Barkeeper beim shaken, Einsatz von Angostura Bitter

Angostura Bitter – Ein wichtiger Bestandteil in der Bar

Angostura-Bitter ist ein sogenannter Cocktail-Bitter oder Bitterlikör und wird, wie der Name schon sagt, in erster Linie tropfenweise für verschiedene Mixgetränke und klassische Cocktails verwendet. Aber auch Desserts, Soßen und Suppen, Fleisch- und Fischgerichten kann er beigegeben werden und rundet sie geschmacklich ab. Auch zur Herstellung von Spirituosen wird er häufig als Geschmacksverstärker verwendet. Der bittere Geschmack kommt von der Enzianwurzel, der Bitterorange, dem Chinin und vielen anderen Zutaten. Der Bitterlikör hat eine schöne rotbraune Farbe und ein intensives Aroma nach den verschiedenen Kräutern, Gewürzen und Früchten.

Die Geschichte des Angostura Bitter

Erfunden wurde der Angostura Bitter von dem deutschen Arzt Johann Gottlieb Benjamin Siegert. Er war Stabsarzt in der preußischen Armee und ging 1820 als Legionär nach Venezuela. Dort kämpfte er an der Seite von Simon Bolivar im Unabhängigkeitskrieg gegen die spanischen Besatzer. Unter den Kämpfern gab es viele Tropenkrankheiten wie zum Beispiel Malaria, Typhus und Gelbfieber. Siegert beschäftigte sich aus Interesse und auch auf Wunsch Bolivars intensiv damit, eine wirksame Medizin gegen diese Krankheiten aus verschiedenen heimischen Kräutern herzustellen. Im Jahr 1824 hatte er sein hochprozentiges Kräutertonikum fertig und benannte es nach der venezolanischen Stadt Angostura, die heute Ciudad Bolivar heißt.

Später verließ Siegert die Armee und begann seine Erfindung sehr erfolgreich zu vermarkten, Angostura trat zwar nicht als Medizin, aber als Würzmittel und als Bitterlikör seinen Siegeszug fast um die ganze Welt an. Englische, deutsche und niederländische Seeleute würzten damit ihren Genever oder Gin und brachten ihn so nach Europa. Auch in die USA wurde er importiert. Selbst während der der Zeit der Prohibition, in der hier ein absolutes Alkohol- Einfuhr-und Trinkverbot bestand, durfte der Angostura Bitter ins Land gebracht und getrunken werden, weil er damals als Arzneimittel galt. Nachdem Johann Gottlieb Siegert 1870 gestorben war und seine Söhne die Firma übernahmen, wanderten sie auf die Insel Trinidad aus und errichteten in der Inselhauptstadt Port au Spain ihr neues Unternehmen. Grund dafür waren die politischen Unruhen, die Venezuela zu dieser Zeit immer wieder erschütterten.

Auch heute noch ist Trinidad der Sitz der Firma, die den original Angostura Aromatic Bitters nach Siegerts Rezept herstellt. Mittlerweile gibt es aber auch noch viele andere Hersteller von Angostura Bitter. Die Inhaltsstoffe können von Hersteller zu Hersteller durchaus etwas variieren.

Was ist drin im Angostura Bitter?

So genau kennt man die einzelnen Zutaten nicht, jeder Hersteller hat da seine eigene und geheime Rezeptur. Auf alle Fälle sind, wie schon erwähnt, Enzianwurzel, Bitterorange und Chinin dabei, oft auch Angelikawurzel, Galgant, Gewürznelke, Kardamom, Zimt, Muskatblüte und Zitronenschale. In manchen Angostura-Rezepturen sind an die 50 unterschiedliche Gewürze und Kräuter enthalten. Eines davon ist die Rinde des Angosturabaumes, der in Südamerika wächst und zu den Seifenbaumgewächsen gehört. Sie enthält sehr viele Bitterstoffe und soll eine ähnliche Wirkung wie die Chinarinde haben. Im Originalrezept von Siegert kommt sie allerdings nicht vor, andere Firmen benutzen sie. Ein unverzichtbarer Bestandteil des Angostura Bitter ist dagegen Alkohol. Mindestens 44,7 Volumenprozent Alkohol muss er mindestens haben. Es gibt aber auch Marken mit 48 Prozent.

ein zubereiteter Cocktail, Einsatz von Angostura Bitter
Bei einem Cocktail sollte nicht nur der Geschmack, sondern auch das Aussehen begeistern.

