Die Generation Digital – Was Sie über Z und Alpha wissen sollten

Nach den Generationen der Babyboomer, X und Y bezeichnen der letzte Buchstabe im Alphabet, das Z, und das griechische Alpha die digitale Generation. Sie kennt keine Welt ohne Internet, weitere Phänomene sind die Globalisierung, der demografische Wandel und eine unbeständige Welt.

Junge Menschen der Gen Z sind zwischen 2000 und 2019 geboren und sind die erste Generation, die mit dem Smartphone aufwächst. Alpha bezeichnet die Nachfolge-Generation von Z, die ab 2020 auf die Welt kommt, wobei die Grenzen in den Generationen fließend sind. Der australische Zukunftsforscher Mark McCrindle und Erfinder des Begriffes „Generation Alpha“ sieht diesen Generationensprung als den bedeutendsten in der Geschichte. Alpha Kinder wachsen als erste Generation ganz im 21. Jahrhundert auf und werden die am besten ausgebildete und wohlhabendste Generation sein, die je gelebt hat.  

Lebenswelt ohne Internet ist unbekannt

Seit 2007 gibt es das iPhone und seitdem haben Smartphones verändert, wie wir kommunizieren und einkaufen, uns informieren und organisieren. Ein junger Mensch, der etwa 1995 geboren wurde und im Alter zwischen 12 und 15 Jahren erste Erfahrungen mit einem Smartphone machte, hat die prägendsten Jahre für seine Verhaltensweise ohne Smartphone erlebt. Für Jugendliche mit einem Geburtsjahr ab 2000 ist das Smartphone ganz normal, es ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Und sie verhalten sich auch ganz anders. 2010 brachte Apple das iPad auf den Markt, die Bilderplattform Instagram wurde gegründet und Sprachforscher des Englischwörterbuchs „Oxford Dictionaries“ küren „App“ zum Wort des Jahres.

Immer online – Real Life und Digital Life verschmelzen

Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren nutzen unterschiedliche digitale Medien im Schnitt acht Stunden pro Tag, das Einstiegsalter für ein eigenes Smartphone ist in Österreich bei etwa sieben Jahren. Smartphones und digitale Medien sind in nur zehn Jahren allgegenwärtig geworden und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wie sehen die digitalen Lebenswelten von Jugendlichen heute aus? Dieses Thema steht im Zentrum des zweiten Ausbilderforums am 5. Mai 2020. Der Jugend-Experte und Key Note Speaker Lukas Wagner beantwortet hier erste Fragen:

Weshalb gibt es so viele Vorurteile gegenüber der Generation digital? 

Lukas Wagner: Vorurteile entstehen oft durch Nicht-Wissen. Mit den digitalen Medien ist eine Welt entstanden, in die Erwachsene oft nur schwer oder gar nicht hineinsehen können. Gleichzeitig ändern sich die Dinge im virtuellen Raum so schnell, dass wir gar nicht mitkommen können. Dieses Nicht-Wissen kann uns Angst machen und diese Angst führt immer wieder zu Vorurteilen.

Wodurch unterscheidet sich dieses Phänomen von „normalen“ Generationen bedingten Problemen? 

Wagner: Wenig. Jede Generation hatte ihre Generationenthemen auszufechten. Es ist eine „Aufgabe“ der Jugend, für die Älteren unverständlich zu sein. So passiert Abgrenzung und nur so kann ein eigener, neuer Weg gefunden werden.

Was hat sich im Vergleich zu den Generationenwechseln davor verändert? 

Wagner: Die Geschwindigkeit. Neue Technologien lösen alte fast im Wochentakt ab, jedes Monat sind neue Trends im Internet angesagt. Dabei den Überblick zu bewahren, ist nicht möglich. Die Geschwindigkeit scheint weiter zu steigen, aber wo ist die Grenze? Es ist enorm wichtig, zu entschleunigen und Offline-Alternativen anzubieten. Die Onlinewelten bleiben, aber wir können Offline eine Gegenposition beziehen.

Wie können wir Vorurteilen begegnen, wie „Die Jugend ist faul, dumm, geht nicht in die Schule, ist nur am Handy, nimmt keine Rücksicht, träumen nur“?

