• 2. Dezember 2021 22:38

Ohne professionelles Einkaufsmanagement fahren Unternehmen hohes Risiko

„Please don’t ask about the price, I can fight for you about the volume!“ – Dieser Satz eines Lieferanten zeigt, wie angespannt sich die Beschaffungssituation in vielen Bereichen darstellt. Zu der aktuell enormen Marktnachfrage und damit einhergehenden Komponentenknappheit steigen die Material- und Logistikkosten exorbitant. Die Luft-Logistik ist fast total zusammengebrochen oder nur in Ausnahmefällen leistbar.„Eine Preiserhöhung um den Faktor acht in der Luft- und Seefracht ist daher keine Seltenheit. Sogar der Lkw-Transport ist überlastet“, erklärt DI (FH) Gerhard Orthaber. „Überzahlungen zur Bevorzugung in der Materialversorgung sind in der Logistik bereits seit langem gang und gäbe. Sonst kommt die Ware, die bereits vor einem halben Jahr bestellt wurde, nicht rechtzeitig an. Und man muss die Nase auch immer noch vor dem Mitbewerb haben …“

Der Einkauf sieht sich einer Situation gegenüber, wie es sie bisher noch nie gab.

Macht die Logistik weltweit schlapp …

Der WIFI-Lehrgangsleiter, der den Einkauf beim Weltmarktführer von elektronischen Preisschildern SES-imagotag managt, kennt die Herausforderungen genau: „Die Supply Chains sind oft wackelig, nicht nur in unserer Elektronikbranche. Es gibt weltweit eine extreme Unterversorgung mit Rohstoffen. Als Einkaufsmanager muss man oft um die benötigten Produkte kämpfen. Das Einkaufsmanagement ist zurzeit mehr als herausfordernd.“ Das Ergebnis: Produktionsausfälle in den Betrieben und eben Aufzahlungspauschalen in der Logistik. Erfolgreich ist, wer ausreichend Ware organisieren kann.

… braucht es professionelles Einkaufsmanagement umso mehr!

Eine Folge davon: Die Preise im Einkauf steigen. Ohne die Übersicht durch ein zentrales Einkaufsmanagement laufen Unternehmen Gefahr, plötzlich mit Rohstoffmangel und/oder extremen finanziellen Herausforderungen konfrontiert zu sein. „Dieses Risiko lässt sich nur durch (interkulturelle) Relationship-Maintenance mit den Lieferanten, neue Verhandlungstechniken, rechtlich geschärfte Verträge und eine organisierte, intensive Abstimmung mit Sales in den Griff bekommen“, ist Gerhard Orthaber überzeugt. Der professionelle Informationstransfer und das im Diplomlehrgang Einkaufsmanagement entstehende Netzwerk unter den Teilnehmenden kann sich für ein Unternehmen also sehr schnell als sehr wichtig erweisen.


DI (FH) Gerhard Orthaber ist Head of Strategic Purchasing by SES-imagotag, dem Weltmarktführer für elektronische Preisschilder in Fernitz, und WIFI-Lehrgangsleiter des Lehrgangs Einkauf und des Diplomlehrgangs Einkaufsmanagement. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im internationalen Einkauf und bestätigt:

„Wir sehen uns weltweiten Lieferschwierigkeiten und steigenden Preisen gegenüber, die Risikobetrachtung ist daher noch stärker in den Fokus gerückt – was ist, wenn Preis und Lieferzusagen nicht eingehalten werden können und Pönalforderungen vonseiten des Kunden drohen? Ein zentrales Einkaufsmanagement kann diese Risiken abfedern! Die Frage ist daher nicht: Was kostet ein gut ausgebildetes Einkaufsmanagement? Sie lautet vielmehr: Was kostet es, keins zu haben?“

Europa wird wieder attraktiv

 Zwar wird die Globalisierung durch die zunehmende Digitalisierung eher stärker als schwächer. Für die Einkäuferin, den Einkäufer bedeutet das auch eine Zunahme an interkulturellem Beziehungsmanagement. Das Verhältnis mit dem Lieferanten muss schon stimmig sein, wenn man auch in Krisenzeiten auf ihn zählen will. Da die Preise weltweit steigen, werden in einzelnen Bereichen aber auch Lieferanten aus Europa wieder attraktiv. „Auch das ist ein spannender Weg“, so DI (FH) Orthaber. „Das weitsichtige Einkaufsmanagement wird sich auch diesbezüglich informieren und immer wieder neu orientieren.“

Einkaufsmanager sind gefragt

„Ohne zentrales Einkaufsmanagement ist ein profitabler Unternehmenserfolg nur noch schwer machbar“, analysiert der Profi. Bei einem dezentral organisierten Einkauf bestünde die große Gefahr, dass die instabilen Faktoren aus dem Ruder laufen. „Es gibt aktuell keinen Rohstoff, der nicht teurer geworden ist. Oft sind das kleine Summen – ohne Überblick können sich die Einzelteile aber schnell zu sensationellen Summen addieren.“ Gerhard Orthaber leitet daraus auch eine vermehrte Nachfrage nach ausgebildeten Einkaufsmanagern ab: „Meiner bisherigen Erfahrung nach gibt es nicht viele Betriebe, die im Moment Personal einstellen. Wenn etwas gefragt ist, dann sind das jedoch Einkaufsmanagerinnen und -manager! Das Risiko ohne zentrale Übersicht im Einkauf ist vielen Unternehmen derzeit einfach doch zu groß.“

 Der Diplomlehrgang für Einkaufsleiterinnen und Einkaufsleiter aktualisiert und vertieft Fachwissen und persönliche Management Skills – und das sehr praxisnah. Damit können Sie die ständig wachsenden Herausforderungen im strategischen Beschaffungsmanagement erfolgreich bewältigen.

Foto: WIFI Steiermark, ©AdobeStock / Jirapong