Fotografie ist mehr als mit dem Handy zu spielen

Als „Reise zu einem höheren Level“ beschreibt Profifotograf Klaus Morgenstern den WIFI-Diplomlehrgang „Fotoassistent/in“, an dem auch Renate Weiß teilgenommen hat. Dabei dachte sie, als leidenschaftliche Hobbyfotografin schon ganz gut unterwegs zu sein – und trotzdem folgte der absolute Wahnsinn, wie sie sagt: „Emotionen erzeugen, Menschen, Architektur und Landschaften in Szene setzen, mit Studioblitzen und natürlichem Licht spielen … Es war faszinierend und extrem bereichernd, mit einem erfahrenen Profi zu lernen und zu arbeiten! Auch die Anfänger unter uns waren begeistert.“

Fotografie ist mehr als ein Instagram-Filter

Wobei das kein grundsätzliches Statement gegen Filter ist, im Gegenteil: „In der Fotografie verwendet man Filter, um zum Beispiel extreme Kontraste auszugleichen“, erfahren wir von Klaus Morgenstern. Er meint unter anderem ein sehr dunkles Motiv vor einem sehr hellen Himmel. UV-Filter sperren zudem störende Lichtanteile aus, die zu Unschärfen führen könnten. Oder der berühmte Graufilter steckt dahinter, wenn ein statisches Element auf einem belebten Platz bei sehr langen Belichtungszeiten fotografiert worden ist. Er filtert die Menschen raus.

„Der Einsatz von Filtern ist eine eigene Technik in der professionellen Fotografie. Mit dem Drüberlegen von vorgefertigten Stimmungen und Effekten hat das nichts zu tun. Das ist Spielerei.“ – Klaus Morgenstern.

Handy versus Kamera

Renate Weiß fotografiert mit einer Canon EOS 5D Mark IV, einer erstklassig konstruierten Allround-Kamera. Als Objektiv verwendet sie meist EF 24-70 mm f/2,8L II USM. Diese Basisausrüstung steht preislich in keinem Vergleich zu jeglichen Handys, selbst ein iPhone 11 Pro ist ein Schnäppchen dagegen. Die mit der Kamera erzielten Fotos (wenn man wie Renate Weiß nun weiß, wie es geht!) haben aber auch eine ganz andere Qualität.
„Handyfotos liefern grundsätzlich keine Qualität. Man macht 200, 300 Stück und am Display schauen ein paar schließlich auch ganz nett aus“, erklärt Klaus Morgenstern. Er vergleicht Handyfotos mit einem Porsche, der 300 km/h geht, aber leider keine Sitze im Wageninneren hat. „Zehn Megapixel Auflösung sagen gar nichts. Was zählt, sind die Sensorgröße sowie die Qualität und Güte des verwendeten Objektivs.“

„Handyfotos haben nichts mit Fotografie zu tun. Sie können dokumentieren, es ist lustig, damit zu spielen und natürlich haben sie ihre Berechtigung, keine Frage! Tolle Profi-Fotos kommen jedoch immer mit einer geeigneten Kamera, Wissen und Erfahrung zustande.“

Freude am Fotografieren

 Für Renate Weiß und ihren Partner Peter Mayer, der ebenfalls am Diplomlehrgang teilgenommen hat, bedeutet Fotografieren leidenschaftliches In-Szene-setzen. Ihr ist es wichtig, Menschen im Bild so zu zeigen, wie sie wirklich sind. Er hat vor allem Landschaften und Architektur im Fokus. Durch die WIFI-Ausbildung zur/zum Fotoassistent/in ist die Freude am Fotografieren noch größer geworden: „Ich habe gelernt, was außerhalb der Programm-Automatik manuell möglich ist und bin vom ‚A’ wie Anfängerin zu ‚M’ wie Meister gewechselt. Ich kann jetzt umsetzen, was ich sehe – und lichte nicht einfach nur ab, was die Kamera vor der Linse hat.“

Fotografieren als Beruf(ung)

Klaus Morgenstern liebt seinen Beruf. Es sei die Vielfalt und die Abwechslung und dass er jedes Mal vor neuen Situationen stehe: „Sie ähneln sich vielleicht und trotzdem ist jeder Moment, den ich einfange, einzigartig. Der Moment, in dem bei einer Hochzeit die Ringe gewechselt werden, wenn ein verliebtes Pärchen sich anlächelt oder ein Diplom überreicht wird – das sind Augenblicke, die mit Fotos festgehalten und damit unvergesslich werden.“ Anders ist es mit der Produktfotografie, wo etwas in Szene gesetzt werden will: „Das hat viel mit Regieführen zu tun“, vergleicht er die Berufe.

