/innenprüfung bestanden haben und den Diplomlehrgang Bilanzbuchhaltung absolvieren. Dies kann der erste Schritt zur akademischen Karriere sein, wenn man sich dazu entschließt, danach den MSc Bilanzbuchhaltung an die Ausbildung anzuhängen, bei dem Sie als Master of Science abschließen.

Seit 2005 müssen Jahresabschlüsse börsendotierter Konzerne nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften erstellt werden. Sie sind daher verpflichtet, ihre Unternehmensabschlüsse nach den International Financial Reporting Standards, kurz IFRS, auszurichten. Viele Firmen halten sich sogar freiwillig an die Rechnungslegungsvorschriften, weil Finanzinformationen durch sie international verständlich und transparent werden.

Rauf auf die Karriereleiter

Kompetenzen im Bereich Rechnungswesen sind heiß begehrt! Die Wirtschaft benötigt Fachkräfte, die selbstständig handeln, planen und kostenbewusst arbeiten. Und jedes Unternehmen braucht verlässliche und kompetente Köpfe in der Buchhaltung. Wer eine Karriere in der Buchhaltung verfolgt, hat also gute Aussichten auf eine sichere und stabile berufliche Laufbahn. Die beruflichen Hintergründe der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer der Weiterbildungsangebote des WIFI Steiermark sind erfahrungsgemäß unterschiedlich. Ebenso wie ihre Beweggründe und Wünsche.

Wer die Grundlagen des Rechnungswesens versteht, kann sich bei der Jobsuche einen wesentlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Der Großteil der der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer entschließt sich aus eigener Initiative für Ausbildungen im Rechnungswesen. Etwa um in Unternehmen aufzusteigen oder um sich als Buchhalterinnen und Buchhalter selbstständig machen zu können. Zahlreiche Betriebe schicken aber auch Angestellte aus anderen Bereichen zur Weiterbildung, um ihre Kompetenzen in dem Bereich zu vertiefen, zu vervollständigen oder um sie auf Positionen in der Führungsebene vorzubereiten.

Profis empfehlen (angehenden) selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmern ebenfalls, die Grundlagen der Buchhaltung zu erlernen. Denn mit dem Überblick über das Rechnungswesen kann man sich besser in der Wirtschaftslandschaft positionieren, die eigenen Finanzen im Blick behalten und unternehmerische Ziele und Träume verfolgen.

Die Gründe dafür, sich im Rechnungswesen weiterzubilden, sind also vielfältig – genauso wie die Aufgaben in diesem Bereich. Gut ausgebildeten Angestellte können sich auf die fachlichen Bereiche spezialisieren, die sie persönlich interessieren. Mit ihrem Know-How haben sie das Rüstzeug, um sich selbst und Unternehmen an die Spitze bringen. Sie sehen also: Die Klischees um das Berufsfeld sind leicht zu entkräften und das Rechnungswesen ist alles andere als eintönig!

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Titelbild: © Jr Casas – fotolia.com

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