Die Arbeitsrechte von Angestellten und Arbeiter/innen wurden kürzlich wieder ein Stück weit aneinander angeglichen – eine grundsätzlich positive Entwicklung. Der Krankenstand wurde neu geregelt, doch die Veränderungen sorgen für Unsicherheit – der WIFI-Arbeitsrechtstag am 18.10.2018 soll Klarheit schaffen.

Krankenstand NEU – unter diesem Vortragstitel wird sich die Expertin Mag. Kirsten Fichtner-Koele am zweiten Arbeitsrechtstag mit den neuen gesetzlichen Regelungen für Krankenstände auseinandersetzen. Die Juristin arbeitet seit zehn Jahren bei der WKO Steiermark und unterrichtet schon fast genauso lange am WIFI Steiermark. Der Vortrag am diesjährigen Arbeitsrechtstag ist für sie jedoch eine Premiere.

„Als Rechtsberaterin und Lehrbeauftragte ist es meine Aufgabe, den heimischen Betrieben fundierte Informationen zu bieten und sie bei ihren täglichen Aufgaben zu unterstützen“, fasst sie ihre Tätigkeit zusammen. Der Arbeitsrechtstag bietet dafür genau das richtige Forum, denn bei kaum einer anderen Veranstaltung findet so viel Wissensaustausch in kurzer Zeit statt.

Ab wann gelten welche Regelungen?

„Die arbeitsrechtliche Angleichung von Angestellten mit Arbeiterinnen und Arbeitern ist eine sehr komplexe Angelegenheit“, weiß Fichtner-Koele. Denn obwohl das neue Gesetz am 01. Juli einheitlich in Kraft getreten ist, gelten die neuen Regelungen nicht sofort für alle Arbeitskräfte. Ab wann das neue Arbeitsrecht zur Anwendung kommt, ist abhängig vom Eintrittsdatum der einzelnen Arbeitnehmer/innen in das Unternehmen. „Daher kann es vorkommen, dass für unterschiedliche Personen im selben Betrieb gleichzeitig verschiedene Fassungen von Gesetzen gelten“, stellt Fichtner-Koele klar, „das wirkt auf viele umständlich, gibt Firmen aber auch mehr Zeit für die Umstellung.“

„Man kann die neuen Regelungen mit ihren Vor- und Nachteilen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, doch ich schätze sie als grundsätzlich positiv ein“, erläutert sie. Unter anderem ist der jährliche Anspruch auf Krankenstand von Angestellten nun leichter für Unternehmen zu berechnen und auch eine Zuschusserhöhung zur Entgeltfortzahlung durch die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) von ehemals 50% auf 75% erfreut Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeiter/innen.

Von einer Erhöhung des gesetzlichen Entgeltfortzahlungsanspruchs im Krankenstand profitieren hingegen alle Arbeitnehmer/innen. Mussten sie früher fünf Jahre in einem Unternehmen arbeiten, bevor sich ihr Anspruch von sechs auf acht Wochen steigerte, müssen sie laut dem aktuellen Arbeitsrecht nur noch ein Jahr warten. „Die Gleichstellung von Kündigungen und einvernehmlichen Auflösungen von Dienstverhältnissen im Krankenstand freut Betriebe dafür weniger“, führt Fichtner-Koele aus, „sie müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fortan bei einvernehmlicher Auflösung bis zum Ende des Krankenstandes oder des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung weiterbezahlen.“

Der zweite WIFI-Arbeitsrechtstag

Die Expertin wird in ihrem Vortrag auch auf aktuelle Beispiele aus ihrer täglichen Beratungstätigkeit eingehen. Die praktische Anwendung der theoretischen Information soll die schwierige Thematik verständlich machen, denn selbst das umfassendste Wissen nutzt Betrieben kaum etwas, wenn es nicht angewandt werden kann.

„Die Neuerungen sind unabhängig von der Betriebsgröße für alle Unternehmen von Bedeutung“, ist sich Fichtner-Koele sicher. Sie rechnet damit, dass sich neben Unternehmern und Unternehmerinnen sowie Firmenangestellten auch zahlreiche selbstständige Steuerberater/innen den Arbeitsrechtstag nicht entgehen lassen werden.

Die Juristin, der das Unterrichten großen Spaß macht, hofft auf viele interessierte Besucherinnen und Besucher – denn um sie und ihre Anliegen geht es schließlich am WIFI-Arbeitsrechtstag.

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