• 6. August 2021 0:04

Kinderturnen: Wie man Kinder zu mehr Bewegung motiviert

Schon vor Home Schooling und Distance Learning warnten Experten: Unsere Kinder bewegen sich immer weniger. Und das hat weitreichende Folgen, denn die Basis für die Gesundheit als Erwachsener wird in der Kindheit gelegt. Als diplomierter Kindergesundheitstrainer ist es daher oberste Prämisse, Freude an der Bewegung zu vermitteln. Aber auch im Familienalltag ist spielerische Bewegung immer möglich.

10 Stunden und mehr – das ist die traurige Anzahl an täglichen Stunden, die 10- bis 14jährige Kinder heute im Durchschnitt vor diversen Bildschirmen verbringen. Meistens natürlich sitzend und bewegungsarm. Es ist eine Entwicklung, die bei Sportwissenschaftlern wie Mag. Sabrina Klopf Besorgnis hervorruft. Sie ist seit 30 Jahren Fitnesstrainerin und zudem Leiterin des Lehrgangs zum „Diplomierten Kindergesundheitstrainer“ am WIFI Steiermark. „Ich habe in den letzten zehn Jahren schon deutliche Veränderungen beim Kinderturnen bemerkt. Es fehlt vielen Kindern an Kraft und Koordination. Sie wissen nicht, wie sie sich bewegen sollen und sie sind sich nicht bewusst, was sie überhaupt alles können. Dabei ist der Mensch schon immer ein „Bewegungstier“ gewesen – die Bewegung liegt in unseren Genen“, sagt Sabrina Klopf.

Doch wie motiviert man Kinder heutzutage zu mehr Bewegung? Für Sabrina Klopf gibt es zwei eindeutige Schlüssel zum Erfolg: Das Vermitteln von Freude an der Bewegung und die Vorbildfunktion der Erwachsenen.

WIFI Steiermark Kinderturnen Freude an Bewegung mit Sabrina Klopf
Mag. Sabrina Klopf ist sich sicher: Kinder sollen Freude an Bewegung haben. Im Kinderturnen lässt sich der Spaß daran spielerisch erleben.

 

Gesundes Kind – gesunder Erwachsener

Gerne machen Eltern, aber auch so mancher Trainer die Gesundheit eines Kindes an seinem Gewicht fest. Doch das ist ein Trugschluss, sagt Sabrina Klopf: „Das Gewicht ist bezogen auf die Gesundheit nur ein minimales Kriterium. Schlanke Kinder – und schlanke Erwachsene – können körperlich trotz Idealgewicht ganz schlecht beieinander sein. Das Gewicht allein ist also kein Maßstab. Vielmehr geht es um die Gesamt-Gesundheit, um unsere Routinen, unsere Freizeitgestaltung, etc., die unsere spätere gesundheitliche Situation maßgeblich beeinflussen. Als Kind baut man sich sein Kapital auf, von dem man im Alter zehrt. Das, was man als Kind tut, bleibt einem also auch als Erwachsener.“

Das heißt: Wird der Grundstein für Bewegung und der Spaß daran nicht schon in der Kindheit gelegt, so lassen sich diese Gewohnheiten später nur sehr schwer etablieren. Dabei muss die Bewegung im Alltag nicht unbedingt aufwändig gestaltet sein, wie Frau Klopf bekräftigt: „Es ist grundsätzlich ganz egal, wie sich Kinder bewegen – Hauptsache, sie tun es. Sie können Spazieren, Laufen, Balancieren, Radfahren, Ballspielen… aber auch Mithilfe im Haushalt, zu Fuß einkaufen gehen oder Aufräumen ist alltägliche Bewegung. Das muss man eben individuell an die Lebenssituation anpassen. Als Faustregel kann man sagen, dass sich ein Kind 1 bis 2 Stunden am Tag wirklich bewegen und wenigstens einmal richtig verschwitzt sein sollte.“

 

Ein Vorbild sein – auch in Sachen Bewegung

Essenziell dafür ist, wie in so vielen Situationen, auch die Motivation und Vorbild-Wirkung der Erwachsenen. Wer sich selbst wenig bewegt, hat es nachweislich schwerer, Kinder dafür zu begeistern. „Ich zitiere da gerne den Spruch: ‚Wozu Kinder erziehen, sie machen uns ja doch alles nach?!‘. Das bewährteste Mittel in Sachen Bewegung ist die Vorbildwirkung. Rausgehen, sich bewegen und vor allem gemeinsam etwas unternehmen, das motiviert Kinder und Erwachsene gleichermaßen,“ ist sich Sabrina Klopf sicher. Dabei geht es nicht ausschließlich um Sport, sondern um die Bewegung im Alltag, die uns sonst fehlt. Nicht jede Strecke mit dem Auto fahren, nicht jedes Mal den Lift nehmen, auch einmal bei schlechtem Wetter rausgehen – es sind kleine Veränderungen, die aber viel bewirken können und Bewegung spielerisch in den Alltag integrieren.

„Bewegung kann und soll Freude bereiten. Alles, was man machen MUSS, macht man einfach nicht so gern. Wenn man aber das gemeinsame Aufräumen z.B. mit Musik und Tanz verbindet oder einen Wettlauf zum Supermarkt macht, dann macht Bewegung ganz ohne Druck Spaß,“ sagt Sabrina Klopf.

 

Freude an Bewegung im Kinderturnen

Spaß an der Bewegung sollte im besten Fall natürlich auch ein angehender Kindergesundheitstrainer mitbringen. Kinderturnen an sich ist eine hervorragende Gelegenheit für Kinder, um sich selbst auszuprobieren, neue Bewegungen kennenzulernen und ohne Leistungsgedanke Sport zu treiben. „Begeisterung für Sport und Begeisterung für Kinder, das sind die Zutaten für einen erfolgreichen Kindergesundheitstrainer,“ sagt Sabrina Klopf, „Und er sollte in der Lage sein, ein entsprechendes Umfeld zu schaffen, in dem sich Kinder bewegen dürfen, wie sie wollen. Den meisten fällt dann ohnehin von selbst etwas ein, wenn man sie lässt, die anderen kann man spielerisch dazu anleiten.“

Die Möglichkeiten, Kinder im Kinderturnen In- wie Outdoor herauszufordern, sind dabei endlos. Vom klassischen Fangen spielen über Ballwurf-Variationen, Parcours-Lauf, Sprung-Übungen bis zum Klettern auf der Sprossenwand ist alles möglich. Natürlich kann nicht jedes Kind jede Aktivität gleich gut ausführen, doch: „Es ist eine Freude, wenn ein Kind, das sich vorher etwas nicht getraut hat, plötzlich etwas Neues kann und damit gar nicht mehr aufhören will!“, sagt Sabrina Klopf.

Die Ausbildung zum Kindergesundheitstrainer am WIFI Steiermark ist eine Ergänzung für all jene, die an Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert sind. Sie leisten einen wertvollen Beitrag dazu, Freude an Bewegung wieder mehr im Bewusstsein von Kindern und Erwachsenen zu verankern und ihnen damit zu einem gesünderen, ausgeglicheneren Leben zu verhelfen.

 

Wollen auch Sie Kindern zu mehr Bewegung und Gesundheit verhelfen?

Foto: AdobeStock / Dasha Petrenko