Wagner: Vorurteile sind so alt sind wie die Menschheit selbst. Das Neue sind ja die Medien wie  Smartphone und Internet. Unsere Gesellschaft „produziert“ immer noch fitte, kluge und fleißige junge Erwachsene. Unsere Vorurteile haben oft mit unserer Angst oder Überforderung zu tun, weil uns die Jugendlichen im digitalen Raum abgehängt haben. Wir sind die erste Elterngeneration, die wenig oder auch gar kein technisches Wissen an ihre Kinder weitergeben kann. Kinder können meist WhatsApp innerhalb von Stunden besser bedienen als wir!

Wie können wir etwas verstehen, zu dem wir selbst schwer Zutritt und Berührungsängste haben? 

Wagner: Indem wir die Jugendlichen als die Expertinnen sehen, die sie sind. Neugierde ist enorm hilfreich. Jugendliche zeigen gerne ihre Lieblings-YouTuber her oder auch ihre Computerspiele. Damit wird es für uns möglich, zuzuschauen, Neues zu lernen und trotzdem immer wieder ein wenig kritisch zu hinterfragen. Wir werden vielleicht nie alles zu 100 % verstehen, aber so können wir spannende Einblicke gewinnen und gleichzeitig die Jugendlichen unterstützen.

Was braucht es im Umgang mit, in der Zusammenarbeit, im Ausbilden der Jugend-Generationen Z und Alpha? 

Wagner: Diese neue Generation ist viel schneller geworden. Sie informieren sich online, YouTube ist ihre Hauptinformationsquelle, weit mehr als die Google-Suche. Wir sollten den Jugendlichen beibringen, gute Fragen zu stellen. Jede Information ist online zu finden, somit wird die Qualität der Fragen viel wichtiger. Diese Generation ist kritischer als die Generationen davor. Wir unterstützen sie, indem wir immer wieder auch langsamer sind und direkt in Kontakt bleiben, nicht nur über Smartphone & Co.

Wie sehen die digitalen Lebenswelten von Lehrlingen heute aus und wie können Auszubildende im digitalen Raum begleitet und unterstützt werden? 

Wagner: Jugendkultur ist heute Digitalkultur – Spieler, YouTuber, Instagramer. Die Lebenswelten sind digital. Wir begleiten und unterstützen immer dann, wenn wir Jugendlichen helfen,  kritisch zu sein, Inhalte zu hinterfragen. Am besten mit der einfachen Frage „Warum?“ wie etwa „Warum ist YouTube kostenlos? Warum ist WhatsApp kostenlos? Warum muss ich immer erreichbar sein?“ Diese Fragen sollten wir stellen und gut auf ihre Antworten hören – um gleich wieder zu fragen: „Warum?“. So können Jugendliche kritische User werden und ihr Verhalten reflektieren.

Lukas Wagner ist Psychotherapeut und Medienpädagoge.

Lukas Wagner

Psychotherapeut, Medienpädagoge. Psychotherapeutisch tätig in freier Praxis in Graz.  Arbeitsschwerpunkte: Jugendliche, junge Erwachsene, neue Medien und digitale Lebenswelten. Buchautor: „Die Generation Digital – Heranwachsen in einer vernetzten Welt“. Mehr Infos & Kontakt: www.lukas-wagner.at

WissensWert

Generation Z

  1. ist immer online
  2. kann sich schwer entscheiden – es gibt zu viele Möglichkeiten und Informationen und zu wenig Zeit, um nachzudenken.
  3. steht unter Leistungsdruck – über den ständigen Social Media Vergleich
  4. ist maximal unverbindlich
  5. setzt auf Geborgenheit in der Familie, da viele Beziehungen nur digital gepflegt werden und im realen Leben nicht belastbar sind.

Generation Alpha

  1. lernt scrollen bevor sie sprechen kann
  2. will einfache Lösungen
  3. wächst mit Technik auf, die auf sie zugeschnitten ist.
  4. rebelliert auf Nachhaltigkeit
  5. ist maximal flexibel mit flüchtigen Verbindungen zu sozialen und kulturellen Gruppen.

Fotos: kk, Adobe Stock – Alessandro Biascioli

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