• 14. April 2021 13:03

Selbstständig in der Buchhaltung

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Vor zweieinhalb Jahren hat Beate Krasser sich als Bilanzbuchhalterin selbstständig gemacht. Wie funktionierte der Wechsel von der Festanstellung zum eigenen Unternehmen? Welche Ausbildung braucht es dazu? Und wie wird aus dem Experiment mit der Selbstständigkeit eine Erfolgsgeschichte?

Beate Krasser hat sich nach insgesamt 17 Jahren als kaufmännische Leiterin und Prokuristin in einem Großkonzern dazu entschieden, das Unternehmen zu verlassen und sich als Bilanzbuchhalterin selbstständig zu machen. Ausschlaggebend waren damals zwei Gründe: „Einerseits gab es Veränderungen im Konzern, die ich als Prokuristin nicht mittragen wollte und andererseits wünschte ich mir mehr Zeit für meine beiden Kinder“, erinnert sich Krasser.

Der Start in die Selbstständigkeit

Um sich in der Buchhaltung selbstständig machen zu können, muss man die dafür notwendigen Qualifikationen bei einer Prüfung nachweisen (seit der Änderung des Bilanzbuchhaltungsgesetzes 2018 in der Form einer mündlichen Fachprüfung an der Meisterprüfungsstelle der WKO). Für Krasser bedeutete das, dass sie zusätzlich zu ihrem Abschluss an einer Handelsakademie weitere Ausbildungen absolvieren musste: Den Buchhaltungslehrgang, den Diplomlehrgang Bilanzbuchhaltung und den Lehrgang für Personalverrechnung. „Ich habe die Kurse innerhalb eines Jahres am WIFI Steiermark abgeschlossen und schließlich die notwendige Prüfung abgelegt“, erklärt Krasser. Danach meldete sie ihr Gewerbe unter dem passenden Namen Erfolgsbilanz an und wagte damit endgültig den Schritt in die Selbstständigkeit als Bilanzbuchhalterin.

Beate Krasser ist selbstständige Bilanzbuchhalterin und unterrichtet am WIFI Steiermark
Beate Krasser ist selbstständige Bilanzbuchhalterin und unterrichtet am WIFI Steiermark

Erste Klientinnen und Klienten fand Krasser über Stellenausschreibungen und bei Veranstaltungen für Neugründer/innen. „Viele meiner Kundinnen und Kunden haben mich an andere Unternehmen weiterempfohlen, wodurch ich mir nach und nach eine fixe Klientel aufbauen konnte“, berichtet die Buchhalterin. Heute arbeitet Krasser mit einer großen Bandbreite an Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen zusammen. „Von Ein-Personen-Betrieben bis hin zu GmbHs ist alles dabei.“

Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

In der Vergangenheit gehörten neben den regulären Arbeitszeiten auch Geschäftsreisen und zahlreiche Überstunden zu Krassers Arbeitsalltag. „Natürlich konnte ich mir als Angestellte dann nicht jedes Mal frei nehmen, wenn meine Kinder Schulveranstaltungen hatten“, erzählt sie. Als Selbstständige kann die Buchhalterin ihre Termine nun flexibler einteilen und Zeit für die Familie einplanen. Das bedeutet aber auch, dass sie hin und wieder am Wochenende oder abends arbeiten muss. Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen fällt dabei natürlich schwer – vor allem wenn man von zu Hause arbeitet. Deswegen hat sich Krasser für eine räumliche Trennung in Form eines Büros in Graz entschieden.

„Ich habe als Selbstständige gleich viel Arbeit wie als Angestellte, aber ich kann mir meine Zeit jetzt viel besser einteilen“, fasst Krasser zusammen.

Als Führungskraft stand sie früher unter dem ständigen Druck der Leistungsoptimierung, während gleichzeitig immer mehr Einsparungen vorgenommen wurden. Nun entscheidet sie hingegen selbst darüber, wie sie ihr Unternehmen führen will und wie es sich in Zukunft entwickeln soll.

Tipps für Selbstständige

Neben ihrer Arbeit als Bilanzbuchhalterin unterrichtet Krasser am WIFI Steiermark die Fächer Buchhaltung I und Buchhaltung II und ist Lehrbeauftragte im Rahmen des Lehrgangs für Personalverrechnung und des Unternehmenstrainings. Vor allem bei letzterem kann sie ihre eigenen Erfahrungen aus der Selbstständigkeit einfließen lassen. Sie rät Menschen, die sich selbstständig machen wollen, sich im Vorfeld genau zu informieren und nicht blauäugig in die Selbstständigkeit zu starten. „Man sollte sich über Abgaben und laufende Kosten erkundigen und wissen, wie viel man monatlich einnehmen muss, um über die Runden zu kommen“, betont sie.

„In der Buchhaltung sollte man außerdem viel Erfahrung mitbringen, wenn man selbständig arbeiten möchte – immerhin hat man eine Verantwortung gegenüber den Kundinnen und Kunden“, weiß die Expertin.

Beate Krasser hat sich von ihrer beruflichen Veränderung mehr zeitliche Flexibilität und Selbstverantwortung erhofft. Nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren als selbstständige Bilanzbuchhalterin ist sie immer noch glücklich darüber, dass sie den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat.

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