Integrales Gebäude- und Energiemanagement – alles wird Strom!

Heute kommen Wärme und Mobilität weltweit zu zirka 80 Prozent aus fossilen Quellen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle. Gleichzeitig wird Strom vorwiegend in wenigen, sehr großen Kraftwerken erzeugt. Doch das alles wird sich sehr bald grundlegend ändern:
„Wir befinden uns am Beginn eines großen Umbaus unseres Energie-Systems – von einem zentral geplanten und gebauten Erzeugungs- und Verteilnetz hin zu einer dezentralen Lösung“, diagnostiziert der Photovoltaik- und Speicher-Experte Ing. Thomas Becker. Um diese Herausforderung erfolgreich zu bewältigen, werden Allround-Spezialisten gebraucht. Konkret heißt das, es werden ganzheitlich ausgebildete Personen benötigt, die Know-how aus allen betroffenen Bereichen haben und mit den entsprechenden Fachleuten gemeinsam Lösungen kreieren können. Kurz gesagt: Die prognostizierte Energiewende verlangt nach engagierten Absolventinnen und Absolventen des Akademischen Lehrgangs „MSc Integrales Gebäude- und Energiemanagement“. 

Sektorenkoppelung – alles wird Strom

Wenn u. a. die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität in den nächsten Jahren mehr und mehr gekoppelt und immer mehr fossile Energieträger durch Strom ersetzt werden sollen, braucht es vor allem eins: genug Strom aus erneuerbaren Energiequellen. „Dementsprechend wurde in der ‚#mission2030 der letzten Bundesregierung das Ziel definiert, dass im Jahr 2030 der elektrische Verbrauch in Österreich bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammen soll“, berichtet der Experte. Hochgesteckte Ziele für den Ausbau der Sonnen- und Windenergie!

„Der Anteil der Photovoltaik wird in zehn Jahren verzehnfacht werden und die Windenergie soll um den Faktor drei wachsen. Damit sollen zukünftig Wasser, Wind und Photovoltaik die drei großen Säulen der Energieversorgung bilden.“ – Ing. Thomas Becker

Dezentrale Stromerzeugung

Viel mehr Wind- und Solarkraftwerke bedeuten allerdings auch eine starke Dezentralisierung der Stromerzeugung. Selbst Einfamilienhäuser produzieren Kraft der Sonne Strom. „Um hier den Netzausbau auf einem verträglichen Niveau zu halten, ist es wichtig, dass es ganzheitlich durchdachte Lösungen zur Sektorenkopplung geben muss“, so Ing. Becker. Die und auch die definierten Qualitätsstandards bei den Zubauten fehlen derzeit aber noch. Auch dafür braucht es Allround-Spezialisten, die alle Bereiche denken und managen können. Die Versorgungssicherheit muss weiterhin gewährleistet sein.
„Einige wenige Kraftwerke sind relativ leicht zu verbinden und zu steuern. Wenn wir die Versorgungseinheiten aber um das Tausendfache erhöhen – wie werden wir das dann steuern können“, weist der Tiroler Experte auf diese große Herausforderung speziell in der Photovoltaik hin.

Integration der Verbraucherseite

Ein Stromnetz verträgt eine gewisse Menge an Strom, mehr als 100 Prozent gehen nicht hinein. Durch die Sektorenkopplung wird insgesamt aber nicht nur mehr, sondern auch ganz anders Strom verbraucht. Der dezentralisierten Stromherstellung steht zusätzlich ein neues Verbraucherverhalten gegenüber, das muss aufeinander abgestimmt werden. Beckers Idee dazu: „Die Grundlage hierfür wäre eventuell ein allgemein gültiger Hardware- und Protokollstandard, der eine Abstimmung und Kommunikation der einzelnen Sektoren ermöglicht.“ Aber das ist heute noch Zukunftsmusik: „Die technische Lösung dafür fehlt noch. Es wird noch einiges an Zeit und Nachdenken erfordern, das zum Funktionieren zu bringen.“

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Will die Photovoltaik das definierte Ziel erreichen und bis 2030 um das Zehnfache wachsen, braucht es wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Ing. Thomas Becker spricht in diesem Zusammenhang unter anderem das geplante „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“ an, das die Österreichische Klima- und Energiestrategie „#mission2030“ als wesentliches Werkzeug begleiten soll. Dabei geht es um Investitionen, ein „100.000-Dächer-Leuchtturm-Programm“, Förderungen, Ausschreiberichtlinien, Einspeisetarifen und mehr. „Je mehr Strom kostet, desto schneller amortisiert sich eine Photovoltaikanlage“, gibt Ing. Becker als zusätzlichen Denkanstoß mit.

Abbau bürokratischer Hürden

Eine Photovoltaik-Anlage genehmigt zu bekommen, ist nicht immer einfach. In der Steiermark sind kleinere Solar- und Photovoltaikanlagen zwar grundsätzlich genehmigungsfrei. Daneben gibt es allerdings Themen wie Ortsbildschutz, Denkmalschutz oder Weltkulturerbe. Trotzdem: „Es lassen sich immer Flächen finden, die für die Photovoltaik genutzt werden können. Das lässt sich lösen“, weiß Ing. Becker aus Erfahrung.

Allround-Spezialisten gefragt

Bleibt das Thema Arbeitsmarkt, analysiert der Profi und verweist auf neue Ausbildungskonzepte wie den Akademischen Lehrgang „MSc Integrales Gebäude- und Energiemanagement“ am WIFI Steiermark. „Wir müssenFachkräfte für die neuen Gebiete und die Energiewende mobilisieren. Wir brauchen Allround-Spezialisten, die fähig sind, Wissen zu den geplanten Sektoren auszubilden und sektorenübergreifende Lösungen zu entwickeln.“

„Der Branche der erneuerbaren Energien stehen herausfordernde Zeiten bevor. Das große Ziel von uns allen dabei ist es, mit der Energiewende einen großen Schritt in eine bessere Zukunft zu machen.“– Ing. Thomas Becker

Ing. Thomas Beckerzeichnet als geschäftsführender Gesellschafter der ATB-Becker Photovoltaik GmbH für den Vertrieb und die Ausbildung im Unternehmen verantwortlich. Die Tiroler Firma ist als Spezialist für Photovoltaik und Speicher bekannt, Ing. Becker stellt sein Know-how auch in Fachvorträgen zur Verfügung.

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Fotos: KK, © AdobeStock / lassedesignen

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