Mentales Training: Wieso nicht nur Sportler davon profitieren

Österreichische SpitzensportlerInnen wie Marcel Hirscher, Dominic Thiem oder Ivona Dadic haben einen großen Teil ihres Erfolgs ihrer mentalen Stärke zu verdanken. Im richtigen Moment das volle Leistungspotenzial abrufen – diese Fähigkeit muss genauso trainiert werden wie der Körper. Aber nicht nur Sportler profitieren von mentalem Training.

„Heute ist er/sie mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache“ – Solche und ähnliche Aussagen hören wir häufiger von KommentatorInnen. Meist in Zusammenhang mit SportlerInnen, die hinter ihren Erwartungen zurückbleiben. Neben vielen anderen Faktoren ist „der Kopf“ das wichtigste, um Spitzenleistungen zu erbringen. Mag. Johannes Gosch, Sportwissenschafter, Mentalcoach und Lehrgangsleiter des WIFI Steiermark Diplomlehrgangs „Mentaltrainer“, weiß aus erster Hand, dass der Geist im Spitzensport genauso fit sein muss wie der Körper: „Erfolg ist eine Sache des kompetenten Trainings – auch mental“.

Was ist „mentales Training“?

Mentales Training ist ein gezieltes, bewusstes, geistiges Üben“, erklärt Johannes Gosch, „Für jeden Menschen und jede Sportart bedeutet es etwas Anderes. Darum gibt es auch keine Anleitung nach Schema F, wie mentales Training zu funktionieren hat. Jede Sportart hat ein anderes Anforderungsprofil, jede/r SportlerIn hat andere mentale Voraussetzungen.“

Je nachdem, welche Schwerpunkte eine Sportart hat, gibt es verschiedene Bereiche, in denen SportlerInnen üben und sich mental vorbereiten können. Das kann die Förderung von Motivation, Konzentration oder Aufmerksamkeitssteuerung sein, aber auch Vorstellungstraining (Visualisierung von Bewegungsabläufen und Strategien) und der Umgang mit Emotionen. Bei österreichischen SpitzensportlerInnen legen Coaches auch Schwerpunkte auf Entspannungstechniken zur effizienten Regeneration von Körper und Geist. „Im Wesentlichen geht es darum, dass der/die SportlerIn imstande ist, zum richtigen Zeitpunkt die volle Leistungsfähigkeit abzurufen“, sagt Johannes Gosch.

Johannes Gosch WIFI Steiermark Mentaltrainer
Johannes Gosch ist WIFI Steiermark Lehrgangsleiter für mentales Training. Als Coach und Sportwissenschafter weiß er, wie wichtig mentale Vorbereitung für Sportler ist. Aber auch im Beruf hilft es, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen.

Volle Konzentration voraus

Johannes Gosch stammt aus dem Sportschützen-Bereich und kennt die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten, die „der Kopf“ mit sich bringt: „Gerade wenn Konzentration gefragt ist, können Gedanken und emotionale Regungen die Leistung stark beeinflussen. Auch die eigene Lebenssituation kann ausschlaggebend sein. Gibt es Dinge in meinem Leben, die mich beeinträchtigen und aus der Balance bringen? Denn auch das nehme ich in den sportlichen Prozess mit hinein. Man kann das Hirn zwar nie ganz ausschalten – aber man kann mit mentalem Training dafür sorgen, dass man im richtigen Moment fokussiert ist.“

Mentales Training dreht sich also nicht nur um den Augenblick, in dem die Leistung gefragt ist. Es beleuchtet das Gesamtbild und hilft dabei, auch außerhalb des Sports das Gleichgewicht zu wahren. Denn viele SportlerInnen tendieren dazu, ihren Selbstwert nur noch über ihre Leistung zu bestimmen und scheitern dann an ihrer eigenen Erwartungshaltung. Auch der Druck von außen (z.B. durch Sponsoren, Fans und Medien) ist mental extrem fordernd. Abhängig von der Sportart kann mentales Training dabei unterstützen, Störungen auszublenden, aufgewühlte Energie umzuwandeln (v.a. in Ausdauersportarten) oder einen mentalen Zustand zu erreichen, der hilft, das eigene Ziel zu erreichen.

Mentaltrainer-Ausbildung am WIFI Steiermark

Diesen Ansatz verfolgt auch der Diplomlehrgang „Mentaltrainer“ am WIFI Steiermark. Diesem Diplomlehrgang geht der Grundlehrgang „Mentales Training“ voraus. Beide Lehrgänge eignen sich besonders für Menschen, die mentales Training im (beruflichen) Alltag umsetzen wollen – für sich oder für andere.

„Es ist ein sehr komplexes Training, das einen genauen Zielsetzungsprozess verlangt“, erzählt Johannes Gosch, „Im Lehrgang schauen wir uns die Grundvoraussetzungen der jeweiligen Personen an. Wir definieren Ziele, schauen, welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen und welche Hindernisse da sind, die uns hemmen.“

Unter professioneller und praxisorientierter Anleitung erfahren die TeilnehmerInnen wichtige Inputs, um solche Blockaden zu lösen und positive, langanhaltende Veränderungen anzustreben. Mentaltrainer und Coaches wie Johannes Gosch wenden diese Praktiken seit Jahren in ihrem eigenen Arbeitsalltag vor allem mit SportlerInnen an – mit Erfolg. Nicht umsonst werden einige seiner Schützlinge dieses Jahr bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio antreten. Dennoch: „Abgesehen vom Training, mental und physisch, darf auch der Spaß nicht auf der Strecke bleiben. Die gesamte körperliche und geistige Konstitution hilft mir nicht, wenn ich keine Begeisterung spüre. Auch das ist ein Geheimnis des Spitzensports – die Freude an dem, was ich tue.“

Sie wollen mentales Training in Ihren beruflichen oder sportlichen Alltag integrieren?

Foto: adobe stock – ruslanshug

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.