Ausbildung zur Fotoassistenz

Auch den Job als Lehrgangsleiter macht Klaus Morgenstern mit viel Freude: „Ein Teilnehmer hat gesagt, er sei fast ein wenig demütig geworden, als er festgestellt habe, wie viel Wissen, Können und Erfahrung hinter einem professionellen Foto steckt“, schmunzelt er. Fotografieren sei eben viel mehr als aufs Knopferl zu drücken.

Dass es diese Ausbildung zum Fotoassistenten, zur Fotoassistentin am WIFI überhaupt gibt, ist übrigens der Zeit geschuldet, erklärt er: „Die Landschaft der Fotografen hat sich verändert. Die meisten sind Ein-Personen-Unternehmen, es gibt kaum fix Angestellte.“ Der Bedarf, auf eine ausgebildete Hilfe zurückzugreifen, sei dennoch häufig vorhanden. Daher brauche es Fotoassistenten, welche die Grundlagen der Fotografie verstehen und anwenden können.

Es werde Licht …

Ein Thema, für das es oft Assistenz braucht, ist das richtige Setzen des Lichts. Apropos Licht: „Die Blitzfotografie mit Studioanlagen war komplett neu für mich“, berichtet Renate Weiß vom Lehrgang. Der hat übrigens – wie jede Fotoausbildung – mit den drei großen Themen ISO, Blende und Belichtungszeit begonnen. Ob in Richtung Industrieanlagenfotografie, als echte Fotoassistenz oder auch als fortgeschrittener Hobbyfotograf – die Teilnehmenden lernten alles von der Pike auf.

Tipps und Tricks

Auch die gab es natürlich im Lehrgang und auch dabei ging es unter anderem um Licht: „Als Fotograf überlege ich mir, wann ich für welche Idee die besten Lichtbedingungen habe. Am 21. Juni um 12 Uhr mittags ein Portrait im Freien zu fotografieren, wird schwarze Schatten unter den Augen hervorrufen. Morgens und abends ist das Licht dagegen auch im Hochsommer sehr weich,“ erklärt Klaus Morgenstern die Basics. Und Renate Weiß sagt noch, dass sie auch gelernt habe, achtsam mit ihren Motiven umzugehen: Unschöne Falten in der Jacke, die offene Kellertür im Hintergrund, die schiefe Krawatte, das Handy in der Männerhosentasche … Das galt es, sehen zu lernen. Denn etwas hinterher zu retuschieren, bedeutet eine Riesenmenge an Arbeit. Falls es überhaupt funktioniert. Und vorher macht man einfach die Kellertür zu.

Fotos: WIFI Steiermark / Melbinger (1)

Foto-Experimente aus dem Diplomlehrgang von Renate Weiß (fotografiert mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem TAMRON SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO1:1 F004):

Thema Tiefenschärfe: Linkes Foto mit Blende 11, rechts mit Blende 2,8

Experiment mit unterschiedlichen, natürlichen Lichtquellen: Man sieht deutlich, wie unterschiedlich sich die Farben auf die Bildschärfe auswirken. Die Daten dazu: Canon EOS 5D Mark IV EF24-70mm f/2.8L II USM, Brennweite 44 mm, ISO 3200, 1/50 Sek. bei f / 3,5, kein Stativ. Renate Weiß’ Kommentar dazu: „Mein Fazit: Keine Angst mehr vor hohen ISO-Zahlen!“

Apfel

Der Apfel wurde mit Glyzerinspray besprüht, damit die Tropfen nicht so schnell ablaufen/verdunsten können wie echtes Wasser. Damit wird die Frische in der Produktfotografie gezeigt. Studioblitz.

Sektgläser: „Die Arbeit im Lowlight-Bereich ist eine sehr spannende und kann sehr ausdrucksstark wirken. Als Vergleich dazu die Fotografie im helleren Bereich bzw. auch die farbliche Umwandlung mittels Lightroom.“

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