2017 war die Zahl insolventer Unternehmen leicht rückläufig – die Insolvenzstatistik des KSV1870 stellte ein Minus von 2,8 Prozent gegenüber 2016 fest. Dennoch waren 3.025 Unternehmen und zirka 16.300 Dienstnehmer betroffen.
Gleichzeitig wurden 2017 täglich 115 Unternehmen gegründet und sieben von zehn der neuen Unternehmen sind erfahrungsgemäß nach fünf Jahren immer noch in den Händen ihrer Gründer am Markt aktiv, weiß die Wirtschaftskammer Österreich. Was machen die restlichen drei falsch?

Was machen Gründer/innen falsch?

„Übereilt gründen und einfach aufsperren“, nennt Mag. Hans Ederer aus dem WIFI-Unternehmertraining eine Ursache für Fehlstarts in die Selbstständigkeit. Als Hauptproblem sieht er dabei die falsche Markteinschätzung. „Manche Friseure, Elektriker, Installateure, Masseure, ja sogar Tätowierer und viele andere waren vor der Gründung in einem Unternehmen angestellt“, so sein Beispiel. „Für sie scheint es klar zu sein, dass sie ihre Stammkunden in die Selbstständigkeit mitnehmen können. Aber wenn man bisher in Graz-Nord gearbeitet hat und dann einen Salon in Puntigam eröffnet – welcher Kunde fährt quer durch die Stadt?

Ein weiteres Problem können Geschäftsübernahmen darstellen, wenn die bisherigen Umsatzzahlen schöngeredet und eventuell sogar eine Ablöse auf den bestehenden Kundenstock gefordert wird. Bei Friseuren ist das nicht unüblich und kann dazu führen, dass die Jungunternehmerin die ersten sechs Jahre vor allem für die Bank arbeitet. Das kann ein Leben unter dem Existenzminimum bedeuten und extrem frustrierend sein.“

Kaufmännisches Wissen – Fehlanzeige!

„Eine Friseurin, ein Friseur muss zum Beispiel einen bestimmten Umsatz pro Monat machen, um wirtschaftlich bestehen zu können, dieselbe Summe ist pro Angestelltem dazuzurechnen. Diese Zahl lässt sich auf eine nötige Kundenfrequenz pro Tag hinunterbrechen. Mangelnde kaufmännische Kenntnisse hindern Gründer/innen allerdings oft daran, einen ehrlichen Finanzplan zu erstellen:

Was machen Miete, Strom, Sozialversicherung, Reinigung, Wareneinsatz, Versicherung, Buchhaltung und Co pro Monat aus? Welche Lohnkosten kommen dazu? Was will ich privat entnehmen? Wie viel Geld muss ich auf die Seite legen, wenn im zweiten Jahr die Einkommensteuer zuschlägt und die Steuer für das erste Jahr PLUS die Vorauszahlung für das laufende Jahr anfallen? Was bedeutet es finanziell für mich, wenn im 3./4. Jahr die Sozialversicherung mit einer Nachzahlung der Pensionsversicherung kommt?“

Wilde Fettnäpfchen

„Manch einer will einfach nur billiger sein als die Konkurrenz – und tatsächlich, die Aufträge stellen sich oft ein. Nur leider nicht kostendeckend. Vor allem im Handwerk ist das ein großes Thema“, so Mag. Ederer. „Preisgestaltung ohne Kalkulation dahinter gehen fast IMMER nach hinten los.

Ein wildes Fettnäpfchen im Gastgewerbe dagegen ist die Tatsache, dass hier die Tageslosungen sämtlich in bar vorhanden sind – und hin und wieder auch gleich in bar entnommen werden. Dabei werden die zu leistenden Zahlungen oft unterschätzt – man sieht es ja auch: Gastronomiebetriebe aller Art schießen wie die Schwammerl aus dem Boden und gehen wieder ein. Die Gründe sind vielfältig – oft gab es zum Beispiel keinerlei Marktanalyse im Vorfeld.“

Die Schritte in die Selbstständigkeit – WIFI-Unternehmertraining!

Erstens: Checken, ob die nötigen Voraussetzungen dafür da sind! Erfülle ich alle Bedingungen? Mit welcher Masseur-Ausbildung darf ich zum Beispiel was genau tun? Ist das angestrebte Gewerbe frei oder benötige ich eine Meisterprüfung? Eine Unternehmerprüfung? Brauche ich eine Vorbereitung darauf – zum Beispiel das WIFI-Unternehmertraining?

Zweitens: Planen! Brauche ich ein Geschäftslokal oder kann ich von zu Hause aus arbeiten? Wie schaut es eventuell mit einer Betriebsanlagen-Genehmigung vonseiten der Gemeinde oder des Magistrats aus?

Drittens: Businessplan schreiben! „Wenn ich Geld von der Bank benötige, ist das sowieso eine Pflichtaufgabe“, führt Mag. Ederer aus. „Der Plan enthält neben der so wichtigen Finanzplanung und einer Risikobewertung auch Punkte wie die Produkt- und Unternehmensidee, einen Lebenslauf, eine Marktanalyse, Marketing- und Vertriebsstrategien. Und dann natürlich auch die rechtliche Form des geplanten Unternehmens. Vieles davon gehen wir auch im WIFI-Unternehmertraining detailliert durch!“

Mag. Hans Ederer ist mit der „Mag. Ederer – Gesellschaft für Betriebsberatung und Betriebsorganisation KG“ schon seit jeher selbstständig. In den vergangenen 35 Jahren führte er unzählige Beratungen im Gründerservice der WKO Steiermark und Trainings am WIFI zu betriebswirtschaftlichen Themen durch. Im WIFI-Unternehmertraining stellt er seinen großen Erfahrungsschatz und sein Wissen allen interessierten Angestellten und angehenden Unternehmer/innen zur Verfügung.

Haben wir eventuell auch Ihr Interesse an einem WIFI-Unternehmertraining geweckt

Fotos: WIFI Steiermark / Melbinger, © Fotolila / Robert Kneschke

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