• 19. September 2021 0:31

Schön und gesund zu Fuß – ist Ihre Fußpflegerin auch unentbehrlich?

Wellness, Wohlbefinden und Ästhetik vom Kopf bis zu den Zehen sind gefragt wie nie zuvor. Was das für die Fußpflege bedeutet? – Sie boomt.

Gleichzeitig leiden nach einer Schätzung des österreichischen Sozialministeriums an die 800.000 Menschen in Österreich an einer Diabetes-Erkrankung. Wie man weiß, geht Diabetes mellitus Typ 2 häufig mit schlechter Wundheilung, vor allem an den Füßen, einher. Viele Fußpfleger und Fußpflegerinnen absolvieren daher auch die Sonderausbildung „Diabetischer Fuß“ am WIFI Steiermark (in Zusammenarbeit mit der Med. Univ.-Klinik Graz).

Wie merkt man, dass die Fußpflegerin ein Profi ist?

„Der Raum ist hell und sauber, die Fußpflegerin ist entsprechend gekleidet und trägt Handschuhe, die Instrumente sind sterilisiert …“ –  Die steirische Landesinnungsmeisterin für Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure, Margit Hubner, bildet nicht nur Lehrlinge in den eigenen Betrieben aus. Sie unterrichtet Fußpflege auch am zweiten Bildungsweg am WIFI Steiermark. Gut 400 Fußpflegerinnen und einige Herren sind hier bereits erfolgreich „durch ihre Hände“ gegangen.

Was kostet eine Fußpflege im Schnitt?

„Je nach Umgebung zwischen 35 und zirka 60 Euro“, erklärt Margit Hubner. Mit „Umgebung“ meint sie, ob die Behandlung in einem Fußpflegestudio oder in einem Luxushotel stattfindet. Wer meint, dass dies teuer ist, möge bedenken, was alles im Preis integriert ist: Sämtliche Zahlungen für das Studio, die Sozialversicherung, die Steuer, alle Produkte, die Hygiene – und leben muss die Fußpflegerin schließlich auch. „Wer fleißig ist, kann dies auch ganz gut. Sowohl selbstständig – mit eigenem Studio oder mobil – als auch als Angestellte“, weiß Margit Hubner. Sie empfiehlt dennoch ein zweites Standbein. Das kann eine Ausbildung zur Friseurin oder auch zur Kosmetikerin oder Masseurin sein. All das ist am WIFI auch im zweiten Bildungsweg machbar.

Glückliche Füße – wer nutzt die Fußpflege?

„Jede und jeder“, schmunzelt die Leiterin des WIFI-Lehrgangs Fußpflege. „Alt, jung, Mann, Frau, aus ästhetischen Gründen oder weil etwas schmerzt.“ Die Haut, oft trocken, schuppig, rauh und rissig, wird gepflegt. Die Nägel werden geschnitten – immer gerade und nur an den Ecken leicht rund, damit nichts einwächst – und auf Wunsch lackiert oder sogar mit einem Muster versehen. Ist ein Nagel dünn, brüchig, eingerissen, verfärbt oder anders beeinträchtigt, kommen die erlernten Spezialtechniken zum Einsatz. Da werden dann Spangen gesetzt, eine Orthese angefertigt oder die Prothetik bemüht. Nicht umsonst ist der WIFI-Lehrplan für die angehenden Fußpflegerinnen so umfangreich und reicht von fundierter Anatomie bis zur Kräuterkunde. Rosmarin wirkt anregend, Eukalyptus erfrischend und Lavendel beruhigend …

„Was viele nicht wissen: Zur Fußpfleger-Ausbildung gehört auch die Maniküre. Fußpflegerinnen können auch die Hände und Fingernägel behandeln.“ – Margit Hubner

„Unglückliche“ Füße – Hilfe, ein Nagelpilz!

„Der Nagelpilz ist eine infektiöse Erkrankung und gehört dermatologisch behandelt.“ Da kennt Margit Hubner keinen Kompromiss – Fußpflegerinnen arbeiten hauptsächlich prophylaktisch, also vorbeugend, um die Gesundheit zu erhalten. Einen (vermuteten) Nagelpilz schickt man daher zum Arzt. Aufgrund der hohen Hygienestandards in den professionellen Studios bekommt man aber natürlich auch mit Nagelpilz eine Fußpflege. Für die Anwendung von außen empfiehlt Hubner zusätzlich ätherische Öle wie Lavendel-, Teebaum- oder Zitronenöl.

Autsch, ein Läufernagel!

Bei Läufern oder auch Wanderern nicht unbekannt, sind Blasen. Die gibt es ja nicht nur an den Füßen. Durch den Druck beim Bergablaufen kann sich auch unter dem Nagel ein Bluterguss oder gar ein Hühnerauge bilden. Wenn der sich dann ablöst und der Nagel ganz abgeschnitten werden muss, kommt wieder die bereits erwähnte Nagelprothetik als Ersatz zum Einsatz. „Ist die Haut und alles jedoch mit den richtigen Mitteln vorbehandelt, sinkt das Risiko“, erklärt Hubner. Bei „Stinkefüßen“ empfiehlt sie übrigens Gerbsäure, Enzianwurzel, Eichenrinde oder Hamamelis.

Margit Hubner ist steirische Landesinnungsmeisterin für Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure, WIFI-Lehrgangsleiterin für den Diplomlehrgang Fußpflege und Inhaberin der zwei Studios für Kosmetik, Fußpflege, Massage und Nageldesign in Gröbming und in Haus im Ennstal.

Sonderausbildung „Diabetischer Fuß“

Vor allem Diabetes mellitus Typ 2 geht häufig mit einer Neuropathie (Nervenstörung) einher. Das heißt, die Betroffenen spüren Verletzungen an ihren Füßen zu spät oder gar nicht und reagieren deshalb auch nicht darauf. Das kann vor allem bei älteren Menschen, die ihre Füße selbst oft schlecht kontrollieren können, schwerwiegende Folgen bis zur Amputation haben.

Das WIFI Steiermark bietet daher in Zusammenarbeit mit der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure und der Med. Univ.-Klinik Graz die Zusatzausbildung „Diabetischer Fuß” für selbständige Fußpflegerinnen und Fußpfleger an. Ziel dieser österreichweit einzigartigen Ausbildung ist es, für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker eine kontinuierliche fachkundige Behandlung bezüglich der Problematik diabetischer Füße ergänzend zur medizinischen Betreuung in den Krankenhäusern zu gewährleisten.

Der Markt für Fußpfleger – mit und ohne Spezialausbildung Diabetischer Fuß – boomt. Für immer mehr Menschen ist ihre Fußpflegerin unentbehrlich. Sie wollen auch professionell in die Branche einsteigen?

Fotos: ©Landesinnung Fußpflege, Kosmetik, Massage WK Stmk., AdobeStock / New Africa