Generation Digital – eine Welt junger Träumer?

Das WIFI Ausbilderforum 2020 stellt die Generation Digital ins Rampenlicht und hinterfragt auch die gängigsten Vorurteile. Impulsreferentin Barbara Apschner geht in diesem Interview einem auf den Grund. Sie ist Jugendexpertin, Familien- und Sexualpädagogin, langjährige WIFI-Trainerin für das Lehrlings Ausbildertraining, die Ausbilderakademie sowie Seminarleiterin für Ausbilder und Lehrlinge bei Unternehmen.

„Ich schau einmal, worauf ich Lust habe“. Schafft das Internet eine Traumwelt und eine Welt von jungen Träumerinnen und Träumern?

Barbara Apschner: Ich sehe das Internet weniger als Traumwelt, mehr als Quelle für eine überbordende Menge an Unterhaltung und richtiger wie falscher Information. Dieses Übermaß macht es unmöglich, einen realistischen (Über-)Blick auf die Welt zu entwickeln. So erleben vor allem junge Menschen viele Themen in extremer Form,  mit wenig Gelassenheit. Ich fürchte, sie sind dadurch mehr im Stress und weniger im Träumen.

Wie steht es um die Arbeitsmoral und die Motivation der Jugendlichen, was zeichnet den Traum-Job aus?

Apschner: Junge Leute, die materiell gut gebettet waren und sind, haben andere Werte als ihre Eltern. Sie suchen nach Sinnerfüllung und Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Wohlstand steht nicht an erster Stelle, da bei Konsum zum Teil Scham erlebt wird, wie etwa Flugscham.

Jungen Menschen mangle es an Alltagskompetenzen, sie treffen ungern Entscheidungen, wollen den Tag auf sich zukommen lassen. Sollten Eltern ihre Kinder weniger „schonen“ – Stichwort Helikoptereltern – und sie früher mit der Ernsthaftigkeiten des Lebens konfrontieren?

Apschner: Überfürsorge ist genauso schädlich für die Entwicklung eines Kindes wie Vernachlässigung. Viele Kinder werden früh in Institutionen wie Krippen und Kindergarten betreut und erleben wenig praktischen Alltag bei Haushaltsarbeiten oder beim Heimwerken. Sie erlernen stattdessen andere Fähigkeiten. Der praktische Zugang zu Aufgaben mit dem „Hausverstand“ muss oft erst gelernt werden, wenn die Jugendlichen zum ersten Mal am Arbeitsplatz stehen. Dass sie es lernen können und wollen, davon bin ich überzeugt.

Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen bei Jugendlichen oft stark auseinander. Viele sehen sich autark und lebenstüchtig, sind jedoch dem realen Leben nicht gewachsen und rasch überfordert.

Apschner: In der Pubertät ist diese falsche Selbsteinschätzung ganz normal. Leider fällt die Berufsentscheidung nach dem neunten Schuljahr oft noch in diese Phase. Junge Erwachsene können sich meist schon recht gut einschätzen. Dass ihnen Entscheidungen schwer fallen, ist sicher durch das Überangebot an Möglichkeiten zu erklären. Heute sind wir nicht mehr in der Lage, alle Varianten seriös zu prüfen, um dann eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das führt zu chronischen Zweifeln, ob die unsicher getroffene Entscheidung überhaupt die richtige ist.

Wie können Berufsbildende und Lernende beim Berufseinstieg aufeinander zugehen, von allfälligen gegenseitigen Vorurteilen ablassen?

Apschner: Erwachsene sollten über die neuen Lebensbedingungen der jungen Menschen Bescheid wissen. Dadurch wird ihre Erwartungshaltung realistisch und die Jungen bekommen eine faire Chance, zu zeigen, was in ihnen steckt.

Wovon träumt die Internetgeneration tatsächlich?

Apschner: Ich glaube, sie haben ähnliche Träume wie die Generationen vor ihnen: Ein Leben ohne große Not, gute Freunde und die Möglichkeit, ihre Kinder in einer gesunden, friedlichen Welt großzuziehen.

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Foto: Adobe stock – theartofphoto

 

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