Wellness und Spa gewinnen im Leben der Menschen immer mehr an Bedeutung. Ausgleich, Gesundheitspflege, Optimierung des eigenen Körpers werden zunehmend eigenverantwortlich wahrgenommen. Im Zuge des permanenten medizinischen Fortschritts und wachsenden Leistungsspektrums von Arztpraxen und Therapeuten ergeben sich auch immer mehr Möglichkeiten im privaten Sektor, die sich mit dem Bereich der individuellen Gesundheitsleistungen überschneiden und sich an deren Parametern messen lassen müssen. Um den permanenten Belastungen in Beruf, Familie, Alltag nachhaltig gesund und fit begegnen zu können, sind immer breitere Bevölkerungsgruppen bereit, in präventive Maßnahmen zu investieren.

Das Wellnesswochenende als Kurzurlaub und bewusste Pause vom Tagesstress ist für viele Kunden bereits zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie nutzen diese kurze Zeit sehr bewusst als Qualitytime und erwarten einen entsprechenden Service, der sich ihren Wünschen anpasst und das erhoffte Ergebnis bringt. Am Erholungseffekt orientiert sich die Bewertung. Das stellt hohe Anforderungen an das Hotel und speziell den Wellness- und Spa-Bereich. Trotz begrenzter Zeit soll eine Atmosphäre der Entspannung entstehen, in der sich der Kunde wohlfühlt. Der Besuch des Kunden soll zum ganzheitlichen Erlebnis werden, das gern wiederholt wird. Österreich verfügt über jahrzehntelange Erfahrung und ist weiterhin führend auf in der Spa- und Wellnessbranche. Die Fremdenverkehrs- und Freizeitwirtschaft macht seit jeher einen ansehnlichen Teil des Bruttoinlandsproduktes aus.

Die goldene Trias: Ökologie, Ökonomie, Sozialkompetenz

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Systemisch wird sie nicht nur auf Umweltthemen wie Energieressourcen und Müllvermeidung bezogen, sondern schließt ökonomische und soziale Faktoren mit ein. Auch und gerade aus der Unternehmenspraxis der Hoteliers ist der Begriff nicht mehr wegzudenken. Ein Hotel lässt sich langfristig nur erfolgreich ökonomisch führen, wenn ein Gleichgewicht zwischen diesen drei Bereichen hergestellt und erhalten wird. Das sind die Säulen auf denen der Erfolg basiert. Österreich ist in diesem Bereich traditionell bedingt gut aufgestellt. Viele kleinere und mittlere Hotels sind inhabergeführt und regional fest verwurzelt. Sie nutzen die lokalen Voraussetzungen und haben gerade im Wellness-Bereich auch die ökologischen Aspekte im Blick. Die Servicekultur ist mit der Leidenschaft zum Fremdenverkehr stetig gewachsen. Die ebenso stetig steigenden Umsatzzahlen resultieren unter anderem daraus.

Mit dem Klimawandel müssen die traditionellen Ski- und Wintersportgemeinden aber umdenken und diese Neuorientierung wird im weiteren Ausbau des Spa- und Wellnessbereiches bestehen. So können Kunden, die die landschaftliche Schönheit schätzen und das bekannte Ambiente nicht missen wollen, weiterhin in den zunehmenden Vor- und Nachsaisonzeiten gebunden werden.

Ökologische Faktoren spielen auch bei der Wahl des Hotels eine zunehmende Rolle. Kunden erwarten einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und stehen Innovationen positiv gegenüber. Statistisch lässt sich belegen, dass die relevanten Kundensegmente bereit sind, für nachweislich ökologisch und umweltfreundlich geführte Hotels mehr zu bezahlen. International anerkannte Zertifikate wie Green Globe sind ein Plus beim Kunden.

Kreativ werden – Verantwortung übernehmen

Der Spa-Bereich gehört neben Küche, Restaurant und Zimmerausstattung zu den zentralen Bereichen eines erfolgreichen Hotels, denn der Gast stellt hohe Erwartungen an Qualität und Ausstattung. Viele Gäste sind über Novitäten im Wellnessbereich gut informiert und gehen davon aus, dass ihnen diese, inklusive professionellem Service, geboten werden. Mit der einmaligen Einrichtung, dem sorgsamen Betrieb und der nachhaltigen Pflege des Wellness-Bereiches ist es daher nicht mehr getan. Der Spa-Bereich wird zur ständigen Herausforderung und bedarf besonderer Aufmerksamkeit und eine entsprechende Ausbildung des Personals.

Ein energiebewusster Thermenbetrieb, der sich auch auf die Kosten niederschlägt, setzt langfristig finanzielle Ressourcen frei, die reinvestiert werden können und auch Pilotprojekte ermöglichen. Der regelmäßige Besuch von Messen, die ständige Schulung von Mitarbeitern sowie die Einbindung regionaler Fachkräfte schaffen Raum für Innovationen, die dem Wellnessbereich und dem gesamten Hotel zugute kommen. Wer in regelmäßigem Austausch steht, vermeidet ein Festfahren und Zurückbleiben, das später nur schwer wieder aufzuholen ist. Sowohl im Design, in der Verbindung von Kunst, Kosmetik und Spa als auch im Wellnessbereich selbst gibt es immer wieder neue Produkte, deren Entwicklung man beobachten sollte.