Angostura Bitter als Bestandteil berühmter Cocktails

Es waren die Barmänner und Barfrauen berühmter Hotels wie zum Beispiel das „Savoy“ in London, das „Ritz“ in Paris und das „Adlon“ in Berlin, die zuerst edle Cocktails kreierten, die mit einem Schuss (englisch Dash) Angostura Bitter ihren unverwechselbaren Geschmack erhielten. Hier ein paar dieser Cocktails und ihre Original-Zutaten:

„Old Fashioned“

  • Angostura Bitter
  • Bourbon Whisky
  • Soda
  • Würfelzucker
  • Orangenschale
  • Eiswürfel
  • Cocktailkirschen

„Manhattan“

  • Angostura Bitter
  • Bourbon Whisky
  • Wermut
  • Crushed Eis
  • Cocktailkirsche

„Mojito“

  • Angostura Bitter
  • Rum
  • frische Minzblätter
  • ​​​​​​Limonensaft
  • Zuckersirup
  • Apfelsaft
  • Ingwerbier
  • Eiswürfel.

„Champagner-Cocktail“

  • ​​​​​​​​​​​​​​Angostura Bitter
  • Würfelzucker
  • Champagner
  • Zitronenscheibe

„Trinidad Sour“

  • Angostura Bitters
  • Mandelsirup
  • Bourbon Whisky
  • Zitronensaft

​​“Angostura Colada“

  • Angostura Bitters
  • Jamaica Rum
  • Ananassaft
  • Kokosmilch
  • Limettensaft

Aber nicht nur für Cocktails eignet sich der Angostura Bitter sehr gut. Ein paar Spritzer passen auch perfekt zur Cola, zu Orangensaft, Kirschsaft oder in einen Tee.

Barkeeper beim Cocktail mixen, Einsatz von Angostura Bitter
Ein Barkeeper ist ein Künstler hinter der Bar.

Angostura Bitter in der gehobenen Küche

Es gibt nicht nur tolle Drinks, die mit einem Schuss Angostura Bitter verfeinert werden, auch für Nachspeisen, Eiskreationen und sogar für Suppen und Soßen kann er zum Highlight werden. So runden zum Beispiel ein Paar Spritzer des Bitterlikörs Gemüseeintöpfe und Ofengemüse geschmacklich wunderbar ab und geben einem Chilli con Carne das gewisse Etwas. Sehr lecker ist ein Schuss Angostura Bitter in einem Pesto aus getrockneten Tomaten oder in einer Mayonaise. Sehr gut schmeckt auch ein Frenchtoast mit Ahornsirup und ein paar Spritzern Angostura Bitter. Die Mischung aus Butter, Süße und Bitterkeit kitzelt die Geschmacksnerven.

Sehr gut passt Angostura Bitter auch zu Eiergerichten, zu Fischgerichten und zu sahnigen cremigen Soßen. Man kann auch beim Grillen etwas Angostura in die Glut spritzen, der rauchige Geschmack zieht dann ins Grillgut ein. Sehr lecker werden auch Obstsalate, Bratäpfel, Cremes, Obstkuchen, Plätzchen und Weihnachtsgebäck mit einem Hauch Angostura. Wichtig ist dabei nur, dass wirklich sparsam dosiert wird und tatsächlich nur ein paar Spritzer des wirklich recht bitteren Likörs verwendet werden.

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