Lukas Faustmann, 29, ist eindeutig ein Multitalent. Die erste Meisterprüfung absolvierte er als Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierungstechnik. Damit verdient er nun seit zwölf Jahren sein Geld in der Automobilbranche. 2008 belebten er und sein Bruder Daniel dann die Landwirtschaft der Eltern und züchten in Schachen bei Vorau mittlerweile sehr erfolgreich Iberico-Schweine und Wagyu-Rinder.

Vom Meister-Tischler fasziniert

In Wirklichkeit schlug sein Herz aber schon immer für die Tischlerei. Heute ist Lukas Faustmann Tischlermeister – und wurde durch Publikumsvoting sogar zum steirischer „Meister des Jahres 2018“ gekürt! Möglich wurde dieser Traum durch die WIFI-Meisterschule für Tischler und die Möglichkeit, als Quereinsteiger zuvor ein Praktikum bei Georg Mähring zu machen – einem Tischler, der als junger Bursch in Oxford Möbelbau und Design studiert und das Tischlerhandwerk an der Südküste Englands erlernt hat. Lukas Faustmann war sofort von ihm und seinen Arbeiten fasziniert.

Erste Versuche als Tischler – das Schneidbrett:

„Das war ein Weihnachtsgeschenk, das ich in der Nachbartischlerei angefertigt habe“, erzählt der Vorauer mit leichtem Schmunzeln. Und dass ihn dabei eine Art Blitz getroffen habe: „Ich merkte, dass mich das interessiert und mir das Arbeiten mit dem Werkstoff Holz extrem viel Freude macht!“ Und wenn Lukas Faustmann sich für etwas begeistert, dann macht er es zu 100 Prozent: Das ist bei Büchern so, die er liest. Das war bei seiner Lehre so, die in der ersten Meisterprüfung gipfelte. Das war auch mit dem Tischlern so.

Ausnahmetalent entdeckt

„Ich befand mich ohnehin auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie ich eine Zeitspanne lang im heimischen Betrieb bleiben konnte, um die Landwirtschaft weiterzuentwickeln. Es hat also super gepasst, dass ich die WIFI-Ausbildung zum „Tischler auf dem 2. Bildungsweg“  entdeckt habe. Nach einem Gespräch mit den WIFI-Verantwortlichen fand ich mich in der WIFI-Meisterschule für Tischler wieder.“ – Die Trainer hatten in ihm ein Ausnahmetalent entdeckt. Und eben das Praktikum bei Tischlermeister Georg Mähring zuvor.

Meisterliches Tischler-Handwerk

Wenn Lukas Faustmann erzählt, spürt man seine Begeisterung für das Arbeiten mit Holz ganz deutlich, sie springt richtig über: „Ich wollte meinem Vorbild in der Werkstatt auf die Hände schauen, er macht genau das, was mir auch gefällt! Diese Ideen und die Technik dahinter, ich sehe seine Persönlichkeit und seine Stärken in jedem Stück, das spricht mich total an. Er ist ein Perfektionist, ich bin auch einer. Und die WIFI-Meisterschule für Tischler hat er auch besucht!“

Meisterschule für Tischler – das Meisterstück

In der Ausbildung am WIFI Steiermark vertiefte das Multitalent sein theoretisches Wissen und das praktische Können. Das Unternehmertraining hatte er bereits beim ersten Meister zwei Jahre davor absolviert: „Auf jeden Fall empfehlenswert“, so der Tischlermeister, vor allem, wenn es in Richtung Selbstständigkeit gehen soll. Und dann war da auch noch das Meisterstück, das er vorab mit dem WIFI-Trainer, natürlich ein Tischlermeister, genau durchging: „Das war ein echter Experte, von dem ich wirklich extrem viel mitnehmen konnte“, erinnert er sich.

Ersten Preis als Tischler gewonnen:

Das Meisterstück von Lukas Faustmann selbst – ein Apothekerschrank –  war dann sofort eine kleine Sensation: Er nannte es „Asprirantin“ und gewann damit auf Anhieb den österreichweiten LignoramAward.Das ist ein Preis, der im Rahmen der Tischlermeistergalerie im Holz- und Werkzeugmuseum Lignorama in Riedau/Oberösterreich alljährlich für die besten Meisterstücke der „frischgebackenen“ Tischlermeister vergeben wird.

Aspriantin“ nannte Lukas Faustmann sein harmonisches Meisterstück, weil Freundin Anja nahezu zeitgleich die Fachprüfung von der Asprirantin zur „fertigen“ Apothekerin mit Auszeichnung bestand.

Steirischer Meister des Jahres 2018

WKO Meisterbriefverleihung
Gratulieren dem frisch gekürten „Meister des Jahres“ Lukas Faustmann (2.v.r): Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl (r.), Gewerbe und Handwerk Spartenobmann Hermann Talowski (l.) und WKO Steiermark Präsident Josef Herk.

Das war der nächste Höhepunkt für den Tischlermeister aus Vorau: Als im Grazer Stefaniensaal feierlich die traditionellen Meisterbriefe und Befähigungsurkunden verliehen wurden, kürten die 1.300 Gäste Lukas Faustmann mit klarer Mehrheit zum „Meister des Jahres“.
Wie ist der Meister für Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierungstechnikeigentlich zu dieser „Liebe zum Holz am zweiten Bildungsweg gekommen? – „Opa und Papa waren beide Holzhändler und wir haben einen Wald“, erklärt er. „Mit 15, 16 Jahren damals war es allerdings kein Thema, Tischler zu werden – da war Mechatroniker viel anziehender, weil etwas Neues und Besonderes. Dass mir das heute viel Freude macht, habe ich erst bei der Geschichte mit dem Schneidbrett als Weihnachtsgeschenk erkannt

Und jetzt – was bringt die Zukunft?

„Am meisten gefällt mir beim Tischlern, dass man seine eigene Persönlichkeit einfließen lassen kann.“ Dann ist da noch die Verbindung mit dem Kunden, für den er etwas baut. So hat er zum Beispiel einem Freund zum ersten Geburtstag dessen Sohnes einen Tisch aus massiver Eiche geschenkt, natur, geölt und mit Messing geschmückt: „Wenn ich daran denke, dass der auch in zehn Jahren noch genutzt wird und der Bub dann dort seine Hausaufgaben macht, das ist ein sehr schöner Aspekt am Tischlerberuf!“

Für Lukas Faustmann bleibt die Tischlerei aber hauptsächlich ein wunderschöner Ausgleich. Zudem will er ein eigenes, altes Haus umbauen – noch sucht er es, natürlich im Raum Hartberg. Und obwohl das Klientel für hochwertige Stücke, made vom Tischler persönlich, nicht sehr groß ist – Mundpropaganda bewirkt viel!

Ob man sich als Meister-Tischler in Richtung Spezialaufträge oder zum stark gefragten Professionist auf hohem Niveau für die Montage entwickeln will:

Fotos: WK/Fischer

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