• 25. Oktober 2021 21:09

Was ist ein Digestif?

Digestif

In vielen Restaurants und Gasthäusern bekommt man nach der Mahlzeit einen „Digestif“ oder auch Verdauungsschnapserl angeboten. Die Palette reicht von Likören über Spirituosen bis hin zu Kräuterbittern. Meistens aus einem kleinen Glas, dem „Stamperl“ getrunken, erhoffen sich viele von einem Digestif positive Effekte. Hinter diesem kleinen Gläschen steckt jedoch eine lange Geschichte und ein ganz besonderes Anwendungsgebiet. Im Folgenden klären wir, was es mit dem Digestif auf sich hat und woher der Begriff für das Getränk stammt.

Was zeichnet einen Digestif aus?

Das Wort Digestif kommt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt „verdauungsfördernd“. Der Name deutet bereits den Zweck dieses kleinen Getränks an. Unter Digestif sind Verdauungsschnapserl zu verstehen, die nach einer Mahlzeit zuhause oder im Restaurant getrunken werden. Alkohol, der die Verdauung unterstützen soll, hat eine lange Tradition: Bereits im Mittelalter entdeckte man die Kunst der Destillation und stellte erste alkoholische Getränke her, die vor allem gesundheitsförderlichen Zwecken dienen sollten. Klösterliche Ärzte entwickelten Liköre zur Unterstützung von Krankheiten und Leiden, weshalb es diese auch lange Zeit nur in Apotheken zu kaufen gab. Später wurde es dann auch üblich, im Beisein anderer zum Genuss zu trinken. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Digestif dann immer stärker. Heute gehört er ganz selbstverständlich zur Trinkkultur.

Arten von Digestifs

Digestifs treten in unterschiedlichen Formen und Geschmäckern in Erscheinung und beschränken sich nicht nur auf Kräuterliköre. Meistens werden zu den Digestifs Wein- und Obstbrände, Liköre, Kräuterbitter oder auch klare Spirituosen wie Wodka und Ouzo gezählt. In Österreich sind insbesondere Obstbrände ein sehr beliebter Digestif. Über das ganze Land verteilt gibt es eine Vielzahl kleiner Brennereien, die alle ihren eigenen Hausbrand produzieren und verkaufen.

Die Palette an möglichen Zutaten ist dabei schier endlos, häufig werden aber regionale Zutaten verwendet. Ein Klassiker ist der Genuss eines Marillenschnaps, der gerne nach einer Mahlzeit in geselliger Runde gereicht wird. Regional finden aber auch viele andere Obstsorten Verwendung. In Tirol kennt man den Krautinger, einen lokalen Rübenbrand, der aus einem Stamperl auf ex getrunken wird. Und in der Steiermark trinkt man gern mal einen Kürbislikör. Auch Inländer-Rum oder Brände aus Enzian und anderen Wurzelgewächsen sind als Digestif geeignet. Bekannt ist zudem der Zirbenschnaps, der aus den Zapfen der Zirbelkiefer gewonnen wird, die in den österreichischen Hochgebirgen zu finden ist.

Alkoholgehalt von Verdauungsschnäpsen

Der Alkoholgehalt eines Digestifs schwankt je nach Art des Getränks und lässt sich daher auch nicht verallgemeinern. Viele Brände weisen einen Mindestgehalt von 37,5 % vol. auf. Edelbrände wie der Williams Christ aus Birnen haben beispielsweise einen relativ hohen Alkoholanteil. Liköre liegen meistens zwischen 15 bis 35 % Gehalt. Andere Spirituosen wie Wodka und Ouzo enthalten meistens an die 40 % vol. Alkohol.

Wozu man Digestif trinkt

Ein Digestif wird stets nach einer Mahlzeit getrunken. Die Gründe für den Genuss eines Digestifs sind vielfältig und reichen vom reinen Genuss bis hin zu medizinischen Zwecken. Letzteres verwundert wenig, da die Geschichte des Verdauungsschnapserls ja gerade in seinen gesundheitlichen Wirkungen liegt. Der verdauungsfördernde Effekt liegt aber nicht im enthaltenen Alkohol, sondern hat mit den Bitterstoffen zu tun, die in Kräuterbittern und anderen Spirituosen enthalten sind. Sie sorgen im Körper dafür, dass in der Magenschleimhaut die Freisetzung von Säure angeregt wird, wodurch die Vorverdauung leichter fällt. Eine vergleichbare Wirkung hat auch der Genuss von Kaffee nach dem Essen. Ein Verdauungsschnaps ist insoweit vor allem als Wohltat für den eigenen Körper vorgesehen. Gerade bei Mahlzeiten wie Braten, die schwer im Magen liegen, wird er zur Unterstützung des eigenen Verdauungstrakts eingenommen.

Natürlich spielt auch der psychologische Effekt beim Trinken eine Rolle. Der herbe, bittere oder bei Likören auch fruchtig-milde Geschmack des Digestifs rundet eine üppige Mahlzeit als Endpunkt ab. Deshalb wird der Digestif auch ohne medizinischen Hintergrund gerne nach einer Mahlzeit gereicht und dient eher einem sozialen Zweck. In griechischen Restaurants ist es beispielsweise üblich, mit dem Erhalt der Rechnung noch einen Ouzo als Abschiedsgruß der Küche mitzureichen. Und auch in vielen Gaststätten gibt es nach einer Mahlzeit ein kleines Stamperl als Abschiedsritual, mit dem das gemeinsame Essen und die Zusammenkunft der Gäste noch einmal gefeiert wird.

Unterschiede zum Aperitif

Das Gegenteil zum Digestif ist der Aperitif. Anders als beim Verdauungsschnapserl soll dieser nicht die Verdauung anregen, sondern zunächst einmal den Appetit fördern. Wie der Digestif hat auch der Aperitif eine lange Geschichte und ist bereits im 18. Jahrhundert zum festen Bestandteil des Essens vor allem in südlichen Ländern wie Frankreich und Italien avanciert. Beim Aperitif kommen meist andere Getränke zum Einsatz als beim Digestif. Üblich sind vor allem Cocktails wie Martini, Hugo oder Campari, die insbesondere in den warmen Monaten genossen werden. In Frankreich genehmigt man sich vor dem Essen ein Pastis oder einen Sherry. Meistens ist der Aperitif eher bitter, um den Appetit auf die Speisen anzuregen. Er wird auch häufig mit kleinen Häppchen wie Oliven oder Pistazien gereicht.

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