• 19. September 2021 1:07

Wie leitet man als Moderator eine erfolgreiche Diskussion?

Posiumsdiskussion

„Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern Gewinn!“ – Das sagte schon der französische Moralist Joseph Joubert. Damit am Ende einer Diskussion auch wirklich alle Teilnehmer mit dem gleichen Informationsgewinn herausgehen, empfiehlt sich der Einsatz eines Moderators. Doch wie leitet man als Moderator eine Diskussion?

Moderatoren in Diskussionen haben eine vermittelnde, leitende und zielführende Position inne. Genau genommen leitet ein Moderator nicht die Diskussion an sich, sondern die Teilnehmer. Er steuert ihre Gespräche und die zwischenmenschliche Kommunikation, sorgt dafür, dass ein gewisser Ablauf eingehalten wird und gibt das Ziel der Diskussion vor. Eine umfassende und manchmal auch schwierige Aufgabe – schließlich haben es Diskussionen so an sich, dass auch unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. Was braucht es also, um erfolgreich eine Diskussion zu leiten?

„Als Moderator muss man zuallererst Kommunikationstechniken aus dem Effeff beherrschen. Man muss in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen, aber auch aktiv zuhören, sowohl aus der Sach- als auch auf der Gefühlsebene. Ein Moderator muss Feedback geben, Grenzen setzen, Gespräche steuern. Und vor allem muss er eine neutrale Position einnehmen“, sagt Dr. Marianne Eber, Psychologin, Psychotherapeutin, Trainerin für Kommunikation und Persönlichkeit und Lehrbeauftragte für das Seminar „Moderation“ am WIFI Steiermark. Denn: So kompliziert es auch klingt, professionelle Moderation lässt sich lernen.

Moderatoren als Diskussionslenker

Das Ziel einer Moderation ist immer, Kommunikationsprozesse in einer Gruppe so zu gestalten, dass sich die Teilnehmer gehört und verstanden fühlen und gemeinsam ein Ziel erreichen. Dieses Ziel gibt der Moderator gleich zu Beginn bekannt und arbeitet dann mit den Teilnehmern darauf hin. Dabei ist es seine Aufgabe, die Gruppendynamik ständig im Blick zu behalten und entsprechend zu reagieren, wenn die Diskussion aus dem Ruder läuft. Etwa, wenn der Fokus auf das Ziel verloren geht oder wenn sich Konflikte zwischen verschiedenen Parteien anbahnen.

„Gleich zu Beginn ist die Hauptaufgabe eines Moderators, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Nachdem er die ‚Spielregeln‘ der Diskussion bekanntgeben hat, lässt er die Gruppe Themen sammeln, die sie dann bearbeitet und auf Flip-Charts, Pinnwänden oder ähnlichem visualisiert. Während dieses gesamten Prozesses muss der Moderator seine Kommunikationstechniken anwenden – also Fragen stellen, Meinungen und Emotionen reflektieren, zuhören. Einerseits stellt er damit sicher, dass das Ziel klar bleibt. Andererseits fungiert er als Guide, der die Diskussion lenkt“, erklärt Marianne Eder. Dabei ist es besonders wichtig, dass der Moderator neutral bleibt, sprich inhaltlich außen vor bleibt. Das kann mitunter schwierig sein, schließlich ist auch der Moderator ein Mensch mit Meinungen und Gefühlen. In diesem Fall sollte er sich mehr auf Fragetechniken konzentrieren, um das Gespräch voranzubringen.

„Grundsätzlich muss ein Moderator aber nicht in dem Thema bewandert sein, das diskutiert wird,“ bekräftigt Marianne Eder.

Konflikte erkennen und lösen

Was aber, wenn es zwischen den Diskussionsteilnehmern zu Meinungsverschiedenheiten oder gar Streit kommt? „Im Normalfall lässt es der Moderator gar nicht so weit kommen“, sagt Marianne Eder, „Dadurch, dass er die Gespräche laufend beobachtet, kann er sich anbahnende Konflikte recht schnell erkennen. Doch natürlich können einmal die Gefühle mit einem durchgehen. Dann ist es die Aufgabe des Moderators, alle Diskussionsteilnehmer gleichermaßen zu hören und ihnen das Gefühl zu geben, dass ihre Meinung zählt.“

Das kann er durch Reflexion erreichen („Herr Mayer, ich höre bei Ihnen heraus, dass Sie…“) oder indem er ganz konkret versucht herauszufinden, welche eigentlichen Gefühle und Ansichten hinter den Aussagen stehen („Worin besteht Ihrer Meinung nach das Problem?“). Im Zweifelsfall kann und sollte ein Moderator aber auch ganz klare Grenzen setzen, wenn etwas nicht funktioniert – etwa, wenn ein Teilnehmer andere ständig unterbricht oder provoziert. Wichtig ist, dass am Ende alle Gruppenmitglieder mit einem zufriedenstellenden Ergebnis, einem Ausblick und/oder Maßnahmenkatalog und einem guten Gefühl aus der Diskussion herausgehen. Auch das ist Teil des Moderationsspektrums.

Moderatoren werden oft gebraucht

Moderation ist also durchaus keine leichte Aufgabe. Und dennoch wird sie häufig als Zusatzqualifikation benötigt – und das nicht nur im Berufsleben, wie Marianne Eder erzählt: „Unsere Teilnehmer des Seminars „Moderation“ sind vor allem Menschen in Führungspositionen, die Moderationstätigkeiten übernehmen wollen. Manche sind gerade erst befördert worden und zum ersten Mal Teamleader oder Projektmanager. Aber auch Privatpersonen nehmen am Seminar teil – zum Beispiel Vereinsmitglieder, die regelmäßig Treffen ihres Vereins leiten und moderieren wollen. Moderation ist so gesehen branchenunabhängig. Wir haben Menschen aus der Industrie genauso im Seminar wie aus Sozialberufen oder solche, die es einfach privat interessiert“.

Moderation ist also für viele Berufs- und Interessensgruppen wichtig und nützlich – denn Erkenntnisgewinn ist nicht auf einzelne Branchen beschränkt. Das Seminar „Moderation“ am WIFI Steiermark kann also eine wertvolle Ergänzung für eine fruchtbare Diskussionskultur in Unternehmen und Freizeit sein. Denn es zählt nicht allein das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin.

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Foto: Adobe Stock / Jacob Lund