Das reicht von Gesamtgestaltungskonzepten mit Licht- und Wasserfaktoren, die sich nicht nur auf die Gäste positiv auswirken, sondern auch für das Personal eine feel-good-Atmosphäre schaffen und somit Produktivität und Motivation erhöhen, bis zu ganzheitlichen Massageliegesystemen, die Wellness, geführte Meditation und rhythmische Berührung verbinden.

Wellness der Zukunft

Kosmetische Produkte sind ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung im Spa. Nachhaltigkeit wird für den Gast an der Wirkung im Alltag messbar. Der Kunde erwartet hochwertige Produkte, deren Anwendung ihm angenehm ist und die den gewünschten Effekt über längere Zeit im Alltag erzielen. Produkte der traditionellen chinesischen Medizin, des Aryuveda und der Naturheilkunde stehen weiterhin neben hochkomplexen neuen dermatologischen Entwicklungen zur Klärung der Haut, zum Anti-Aging und zur Ausleitung von überschüssigen Säuren und toxischen Stoffen. Ein großer Komplex bleibt die Massage, aber auch auf Infrarotkabinen und ihre Weiterentwicklungen sollte gesetzt werden.

Das Fraunhofer Institut untersuchte im Rahmen des Innovationsnetzwerks »FutureHotel« gemeinsam mit Wirtschaftspartnern aus der Hotelbranche Entwicklungstendenzen im Bereich des Hotelwesens und speziell des Bäder-, Spa- und Wellnessbereichs. Hierbei fand auch der Faktor der Digitalisierung gebührende Beachtung, der von der Buchung über das Ein- und Auschecken bis zu personalisierbaren Innenräumen und Behandlungsplänen reicht und zur Entspannung des gesamten Hotelbetriebes, sowie zur Entlastung der Mitarbeiter beitragen wird. In diesem Zusammenhang werden die Maßstäbe, die an den persönlichen Kontakt zwischen Gast und Personal gelegt werden, um so höheren Ansprüchen genügen müssen.

Der Aufenthalt in einem Spa sollte ein Erlebnis sein.

Spa als Erlebnisraum

Der Mensch erfasst mit allen Sinnen einen Raum. Er fühlt sich unbehaglich oder wohl, eingeladen oder außen vor. Je nach Segment unterscheiden sich die Ansprüche und Erwartungen, die Gäste an einen Wellnessbereich haben. Eine genaue Bedarfsanalyse ermöglicht die Anpassung der Räumlichkeiten an die Klientel. Das Gesamtkonzept des Hotels und der Spa-Bereich sollten immer eine Einheit bilden bzw. aufeinander abgestimmt werden. Wellness bedeutet, dass man sich wohlfühlt und entspannen kann. Im Spa setzen sich zunehmend ganzheitliche Raumkonzepte durch, die mit Licht, Ton und Farben arbeiten. Sie beeinflussen Psyche und Physis. Stimmungsräume schaffen Erlebnisse, die Gäste überraschen und ihnen wohl tun.

Das Thema der Privatsphäre im allgemein zugänglichen Raum wird zunehmen. Der Wunsch des Menschen nach Ruhe und Exklusivität resultiert aus der ständigen Verfügbarkeit und in der Leistungsgesellschaft permanenten Präsenz- und Anpassungsnotwendigkeit. Flexible, individuell regelbare, sich den Bedürfnissen des Gastes nach Lichtstärke und Temperatur flexibel anpassende Privatbereiche haben daher für den Gast einen hohen Wert. Wer im Gesundheitstourismus bestehen will, sollte die Chance der Spezialisierung ergreifen. Je höher die Einsparungen durch ökologisch-nachhaltige, energieeffiziente Bauweisen und Nachrüstungen sind, um so höher steigt das Budget, das in Innovationen im Spa- und Wellnessbereich reinvestiert werden kann und dort auch ökonomisch vertretbare Experimente erlaubt.

Tradition, Innovation und individuelles Angebot

Gesundheitsvorsorge, Rekonvaleszenz und Stressabbau sind die Themen, die den Gast bewegen, der den Wellnessbereich in Anspruch nimmt. Er setzt Qualität voraus, wünscht sich Bekanntes und erwartet Innovatives. Österreich mit seinem vielfältigen Angebot ist ein lohnenswertes Reiseziel, gerade auch, wenn es um den Kurzurlaub am Wochenende geht. Die bekannte Landschaft und die regional traditionellen Angebote sind ein wichtiger Faktor der Kundenbindung. Hinzu kommen Möglichkeiten, wie Familien-Spa oder Kinderbetreuungsprogramme, die den Eltern die notwendige Entspannung bieten, während die Kinder attraktiv beschäftigt sind. Komplexe, ganzheitlich gedachte Hotelstrukturen, sind eindeutig Projekte mit Perspektive.

Wenn Küche, Ambiente, Ausstattung und Wellnessbereich eine ökologisch aufeinander bezogene Einheit bilden, geben sie dem Gast das Gefühl der effizienten Nutzung seiner raren freien Zeit und bieten gleichzeitig gesundheitlichen Mehrwert plus Nachhaltigkeit. Ausschlaggebend werden neben der Region die Alleinstellungsmerkmale sein, die im Servicebereich liegen werden. Hier gilt es proaktiv Kundenbindung zu betreiben. Das setzt jedoch nicht nur Schulungen voraus, sondern auch ein entsprechendes Management, dass Mitarbeiter bindet und fördert.

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Foto: Adobe Stock

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