„Als Fremdenführer heißen wir Sie herzlich willkommen!“

.Das „Gemalte Haus“, hinter dem sich der einstige „Herzoghof“ verbirgt, ist eine absolute Touristenattraktion der Grazer Innenstadt. Seit der Barockmaler Johann Mayer 1742 die Götter bei einem Stelldichein für ewig auf die Fassade gebannt hat, sind unzählige Besuchergruppen aus aller Herren Länder bewundernd davorgestanden. Dazu haben sie den Geschichten Fremdenführer und Fremdenführerinnen in Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Slowenisch, Ungarisch, Chinesisch … gelauscht.
„Wir sehen, zum Repertoire einer Fremdenführerin, eines Fremdenführers gehört mindestens eine Fremdsprache“, erläutert die neue WIFI-Lehrgangsleiterin der Ausbildung zum Fremdenführer, Sonja Piro. Wenn die studierte Kunstgeschichtlerin und Kulturwissenschaftlerin nicht am WIFI ist, arbeitet sie übrigens von einem Büro in der Herrengasse 3 aus und das befindet sich – richtig! – stilecht im gemalten Haus.

Was macht einen guten Fremdenführer aus?

„Neben dem unerlässlichen Fachwissen über Geschichte, Geografie und Kunst in Österreich und der Steiermark, braucht es ein Gespür für die Menschen und den Spirit des Landes. Und Humor! Man muss merken, dass der Fremdenführer selbst gern hier lebt. Dass er die Menschen und das Land – wenn auch nicht kritiklos – mag. Natürlich braucht man für die Prüfung zum Fremdenführer viele Zahlen und Fakten, aber es muss auch menscheln.“ – Sonja Piro spricht von einer herzlichen, ‚gastgeberischen‘ Art, mit der ein Fremdenführer empathisch auf die Besucherinnen und Besucher zugeht, wenn er gut ist. „Von Objekt zu Objekt zu führen, reicht heute nicht mehr aus. Die WIFI-Ausbildung beinhaltet daher auch Themen wie Kommunikation und Rhetorik.“ – Bereiche, die ihr als Moderationstrainerin fachlich gut liegen.

Was ist in der Ausbildung zum Fremdenführer neu?

„Ein neuer Teil wird ein Spot auf den Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen sein“, blickt Sonja Piro voraus. „Dazu werden wir verstärkt zeitaktuelle Vorkommnisse aus Politik, Sport, Kultur etc. einbauen und mehr Möglichkeiten zum Selbststudium einrichten. E-Learning wird die Ausbildung dezidiert zunehmend ergänzen. Auch den Exkursionen werden wir noch mehr Bedeutung zumessen, damit sich die angehenden Fremdenführer in der Praxis üben können.“ – In Graz zum Beispiel werden die „Must Haves“ vorgestellt: Der Gang auf den Schlossberg, um die Stadt mit ihrer einzigartigen Dächerlandschaft von oben erfassen zu können. „Wer sich für Graz interessiert, muss aber auch die Umgebung kennenlernen, sprich mindestens eine der acht steirischen Weinstraßen erlebt haben. Dazu einen Spaziergang durch den sonnigen Leechwald zur Basilika Mariatrost, dem einzigartigen Barockjuwel und der berühmtesten Marien-Wallfahrtskirche neben Mariazell. 1999 hat Papst Johannes Paul II sie zur Basilica minor ‚geadelt‘.“ – Sonja Piro ist in ihrem Element.

Was ist das Besondere an Graz und der Steiermark?

„Die Steirer sind offene, freundliche, manchmal auch etwas sture Menschen“, lacht die Expertin. „Und viele Gäste, die vielleicht Wien und Salzburg bereits kennen, sind über das südliche, italienisch-mediterrane Flair von Graz überrascht. Wir sind nicht schöner, wir sind anders. Mit all den Innenhöfen in den Gebäuden aus der Gotik und Renaissance – voll mit Beisln und kleinen Geschäften – ist die Stadt extrem sympathisch und authentisch.

Während die historischen Innenstädte vielerorts nur noch aus leeren Fassaden mit Souvenirläden für die Touristen bestehen, wohnen und arbeiten hier die Menschen in den Gebäuden. So wie ich im Gemalten Haus. Seit es 1360 das erste Mal genannt wurde – das war übrigens das Jahr, in dem der Hundertjährige Krieg zu Ende ging – wurde hier Politik gemacht. Viele Pferde und Kutschen sind in den Innenhof hinein- und herausgefahren. Wenn man den Hof rückwärts verlässt, landet man im Bermuda-Dreieck und wer weiß, ob da immer alle wieder aufgetaucht sind …

Graz lebt! Ich glaube, das ist neben den vielen Kunstschätzen, historischen Gebäuden und großartigen Events das wirklich Besondere an der Stadt. Das ist das, was ich als Grazerin, aber auch die Touristen aus aller Welt so lieben. Dieses Erlebnis wollen wir Ihnen als professionell ausgebildete Fremdenführer gerne vermitteln – herzlich willkommen in der WIFI-Ausbildung zum Fremdenführer!“

 Das ist die neue Lehrgangsleiterin:

Nach Jahren in der Reisebüro-Branche, in denen sie 37 Länder auf vier Kontinenten kennengelernt hat, hat sie sich in den folgenden 20 Jahren auf die Steiermark konzentriert und im Bereich Marketing & Sales gearbeitet. Heute ist Mag.a Sonja Piro Inhaberin der Firma Sonja Piro Marketing e.U., einer Unternehmensberatung für Tourismusmarketing, Mentaltraining sowie Moderations- und Präsentationstraining. Ihr Studium aus Kunstgeschichte und angewandter Kulturwissenschaften war Hobby, aber auch Ergänzung zu ihrem touristischen Fachwissen: Als staatlich geprüfte Fremdenführerin, Gastgeberin und „Austria Guide” gibt sie dieses gerne an Gäste – und nun auch an die Teilnehmenden der WIFI-Ausbildung zum Fremdenführer weiter.

 Sie lieben Geschichte und Kultur, das Land und die Leute, möchten den Beruf einer Fremdenführerin, eines Fremdenführers ausüben und sich im WIFI-Lehrgang auf die Prüfung dazu vorbereiten?

Fotos: © Sonja Piro_heller, © AdobeStock/Boggy

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