Zehn Tipps für Gesundheit am Arbeitsplatz

„Eine Million Österreicher hat ihr Job krank gemacht“, titelten die Tageszeitungen bereits vor Jahren. Die Zahl ging aus der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria hervor. Die meisten Befragten nannten damals Gelenkschmerzen und psychische Probleme als Ursache. Die Studie wies auch aus, dass rund 3,3 Millionen, also acht von zehn Erwerbstätigen, am Arbeitsplatz zusätzlich mindestens einem körperlichen und/oder psychischen Risikofaktor für eine Erkrankung ausgesetzt seien.

Damals gingen die Gemüter hoch – und heute? Der WIFI-Lehrbeauftragte für die Ausbildung zur Gesundheitsvertrauensperson, Samuel Strunk, gibt zehn Tipps, wie auch Sie die Gesundheitsrisiken (zum Beispiel übermäßigen Stress) am Arbeitsplatz abstellen oder reduzieren und Ihre Gesundheit am Arbeitsplatz besser schützen können:

1. Gesund bleiben – der Klassiker

Regelmäßig kurze Pausen einschieben: Samuel Strunk empfiehlt, die Arbeit hin und wieder auf fünf Minuten ganz bewusst zu unterbrechen und das mit Bewegung zu verknüpfen. Mit Kaffee-Trinken oder Wasser holen zum Beispiel. Damit entfernt man sich auch gedanklich von der Arbeit und kann anschließend zufrieden weitermachen. Der Experte empfiehlt auch, auf die eigenen Hochs und Tiefs zu achten. Nach dem Mittagessen und spät am Nachmittag sind die Leistung häufig auf einem Tief und die Anfälligkeit für Fehler hoch.

2. Bewegt das Arbeiten Sie auch?

Gerade bei sitzenden Tätigkeiten braucht es mehr Bewegung, und zwar mindestens alle 60 Minuten! Samuel Strunk rät, dafür den Gang zum Kopierer zu nutzen, Kollegen nicht anzurufen, sondern persönlich aufzusuchen. Und Ausgleichsbewegungen einzubauen. Dehnen, Strecken und einfache Joga- und Pilates-Übungen eignen sich hervorragend. Damit kann man Verspannungen im Nackenbereich, Disbalancen, Rückenbeschwerden oder Kopfweh sehr leicht entgegenwirken.

3. Trinken und lüften

Zum Trinken sind Wasser und andere ungesüßte Getränke am empfehlenswertesten, so Samuel Strunk. Was das Lüften betrifft, plädiert er für Stoßlüften. Mit dem richtigen Öffnen eines Fensters begünstigt man einen schnellen Luftaustausch, während Kippen wenig bewirkt. Bleibt, vor der Zugluft zu warnen: Vermeiden Sie das auf jeden Fall, das macht ebenso krank wie wenn die Klimaanlage ständig auf den Kopf bläst. Noch ein Tipp: Achten Sie darauf, dass der Arbeitsplatz ergonomisch für Sie eingerichtet ist!

4. Achtsamkeitsübungen …

Nahezu jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn man in eine Stressphase hineinzukommen droht oder schon drin ist. Die Anzeichen dafür können unter anderem Herzrasen, Unkonzentriertheit oder Gereiztheit sein – doch es gibt ein Mittel dagegen! Es lautet „Achtsamkeit“. In der WIFI-Ausbildung zur Gesundheitsvertrauenspersonzeigt Samuel Strunk eine einfache Übung dazu: „Man trinkt einfach ein Glas Wasser, Schluck für Schluck, ganz langsam und bewusst aus und konzentriert sich dabei auf das Gefühl des Schluckens“, rät er. „Es hilft, in den Augenblick zu kommen, rationaler zu werden und die Konzentration wieder auf- bzw. den Stress abbauen zu können.“

5. Abschalten – Computer und Gehirn!

„Arbeit sollte sowieso in der Firma bleiben. Aber Probleme im Betrieb zu belassen, muss man trainieren. Je bewusster man den Moment nach Dienstschluss gestaltet, desto besser kann man abschalten“, meint Samuel Strunk und spricht sich für Rituale aus: „Man kann sich langsam und bewusst darauf konzentrieren – jetzt stemple ich mich aus! Oder man legt die Armbanduhr beim Nachhause kommen bewusst ab, schaltet das Handy auf Stumm …“

6. Wundermittel kurzer Plausch

Gerade an unangenehmen und stressigen Tagen kann eine kurze Auszeit und Reden mit einem Kollegen, einer Kollegin kleine Wunder bewirken. Am sinnvollsten sind Gespräche über alles andere als über die Arbeit – und das mit einem Menschen, von dem man weiß, dass es einem Spaß macht. Gemeinsames Lachen und gute Laune sind sehr effektive Stresskiller.

7. Gemeinsamkeitsgefühl

Zeit für gemeinsame Erlebnisse einzuplanen, kann Stress und damit ein großes Gesundheitsrisiko ebenfalls vermeiden helfen. „Nicht jedes Team möchte das in gleichem Ausmaß“, gibt Samuel Strunk zu bedenken. Ein Miteinander und eine Teamkultur mit regelmäßigen gemeinsamen Aktivitäten können allerdings das Gemeinsamkeitsgefühl fördern und damit eine starke Basis für das Wohlfühlen aller legen.

8 + 9. Wie sinnstiftend sind meine Ziele?

Das Stichwort dazu lautet „AKV“ oder auch Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen. „Wie genau sind die definiert“, fragt Samuel Strunk. „Weiß ich, was meine Ziele sind? Oder habe ich als Führungskraft die Aufgaben für meine Mitarbeiter ausreichend genau definiert?“ Je eigenständiger jemand arbeitet, umso wichtiger ist es, dass das klar ist. Gerade in dem Bereich treten häufig Probleme auf, welche die Leute frustrieren und schließlich psychisch krank machen können.
Und dann fragt man sich natürlich auch, wie wohl man sich im Job fühlt und ob die Arbeit für einen selbst gesehen Sinn macht.

10. Gut erholt bei der Arbeit

Jeder Mensch braucht im Schnitt mindestens sechs bis neun Stunden Schlaf, lautet die allgemeine Empfehlung. Dazu kommt eine gekonnt aufgeteilte Urlaubsplanung, die einen langen Block zur Erholung beinhaltet. Aber auch kurze Einheiten sind wichtig, so Samuel Strunk. Und auf keinen Fall dürfe man darauf vergessen, auch nach dem Urlaub genügend Zeit einzuplanen, um vor dem ersten Arbeitstag wieder zuhause anzukommen. Wer nach zwei Wochen Urlaub am Sonntagabend landet und am Montag wieder in die Arbeit startet, hat trotz der Auszeit schon wieder einen gehörigen Stresslevel vorprogrammiert!

In seiner Funktion als Consultat beim „Research-Team“ berät der Arbeits- und Organisationspsychologe Samuel Strunk, MSc, Unternehmen und Organisationen im arbeits- und organisationspsychologischen Bereich. Das betrifft alle Bereiche, die mit dem Faktor Mensch zu tun haben – von der Burn-out-Prophylaxe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zur kompletten Prozessberatung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Zudem ist er Referent in der WIFI-Ausbildung zur Gesundheitsvertrauensperson.

Eine Gesundheitsvertrauensperson kann kleine wie große Unternehmen wirksam darin unterstützen, Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeitenden und damit auch Engagement und Produktivität zu fördern. Interesse?

Fotos: KK, © AdobeStock / kangwan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.