• 5. Dezember 2021 12:35

Die Führungsetage wird weiblich: Wie setzt man sich als Chefin durch?

Als Chefin hat man es in einer Führungsposition oft nicht leicht. Und das liegt selten an den eigenen Kompetenzen, sondern vielmehr an starren, meist männlich geprägten Strukturen. Wie setzt man sich als Frau trotzdem durch und was macht „female leadership“ so besonders? Das erfahren interessierte weibliche Führungskräfte an der WIFI Sommerakademie.

Eine Chefin „über sich“ zu haben, das ist in der heutigen Arbeitswelt keine Seltenheit mehr. Mehr denn je nehmen Frauen Führungspositionen in Unternehmen ein. Und das bringt nicht selten Veränderungen mit sich. Denn Frauen führen anders – im Privaten wie auch im Beruf. „Frauen sind sehr kommunikativ. Sie mögen es, wenn es harmonischer im Team zugeht, und denken weniger an Konkurrenz und schnelle Karriere. Das unterscheidet sie wesentlich von ihren männlichen Kollegen“, sagt Andrea Maurer. Sie ist Expertin für Diversity, Führung & Kommunikation und darüber hinaus Lehrbeauftragte an der WIFI Sommerakademie. Sie unterstützt UnternehmerInnen, ChefInnen und ManagerInnen dabei, ihre Führungspersönlichkeit voll zu entfalten und einzusetzen. In ihrem Seminar „Chefin sein“ erfahren interessierte weibliche Führungskräfte und die, die es werden wollen, alles darüber, wie sie den Herausforderungen des „female leadership“ begegnen können.

Was ist „female leadership“?

„Female leadership“ bezeichnet eine andere Art des Führungsstils, die hauptsächlich auf Kommunikation und Teamgeist fußt. Anders als männliche Führungskräfte, die sich gerne mit anderen messen und in Konkurrenz treten, sind Frauen bekannt dafür, Entscheidungen im und für das Team zu treffen. „Frauen wollen gemeinsam etwas voranbringen, während Männer eher im Alleingang entscheiden. Das kann von Vorteil sein, um Netzwerke effektiver zu nutzen, die sie in ihrer Karriere voranbringen. Frauen hingegen schauen sich gerne mehrere Perspektiven an, um eine bessere Entscheidung zu treffen, und binden andere mehr in den Prozess ein“, erklärt Andrea Maurer. Auch die Kommunikationsart unterscheidet sich wesentlich: Während Männer sehr direkt und weniger kommunizieren, sind Frauen in ihren sprachlichen Details komplexer, vielschichtiger und manchmal auch zurückhaltender.

Chefin sein und Herausforderungen meisten

„Zurückhaltend“ ist ein Stichwort, das Frauen in der Arbeitswelt leider noch viel zu häufig beschreibt, wie auch Andrea Maurer weiß: „Das ist eine der größten Herausforderungen von Frauen, die in eine Führungsebene aufsteigen: Sie zweifeln viel zu häufig an sich selbst. Und das liegt selten an ihren eigenen Kompetenzen.“

Das Problem: Traditionell und überwiegend herrschen in der Führung in Unternehmen und Organisationen immer noch männliche Strukturen vor. Als Chefin steht man in diesen Führungsetagen oft im Fokus, viel mehr als die männlichen Kollegen. Ihre gesamte Performance, ihr Stil und sogar ihr Aussehen werden bewertet und kritisch betrachtet. Dieses „Spotlight“, in dem sie dann plötzlich stehen, wollen viele auch gut ausgebildete Frauen nicht. Jene Frauen, die es doch wagen, müssen sehr viel Durchsetzungsvermögen beweisen, um nicht überflügelt zu werden – und gelten dann schnell als „zickig“ und „unsympathisch“, auch wenn sie einfach nur ehrgeizig sind.

„Oft sind es auch nur kleine Gesten oder Körperhaltungen, die Frauen verunsichern und entmachten – Stichwort ,Sofa-Gate‘. Frauen übergehen diese Situationen meistens und sagen nichts weiter dazu. Doch diese Kleinigkeiten zu erkennen und zu bewältigen, das ist das Ziel meines Seminars“, sagt Andrea Maurer.

Als weibliche Führungskraft souverän in Führung gehen

Männliche Muster und Verhaltensweisen zu identifizieren und damit umzugehen ist aber nur ein Teil des zweitägigen Seminars „Chefin sein“. „Mein Anliegen ist es auch, weibliche Führungskräfte in ihrem Verhalten und Denken zu stärken und zu festigen, damit sie entspannter in die Arbeitswelt zurückkehren können“, sagt Andrea Maurer. Viel mehr als Männer müssen viele Frauen erst lernen, ihren Führungsanspruch auch wirklich anzunehmen. Steht ihnen zum Beispiel als Führungskraft ein größeres Büro zu, dann dürfen sie das auch verlangen. Diese Herausforderungen, Probleme, aber auch Chancen ziehen sich durch alle Branchen – so ist es nicht verwunderlich, dass auch die Teilnehmerinnen des Seminars bunt gemischt sind.

„Insbesondere gefällt es mir, welche Dynamiken sich im Seminar entwickeln“, erzählt Maurer, „die Teilnehmenden sind ausschließlich weiblich und können sich in diesem Umfeld leichter öffnen, netzwerken und ihre Erfolgsgeschichten teilen, um Mut zu machen.“

Es geht aber nicht nur darum, sich in vorherrschenden männlichen Strukturen als Chefin durchzusetzen. Auf lange Sicht gesehen, wird weibliche Führungskompetenz mehr denn je gefragt sein. Davon ist auch Andrea Maurer überzeugt: „Das heutige selbstbestimmte Arbeiten in der digitalen Welt oder im Home-Office erfordert ein anderes Arbeiten als das traditionell männlich geprägte. Mehr und mehr sind Coaching-Kompetenzen gefragt, und die sind bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.“

Das oberste Ziel ist natürlich die Auflösung der männlich dominierten Strukturen und die Schaffung einer Arbeitswelt, in der sich jeder Mensch geschlechtsunabhängig entfalten kann. Bis dahin muss sich zwar noch einiges tun – doch „female leadership“ ist definitiv bereits in den Führungsetagen angekommen.

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Fotos: Adobe Stock – fizkes