Die EU-Datenschutzgrundverordnung, die mit 28. Mai 2018 in Österreich in Kraft tritt, bedeutet für alle Unternehmen, die Daten verarbeiten, großflächige und tiefgreifende Umwälzungen.

Im WIFI-Praxisseminar „Datenschutzgrundverordnung im Marketing“ gehen Rechtsexperte RA Dr. Stefan Schoeller und Zielgruppenmarketing-Profi Angelika Pretterhofer, MA, mit den Unternehmen die neuen Anforderungen praxisrelevant durch:

„Das betrifft den IT-Teil mit standardisierten Abläufen genauso wie den rechtlichen Teil. Die Rechtsabteilungen müssen beim Erhalt, der Verarbeitung und der Speicherung der Daten, aber auch bei Erledigungen durch externe Dritte auf die 100prozentig durchgängige Zustimmung der Dateninhaber/innen (Betroffenen) achten!“

Foto von Dr_ Schoeller
Der Grazer Rechtsanwalt Dr. Stefan Schoeller ist im Rahmen seiner anwaltlichen Tätigkeit vorwiegend mit den Rechtsgebieten des Intellectual Property (IP), Medien- und Wettbewerbsrecht befasst. Mit der intensiven rechtlichen Beschäftigung mit den Aspekten des Wirtschaftsrechts ist auch im digitalen Zeitalter die Aufgabe für den beratenden Anwalt verbunden, das Datenschutzrecht und die dahinterstehenden Rechtsfragen des Persönlichkeitsschutzes verständlich zu erklären und nachhaltig zu lösen. Koreferent ist Rechtsanwaltsanwärter Mag. Sebastian Pils.

Beispiel Wurstproduzent

„Ein Unternehmen stellt zum Beispiel Wurst her“, so Dr. Schoeller. „Man verfügt natürlich über personenbezogene Daten und muss diese auf die Verträglichkeit mit der neuen Datenschutzgrundverordnung überprüfen – man hat die Daten von Erzeugern mit Anfahrtsplänen, Telefonnummer und allen weiteren Details wie Geschlecht, Geburtstag etc.
Oder ein anderer Fall, der mir vor Kurzem untergekommen ist:

Beispiel Kindergartenbetreiber

Bei der Aufnahme des Kindes wurden viele Daten gespeichert: Name, Geburtsdatum, Name der Eltern, eventuelle Allergene und Unverträglichkeiten des Kindes, Blutgruppe, E-Mail und Handy-Nummer der Eltern, Wohnadresse, vielleicht sogar Obsorge-Regelungen, ein Foto … Auch das muss alles sorgfältig überprüft und angepasst werden.“

Daten müssen „saniert“ werden

„So wie bisher können die Daten nicht weiterverwendet werden“, erklärt der Rechtsanwalt. „Aber natürlich wurden von den Dateninhabern auch bisher bereits Zustimmungserklärungen in Bezug auf die Verwendung der Daten zur Nutzung eines gemeinsamen Vertragszwecks unterzeichnet. Diese Daten fliegen einem KMU also nicht unbedingt um die Ohren.
Gerade im Marketing wurden die Nutzungsrahmen oft auch zuvor schon weit gesteckt und bereiten dadurch keine aktuellen Probleme.“

Aufpassen, horrende Strafen!

„Die Sorge vieler Unternehmen, alle Einwilligungserklärungen in die Datenverwendung erneuern zu müssen, sehe ich daher nicht als notwendig. Damit ist auch die Gefahr, dass Kunden das Unternehmen verlassen, eher nicht vorhanden. Dennoch heißt es, alle Daten durchzuarbeiten!

„Es drohen horrende Strafen in Millionenhöhe! Sorgfältige Firmeninhaber/innen achten also unbedingt auf ihre personenbezogenen Daten!“

Daten auf Facebook und Co.

„Die Ausrede, personenbezogene Daten an einem sicheren Platz im Ausland zu sammeln, wird nicht funktionieren, auch nicht für Unternehmen. Die mögliche Ahndung bei Verletzungen des personenbezogenen Datenschutzes erfolgt nämlich nicht am Sitz des Servers irgendwo im Ausland, sondern dort, wo die Person sich aufhält.“

Pretterhofer_Blog

Angelika Pretterhofer, MA, ist selbstständige Zielgruppen-Marketerin und hat jahrelang für die Kleine Zeitung Kundendaten analysiert und Zielgruppen bearbeitet. Immer mehr Unternehmen wird bewusst, dass in ihren Datenbanken wahre Schätze zum Vorschein kommen, wenn diese ordentlich bearbeitet werden. Die genaue Beschäftigung mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung ist somit ein zwingend notwendiger Schritt, da die Auswirkungen auf das Zielgruppenmarketing enorm sind. Als selbstständige Beraterin bietet Angelika Pretterhofer Zielgruppenanalysen und -strategien und eben auch die praktische Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung im Marketing.

Fotos: KK, © Fotolia/ alphaspirit

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