Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft.“ J.R.R. Tolkiens Mittelerde hatte zwar mit einem anderen Wandel zu Kämpfen als die reale Erde, dennoch bringt das Zitat aus dem Film Der Herr der Ringe – die Gefährten die Situation auf unserem Planeten gut auf den Punkt. Der Klimawandel beschäftigt die Menschheit und die Suche nach Möglichkeiten, ihn zu verlangsamen, hat besonders in der KFZ Technik zu vielen Entwicklungen und Veränderungen geführt.

Potenziell CO2-neutral

Speziell der Bereich der Elektromobilität ist hier in den vergangenen Jahren in den Fokus gerückt und wird diesen wohl auch einige Zeit nicht verlassen. Immerhin entstehen beim Fahren mit Elektromotor keine Abgase und wenn es noch gelingt, den Strom dafür komplett aus erneuerbaren Energien zu liefern, wären die Elektrofahrzeuge zumindest im laufenden Betrieb CO2-neutral unterwegs. „Elektromobilität wird parallel zu den Verbrennern eine stetige Zunahme erfahren“, ist auch Wolfgang Grabner überzeugt, der am WIFI Steiermark in der Meisterschule KFZ Technik zum Thema Elektromobilität unterrichtet.

Vieles spricht für Elektrofahrzeuge

Aus Grabners Sicht spricht einiges für Elektrofahrzeuge, das über den Schadstoffaspekt an sich hinausgeht. „Die Elektromobilität benötigt keine hochgezüchteten Verbrennungsmotoren und keine komplizierten Abgasreinigungssysteme. Der Elektromotor hat einen sehr einfachen Aufbau und ist bezüglich Drehmoment und Leistung gut regelbar. Außerdem stellt er beim Anfahren sein volles Drehmoment verzögerungsfrei zur Verfügung“, erklärt er. Grabner geht davon aus, dass ein Umdenken in Richtung Leichtbauweise bei den Elektrofahrzeugen weitere Verbesserungen bringen wird, da durch das geringere Gewicht die Reichweiten steigen. Aus seiner Sicht sind die derzeit möglichen Reichweiten auch jetzt schon für 70 bis 80 Prozent aller Fahrten ausreichend und besonders in Ballungszentren, wo der Schadstoffausstoß ohnehin immer heiß diskutiert wird, kein Argument gegen Elektroautos. Gleiches gilt für Grabner auch beim Thema Batterieentsorgung, das für ihn aus abfallwirtschaftlicher Sicht gelöst ist: „Die Entsorgung der Batterie stellt keine großen Probleme dar, es können 95% aller Stoffe recycelt werden.“

Ein Segment, das sich ständig weiterentwickelt

Wenn es um Elektromobilität geht, ist Grabner allgemein mit jeder Menge Fachwissen ausgestattet, das er auch gerne den TeilnehmerInnen der Meisterschule KFZ Technik am WIFI weitergibt. Er selbst ist durch seine selbstständige Tätigkeit im Bereich der Fahrzeugelektronik, der Steuergeräte-Entwicklung sowie der Entwicklung von Aktoren und Sensoren mit der Elektromobilität in Kontakt gekommen. „Effiziente Verbrennungsmotoren und Elektrofahrzeuge erfordern sehr komplexe Steuer- und Regelelektroniken, die ich fachlich laufend mit großem Interesse verfolge. Die Elektromobilität ist ein Segment, das sich zukünftig breiter entwickeln wird und ebenfalls interessante Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Mechatronik-Entwicklung bietet“, meint Grabner. Er ist überzeugt, dass die derzeitige Dynamik im Bereich Elektromobilität es unumgänglich macht, bei diesem Thema laufend am Stand der Technik zu bleiben.

Komplexes wird noch komplexer

Die hohen technischen Anforderungen bei der Entwicklung von Elektro- und Hybridfahrzeugen haben sich für ihn gleich bei seinem ersten Projekt in diesem Bereich gezeigt. Grabner entwickelte ein Steuergerät für Hybridfahrzeuge, mit dem die hohen Spannungen der Antriebsbatterie von 350 bis 450 Volt mit den Bordnetzspannungen von 12 Volt und weniger im Zusammenspiel funktionieren mussten. Weil die Sparte der Elektromobilität noch recht jung ist, rechnet Grabner damit, dass sich hier noch vieles weiterentwickeln und die Komplexität der Fahrzeuge und Technologien in Zukunft sogar noch zunehmen wird. „Alternative Antriebe mit Wasserstoff in Kombination mit Elektroantrieb sind ebenfalls im Kommen“, betont er diesbezüglich noch.

Neue Berufsbilder entstehen

Diese potenziellen zukünftigen Entwicklungen machen es für Grabner besonders wichtig, dass auch KFZ Techniker sich intensiver mit der neuen Technologie befassen. „Natürlich ist das für die KFZ Techniker Neuland, aber die Elektrotechnik hat im KFZ Einzug gehalten und wird von allen Herstellern, auch in Hinblick auf das autonome Fahren, vorangetrieben. Das Elektrofahrzeug ist eine elektrotechnische Anlage, die im Reparaturfall eine andere Herangehensweise erfordert“, sagt er. Grabner sieht hier neue Berufsbilder entstehen, die sich in Zukunft etablieren werden und daher für gut vorbereitete KFZ Techniker einige Chancen bieten sollten. Grabner rät daher auch über seinen Unterricht hinaus: „Am Ball bleiben und Wissen im Umgang mit der Elektromobilität aufbauen und sich die erforderlichen Grundkenntnisse der Elektrotechnik aneignen, um für die berufliche Zukunft bestmöglich gerüstet zu sein. Es wird aus meiner Sicht auch ein neues Berufsbild entstehen, das des KFZ-Elektrotechnikers.“

Interessiert? Dann vorab informieren

Foto: Adobe Stock – Petair

Kommentar verfassen