Talente finden und fördern – das lässt sich bald am WIFI Steiermark lernen

„Talentmanagement“ bezeichnet einen recht jungen Trend in Unternehmen. Diese neue Art der Personalentwicklung hat die Aufgabe, Schlüsselpersonal für die unternehmenseigenen Bedürfnisse zu finden und/oder auszubilden. Ein EU-gefördertes Forschungsprojekt der WKO in Zusammenarbeit mit dem WIFI Steiermark versucht, diesen modernen Ansatz der Unternehmensführung in ein passendes Lehrgangs-Format für Klein- und Mittelbetriebe (KMUs) zu gießen.

Große Konzerne in den USA erleben ihn schon längst, und auch in Europa ist er mittlerweile angekommen: Der „Kampf um Talente“ in der Unternehmenslandschaft tobt. Vor allem in Berufssparten mit einem dünnen Angebot an Arbeitskräften – wie Programmierern oder Software-Entwicklern – wird um jedes Talent gebuhlt. Wie schafft man es also, in diesen hart umkämpften Feldern als besonders attraktiver Arbeitgeber herauszustechen?

Das Stichwort ist: „Talentmanagement“. WKO und WIFI Steiermark forschen aktuell gemeinsam mit 6 europäischen Partnerorganisationen intensiv in diesem Gebiet, um die notwendigen Werkzeuge für KMU bereitzustellen. Das EU-geförderte Projekt „Talent 4.0 – Bridging the gap between VET and business: talent management 4.0 for SMEs in Europe“ soll Firmen helfen, ihren zukünftigen Bedarf genauer zu definieren und die richtigen „Talente“ dafür zu finden.

Talentmanagement 4.0
Talent 4.0 – Bridging the gap between VET and business: talent management 4.0 for SMEs in Europe

Was ist „Talentmanagement“?

„Talentmanagement“ beschreibt eine Aufgabe von Unternehmen, die sowohl mit Personalentwicklung als auch mit Unternehmensführung zu tun hat. Im herkömmlichen Ansatz geht es dabei um sogenannte „high potentials“. Das sind Fachkräfte, die aufgrund ihrer Ausbildung, Fähigkeiten oder Talente besonderen Wert für ein Unternehmen haben. Inklusives Talentmanagement umfasst zwei Ansätze, um dieses Schlüsselpersonal zu finden:

  • „Spitzensport-Ansatz“

    Man überlegt als Unternehmen, wie man für „high potentials“ besonders ansprechend sein kann, wie man diese Talente aktiv findet, bindet und weiterentwickelt. Wobei es sich nicht immer nur um externe Talente handeln muss. Auch bestehende Mitarbeiter können „high potentials“ sein. Der „Spitzensport-Ansatz“ beschäftigt sich also auch damit, diese im eigenen Umfeld zu erkennen und zu fördern.

  • „Breitensportansatz“

    Der zweite Ansatz geht davon aus, dass in jedem Mitarbeiter gewisses Potential „schlummert“, das für den Betrieb wichtig werden kann. Darum kümmert sich das Talent-Management auch darum, Mitarbeiter und ihre Fähigkeiten an der richtigen Stelle im Unternehmen zu positionieren („best fit“).

Wichtig ist, eine Ausgewogenheit zwischen beiden Ansätzen herzustellen. Denn fokussiert sich ein Unternehmen z.B. nur auf den „Spitzensport-Ansatz“, kann es passieren, dass zu viel auf einige wenige Mitarbeiter „abgeladen“ wird. Darum ist das Talentmanagement eine gesamtunternehmerische Aufgabe.

Finden und gefunden werden

Talentmanagement ist bei großen Unternehmen bereits länger Thema. Konzernstrukturen erlauben es auch, Kapazitäten für die Mitarbeiter-Entwicklung einzuräumen. Aber wie funktioniert Talentmanagement bei KMU, die nicht selten nicht einmal einen Personalverantwortlichen haben? WIFI Steiermark Institutsleiter Martin Neubauer sieht hier großen Bedarf:

„Kleinere und mittelständische Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Meist, weil ihnen der Überblick oder die Zeit dafür fehlen, neue Wege und Mittel zu erkunden – etwa über soziale Kanäle. Darum nutzen wir das gemeinsame Forschungsprojekt mit der WKO, um genau diese Werkzeuge für KMU zu entwickeln und anzubieten.“

Ziel des Projektes ist die Konzipierung einer solchen „Toolbox“ und eines Lehrgangs am WIFI Steiermark, der sich speziell an Führungskräfte und Mitarbeiter mit Personalverantwortung richtet. Der Lehrgang soll Talentmanagement auch für kleine Firmen nutzbar machen. Nicht nur, um neue Talente im Unternehmen einzubinden, sondern auch, um eine moderne Unternehmensstrategie zu etablieren. „Talentmanagement umfasst drei Säulen: Strategie, HR-Prozesse und die Unternehmenskultur. Damit Talentmanagement funktioniert, muss in allen drei Bereichen aktiv gearbeitet werden. Es geht vor allem um Fragen wie: Wie präsentiere ich mich? Was habe ich als Arbeitgeber zu bieten? Und natürlich: Was ist mir als Unternehmen wichtig – jetzt und in Zukunft?“, bekräftigt Neubauer.

Martin Neubauer ist Institutsleiter am WIFI Steiermark

Für die Zukunft gerüstet sein

Es geht also nicht nur darum, Talente zu rekrutieren und langfristig im Betrieb zu halten. Unternehmen müssen sich auch darüber klar sein, welche Mitarbeiter und Fähigkeiten sie überhaupt brauchen. Und zwar nicht nur heute, sondern auch in fünf oder zehn Jahren. Denn Anforderungen, Mitarbeiterprofile und Kompetenzen verändern sich laufend. Waren z.B. vor wenigen Jahren noch Apps das Maß aller Dinge, geht der Trend nun mehr in Richtung cloud-basierter Anwendungen im Web. Eine Entwicklung, die mit der richtigen Vorbereitung und dem passenden Recruiting auch in kleinen Unternehmen erfolgreich gemeistert werden kann.

Als Innovations- und EU-gefördertes „Erasmus+“-Projekt ist „Talent 4.0“ über die österreichischen Grenzen hinaus ein Pilot-Projekt für Unternehmen, aber auch für die Berufsbildung, wie EU-Projektmanager und Koordinator Thomas Tröbinger betont: „Talentmanagement ist nicht nur etwas für Firmen, sondern soll z.B. auch in berufsbildenden höheren Schulen Eingang finden. Damit geben wir den Fachkräften von morgen schon heute das nötige Werkzeug mit, um ihr volles Potential auszuschöpfen.“

Mit Start des Versuchs-Lehrgangs am WIFI Steiermark Mitte 2020 geht das Projekt in die entscheidende Phase und wird hoffentlich vielen Unternehmen neue Strategien und Denkansätze liefern. Zum Abschluss des Projekts sollen die Ergebnisse im Rahmen der im September stattfindenden „Euroskills 2020“, der Europameisterschaft der Berufe, auch einem internationalen Publikum präsentiert werden.

Talentmanagement 4.0 Disclaimer Erasmus+

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

 

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