Christen aller Glaubensrichtungen sind jedes Frühjahr, wenn manchmal auch zeitversetzt, vereint Ostern das mit zahlreichen Osterbräuchen einhergeht. Länderübergreifend stehen dabei oft Eier, manchmal in kulinarischen, manchmal in nicht-kulinarischen Zusammenhängen als Ostersymbol im Mittelpunkt. Die Kulturwissenschaftler sind sich nicht ganz einig, warum das Ei diese Bedeutung erlangt hat. Wahrscheinlich steht das Ei wie auch der Osterhase für Fruchtbarkeit und Leben schlechthin.

Der Brauch, Ostereier anzumalen, soll wohl auf die Farbigkeit des Frühlings hinweisen. In vielen Kulturen haben Bräuche, die das durch Jesus in die Welt gebrachte Licht der Hoffnung versinnbildlichen, ihren festen Platz in österlichen Traditionen (z. B. Osterfeuer, Osterkerzen). Ebenso verbreitet ist das Lamm als typisch österliche, das vorherige wochenlange Fasten brechende Festspeise: Beliebt als Braten, Innereiensuppe oder in süßer Version als Gebäck in Lammform. Hier ist die Verbindung zu Jesus, dem Lamm Gottes, offensichtlich. Als Agnus dei hat Jesus für die Sünden der Menschen am Kreuz gelitten und den Frieden mit Gott gebracht.

Beim von Fröhlichkeit und Hoffnung geprägten Auferstehungsfest haben sich christliche Feierelemente häufig mit heidnischen Traditionen (z. B. die Verehrung der Fruchtbarkeitsgöttin Eostrae) und Volksglauben vermischt. Im Ergebnis hat diese Vermischung zur Pflege nicht selten überaus skurriler Bräuche geführt.

Eierrollen am Weißen Haus und anderswo

In einigen europäischen Ländern pflegt man den Brauch des Eierrollens. Dabei lassen z. B. Kinder in England hartgekochte, farbige Eier einen Hügel hinunterrollen („pace-egging“). Wessen Eier unbeschädigt am weitesten kullert, hat gewonnen und darf alle Eier mit nach Hause nehmen. Im vom sorbischen Brauchtum bestimmten brandenburgischen Bautzen ist das hier seit dem 16. Jahrhundert überlieferte „Ostereierschieben“ (sorbisch: „Jejkakulenje“) Anlass für ein großes Volksfest am Ostersonntag. Wo es keine Hügel gibt, müssen eben Deiche oder Dünen wie beim ostfriesischen „Eiertrullern“ als Kullerbahn dienen.

Einwanderer brachten das Eierrollen in die USA. Hier erfuhr der eierige Spaß durch die Staatsspitze allerhöchste Ehre. Alljährlich am Ostermontag wird der Wettbewerb „White House Easter Roll“ in der US-Hauptstadt Washington veranstaltet. Auf dem weitläufigen Südrasen am Weißen Haus, dem Amtssitz der US-Präsidenten, treten Kinder im Alter von bis zu 13 Jahren gegeneinander an. Sie müssen möglichst schnell farbige Ostereier mit einer Art Langlöffel über eine Strecke trudeln. Alle Teilnehmer bekommen ein vom Präsidenten signiertes hölzernes Osterei übergegeben. Das populäre „White House Easter Roll“ geht wahrscheinlich auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. 1878 wurde der Brauch dann durch Erlass von Präsident Rutherford Hayes auch staatsoffiziell. Bei dem von der jeweiligen First Lady organisierten Event fungiert der Präsident als Schirmherr. Er nimmt dabei gern die Gelegenheit wahr, sich als volksnaher Landesvater präsentieren zu können.

In Irland werden Heringe bestattet

Die in Irland einflussreiche römisch-katholische Kirche legt großen Wert darauf, dass sich ihre Schäflein in der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern an das Gebot halten, kein Fleisch zu essen. Als Alternative essen fromme Iren Fisch und zwar – zumindest früher – vornehmlich Hering. Sechs Wochen lang Hering zu essen kann kulinarisch eintönig werden. Umso größer die Freude auf den Ostersonntagsbraten. Diese Freude teilt der örtliche Fleischer nach den für ihn Umsatzrückgang bedeutenden Fastenwochen natürlich. Er ist es dann auch häufig derjenige, der ein fröhliches Fischbegräbnis mit Musik und Tanz organisiert: Ein Hering wird als Zeichen für das Ende der Fastenzeit feierlich unter die Erde gebracht.

Nasse Ostern

Eine ganz besondere Art des Osterwassers kommt am Ostermontag in Polen und seinen Nachbarländern Ungarn, Tschechien und Slowakei in etlichen Varianten zum Einsatz. Der Brauch erinnert an die Taufe des slawischen Königs Miezko I., der um 965 zum Christentum übergetreten war. Bei dem in Polen „Smygus Dyngus“ genannten Brauch werden Passanten, vorzugsweise Frauen, mit Wasser bespritzt.

