Egal ob Musikvideo, Tutorials oder Videos von US amerikanischen Bloggern – fremdsprachige Videos liegen im Trend. Das hat Auswirkungen auf das Sprachverständnis. Doch ist das reine Hören der Fremdsprache wirklich ausreichend, um diese auch in Wort und Schrift zu beherrschen?

Um eine Sprache gut verstehen, sprechen und schreiben zu können, benötigt man unterschiedliche Kompetenzen. Lernte man früher Sprachen noch im face to face-Unterricht, verändert sich das Erlernen von Sprachen vor allem bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen enorm. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, das weiß auch Heike Schönbacher, Teamleiterin u.a. für Sprachen und Ausbilderqualifikation am WIFI Steiermark. „Heutzutage dreht sich bei den Jugendlichen alles um Social Media und das wird immer mehr. Aber auch die Klassenfahrten und Schulausflüge ins Ausland nehmen zu. Schulen fahren nicht mehr nur einmal sondern mehrmals im Jahr ins Ausland. Und auch das Studieren hat sich verändert. Einige nehmen am Erasmus-Programm teil oder machen ein Auslandsemester“, erzählt Schönbacher.

Veränderungen beim sprachlichen Lernprozess

Veränderungen finden sich vor allem bei Jüngeren, bei Schülern und Studierenden. „Wenn Schüler oder Studierende bei uns am WIFI die mündliche Prüfung für das Cambridge-Zertifikat absolvieren, haben sie oft eine sehr gute Aussprache, manchmal sogar mit einschlägigen Dialekten“, erklärt Schönbacher. „Wir fragen dann nach, ob, wo und wie lange sie im Ausland waren. Doch die Meisten waren es nie.“ Jugendliche lernen Sprachen heutzutage via Social Media. Manche sehen sich englische Serien an, andere unterhalten sich in englischer Sprache zum Beispiel bei Computerspielen.

„Anders ist die Generation 50+. Hier ist das gar nicht der Fall. Bei ihnen ist Präsenz gefragt. Sie wollen sich mit Trainern und Kursteilnehmern unterhalten. Die Jugendlichen sind hier eher Einzelgänger“, berichtet Schönbacher.

Social Media als Hilfe zum Sprache verstehen

Wer nun denkt, eine Sprache mithilfe von YouTube und Co zu erlernen, wirke sich negativ aus, liegt falsch. Durch das Hören, miteinander Kommunizieren und Lesen entwickeln sich nicht nur die sprachlichen Kompetenzen, auch die schriftlichen Kompetenzen verbessern sich. „Sprechen und Schreiben entwickelt sich durch das aktive Hören oder Lesen bei vielen automatisch. Einige haben wirklich gute Schreibstile“, erzählt Schönbacher. Dennoch ist es wichtig, das vorhandene Sprachwissen durch Sprachkurse – beispielsweise am WIFI – zu trainieren und zu festigen. Im Rahmen von Cambridge-Prüfungen erhält man auch eine offizielle Bestätigung über sein sprachliches Können, was vor allem im Beruf wichtig ist. Wem das Sprache verstehen leichter fällt, wer besser sprechen oder schreiben kann ist von Mensch zu Mensch verschieden bzw. hängt vom jeweiligen Lerntyp ab.

Welcher Lerntyp?

Jeder, der eine Sprache lernen möchte, sollte wissen, zu welchem Sprachtyp er zählt. Das kann dabei helfen, Lerninhalte besser aufzunehmen und sie auch langfristig im Gedächtnis zu verankern. Im Grunde unterscheidet man 4 Typen:

  1. Der visuelle Typ. Er lernt durch visuelle Anreize, also durch Grafiken, Bilder oder Videos. Sein „Lern-Sinn“ sind die Augen.
  2. Der auditive Typ. Dieser Typ lernt am besten in Gesprächen mit anderen. Hilfreich sind für ihn also Diskussionen, Vorträge aber auch Videos oder Filme. Sein „Lern-Sinn“ ist das gesprochene Wort.
  3. Der kommunikative Typ. Kommunikative Typen lernen ähnlich wie auditive Typen. Auch sie nutzen das gesprochene Wort, weshalb sie besonders gut in Lerngruppen lernen.
  4. Und zu guter Letzt der motorische Typ, der durch Erfahrungen aus der Praxis lernt. Das heißt motorische Typen lernen am besten, wenn sie das Gelernte gleich praktisch anwenden. Ihr „Lern-Sinn“ ist die praktische Erfahrung.
Danke in vielen Sprachen
Weltweit gibt es etwa 6500 Sprachen.

Bereits vorhandene Strukturen der Sprache

Eine Sprache neu erlernen, heißt neue Verknüpfungen im Großhirn zu schaffen. In diesem Zusammenhang weiß man, dass mitunter dieselben Gehirnregionen aktiv sind, in denen auch die Muttersprache angesiedelt ist. Das kommt daher, dass man beim Lernen einer Fremdsprache auf bereits bekannte Strukturen der Muttersprache zurückgreift. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Studie in den Niederlanden.

Muttersprache reicht nicht

Doch reicht das Gerüst der Muttersprache alleine nicht aus. Wer eine Sprache gut beherrschen will, muss alle Bereiche abdecken: Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben. „Das Sprechen ist für mich das Wichtigste. Davor haben aber die meisten Leute Angst und Hemmungen, weil sie sich fürchten, einen Fehler zu machen. Darum ist es umso wichtiger, dass sich Menschen sprechen trauen“, gibt Schönbacher zu bedenken.

Was motiviert zum Sprachen lernen?

Eine neue Sprache zu lernen, kann für viele eine Herausforderung sein. Warum also damit anfangen? Die Gründe dafür können vielfältig sein. „Die Generation 50+ nimmt häufig dann an Sprachkursen teil, wenn sie sich auf den Urlaub vorbereiten möchten. Soziale Interaktion ist ihnen wichtig. Sie möchten sich mit den Leuten austauschen und diese verstehen können. Sie kommen aber auch zu uns, weil sie ihr Gedächtnis aktiv trainieren möchten und dafür ist das Sprachen lernen ideal“, so Schönbacher.

Bei Jugendlichen sind andere Motive vorrangig:

  • gegenseitiges Verstehen via Social Media
  • gutes Verstehen der Lieblings-Serien
  • Auslandsbesuche

Sprache verstehen im Berufsalltag

Auch im beruflichen Alltag sind Fremdsprachenkenntnisse wichtig, zum Beispiel für die Kommunikation mit Kunden oder Lieferanten . Um hier erfolgreich zu sein, bietet das WIFI Steiermark spezielle Business-Kurse an. Nähere Informationen finden Sie hier oder telefonisch unter:
Als Ergänzung für alle Sprachkurs-Teilnehmer gibt es seit Herbst 2017 am WIFI Steiermark ein „Horch-Screening“. Dadurch wird das Sprachenlernen noch einfacher.

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