Das kann dezent mit Wasserpistolen passieren. Wer sich am Ostermontag auf die Straße traut, muss aber auch damit rechnen, mit ganzen Eimerfüllungen oder von Feuerwehrschlauchladungen bis auf die Haut eingenässt zu werden. Der abergläubisch-christliche Grundgedanke dieser spaßig-ruppigen Wasserschlacht ist überaus charmant. Zu Ostern geschöpftes Wasser wird besondere Heilkraft zugeschrieben, die unter anderem schönheitserhaltend wirken soll. Das österliche Wässern soll gewährleisten, dass die Attraktivität von Mädchen und Frauen erhalten bleibt. Dementsprechend ist das Nassmachen (zuweilen galant mit einem Spritzer Parfüm statt mit schnöden Kaltwasser) ursprünglich ein Kompliment an die Schönheit. Folglich sind Frauen, die keine Dusche bekommen (was in der Praxis kaum vorkommt), meist gekränkt.

Bei der weniger rauen ungarischen Version des „Nassen Ostermontags“ bitten die Männer die auserwählte Frau zunächst mit in Versen gegossenen Worten um Erlaubnis für den Wasserguss. Die Frauen erteilen in der Regel die Erlaubnis und der höfliche Wasserspender bekommt zur Belohnung ein rotes Ei. In einer anderen Europa-Region, nämlich in Schweden, wird besonders vorsichtig mit Osterwasser umgegangen. Hoch im Norden gehen Frauen in der Osternacht heimlich zu einer Quelle, holen dort schweigend ein wenig Wasser und betröpfeln damit behutsam den schlafenden Mann, mit dem sie glücklich sein wollen. Wacht der Angebetete nicht auf, ist das zukünftige Paarglück garantiert. Entfernt verwandt mit diesem Brauch ist das in Australiern zu Ostern übliche Schöpfen von Quell- oder Bachwasser durch Verlobte. Das Wasser wird bis zur Hochzeit aufbewahrt, damit sich Braut und Bräutigam damit bei der Hochzeit glückspendend bespritzen können.

Ostern schlagfertig

Osterbräuche können aber auch mit Schlägen verbunden sein. In Erinnerung an die Palmwedel, mit denen Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem begrüßt wurde, schlagen Finnen ihren Freunden mit Birkenruten auf den Rücken. Allerdings nur sanft. In Tschechien und auch in England sind es Weidenruten, mit denen die männliche Dorfbevölkerung den Frauen und Mädchen am Ostermontag – ebenfalls sanft – auf den Rücken schlägt. Dem Volksglauben nach soll so die Stärke der anpassungsfähigen Weiden auf die Geschlagenen übergehen.

Zwänzgerle in der Schweiz

Beim in Zürich seit dem 18. Jahrhundert gepflegten Ostermontagsbrauch „Zwänzgerle“ geht es um Geld. Kinder mit hartgekochtem Osterei in der Hand fordern auf bestimmten Plätzen Erwachsene auf, mit einer 20-Rappen-Münze, dem „Zwänzgerli“, auf das Ei zu werfen. Bleibt die Münze beim „Driiüere“ („Reinwerfen“) in der Eierschale stecken, gewinnt der Werfer das Ei und darf beziehungsweise muss es essen. Im anderen, dem mit Abstand häufigeren Fall, darf das Kind die Münze und auch das Ei behalten.

Dänische Narrenbriefe

Typisch dänisch ist der Brauch der „Narrenbriefe“ („Gækkebreve“)”, bei denen Kinder, aber auch Erwachsene, zu Ostern kunstvoll gestaltete Briefe mit einem gereimten Gruß an Eltern, andere Verwandte oder Freunde senden. Die Briefe sind nicht unterschrieben. Sie weisen als Absenderhinweis lediglich soviel Punkte auf , wie der Absendernamen Buchstaben hat. Der Empfänger muss nun erraten, wer ihn zu Ostern bedacht hat. Kann er das nicht, ist er ein Narr, ein „Gæk”, und muss dem Absender einen Kuss oder ein Geschenk geben.

Osterräderlauf im Teutoburger Wald

In einigen wenigen Orten pflegen die Dorfbewohner noch heute eine alte österliche Feuer-Tradition: das Osterradlaufen. Hochburg für diesen jahrhundertealten Brauch ist das sich stolz „Stadt der Osterräder“ nennende 10.000-Einwohner-Städtchen Lügde im Teutoburger Wald. Am Ostersonntag werden sechs breite, knapp 400 kg schwere und etwa zwei Meter Durchmesser aufweisende Eichenräder nach einem Umzug durch die Stadt auf dem 285 m hohen Osterberg gebracht. Dort werden sie mit Stroh gefüllt und um etwa 21.00 h angezündet. Die brennenden Räder rollen dann in einer spektakulären flammensprühenden Abfahrt den Hang talwärts. Der feurige Brauch geht vermutlich auf heidnische Sonnenkulte zurück, mit denen durch Feuer die winterliche Macht der Dunkelheit gebrochen werden sollte.

Wegen der vielfältigen Bräuche bietet Ostern kulinarisch gesehen die Gelegenheit sich kreativ auszutoben. Wie man das professionell angeht, lernt man bei unserer Ausbildung zum Küchenmeister, oder bei der Meisterschule der Bäcker. Besonders spannend wird es, wenn man auf spezielle Ernährungsgewohnheiten Rücksicht nehmen muss. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Unser Kundenservice steht Ihnen gerne beratend per E-Mail oder telefonisch unter 0316-602-1234 zur Seite.

Foto: Adobe Stock – 2mmedia

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