• 25. Oktober 2021 23:10

Heimische Obst-Edelbrände erobern die Cocktails der Barszene

Man ersetze den Whiskey durch eine Rote Williamsbirne und aus dem „Whisky sour“ wird ein echter Weststeirer. Schmeckt super, was Oltion Mehmetaj da mixt. In der WIFI-Ausbildung zum Edelbrand-Experten gibt es noch viel mehr davon.

Obst-Edelbrände im Cocktail – Lust auf mehr?

„Man muss das Rad nicht neu erfinden“, ist der WIFI-Trainer und Edelbrand-Sommelier Mehmetaj überzeugt. Mit seinem Geschäftspartner Flamur Bajgora betreibt er The Churchill Bar in der Grazer Heinrichstraße. Und dann entführt er uns in eine Welt, in der heimische Edelbrände alte und neue Cocktails auf bisher ungeahnte Weise bereichern. Als erstes wird der „Urgroßvater“ aller Drinks gemixt, ein „Old Fashioned“. Natürlich mit Williams-Edelbrand anstelle des Whiskeys. Dazu twistet er den Drink, indem er ihn mit hausgemachtem Vanillesirup aromatisiert. Köstlich!

Zwetschke, Kirsche, Trauben … köstlich!

Traditionell wird der Pisco Sour mit peruanischem Traubenbrand zubereitet und mit einer Eiweißhaube serviert. Oltion Mehmetaj interpretiert den Drink mit Trauben-Edelbrand aus der Steiermark und paart ihn mit Holundersirup. Ganz ehrlich, die österreichische Version mundet noch besser als das Original. Einen Ehrenplatz nimmt auch die steirische Zwetschke in ihrer edel destillierten Form ein. Sie findet sich in erfrischenden Sommercocktails genauso wie zum Kaffee oder in klassischen Shortdrinks. Auch die Kirsche hat bereits einen Ehrenplatz in Mehmetajs Cocktailreigen. Ist der Obst-Edelbrand gar im Holzfass gereift, ersetzt er sogar Bourbon oder Cognac.

„Wir müssen uns mehr trauen. In Österreich und in der Steiermark haben wir sehr gute Produkte. Wir müssen diese Obst-Edelbrände und ihre hochprozentigen Verwandten herzeigen, sonst wird die Welt nichts von uns erfahren. Es liegt an uns, unsere hochwertigen Edelbrände nicht nur in gehobenen Restaurants, sondern auch in der Bar zu servieren.“ – Oltion Mehmetaj.

Ein Obst-Edelbrand ist kein Schnaps, sondern viel mehr!

 Oltion Mehmetaj kennt das Geschäft von der Pike auf. Der gelernte Koch, Restaurantfachmann und Barkeeper verfügt über eine hochkarätige sensorische Ausbildung zur Bewertung von Spirituosen und destilliert auch selbst. „Das Besondere am Obst-Edelbrand ist, dass er zu 100 Prozent aus der namensgebenden Fruchtmaische hergestellt wird. Dafür dürfen nur sonnengereifte, gesunde und saubere Früchte verwendet werden. Nur die besitzen einen entsprechenden Zuckergehalt und die typischen Aromastoffe für den Brand.
Unter der Fachbezeichnung ‚Spirituose‘ und der Zusatzbezeichnung ‚Zwetschken-, Marillen-, Kirsch… -Schnaps‘ versteht man üblicherweise Edelbranntweine, wo der Anteil der namensgebenden Frucht mindestens 33 Prozent beträgt. Der Rest besteht aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs. Daher auch der Unterschied im Preis.“

Brennen können wir – auch österreichischen Whiskey

„Österreich ist eine ‚Brenn-Nation‘, eine der besten überhaupt. In den letzten 20 Jahren haben wir massiv dazugelernt, was zum Beispiel die Reifung betrifft. Wir arbeiten sehr gewissenhaft, mehr und mehr kommen auch Holzfässer zum Einsatz. Einige heimische Whiskey-Destillerien haben so bereits weltweit Preise gewonnen. Ich denke da zum Beispiel an die Whiskydestillerie Haider, wo Monika Haider Whiskey aus Waldviertler Getreide destllliert und das Ergebnis in heimischer Eiche lagert. Oder an die Distillery Krauss im Sulmtal. Natürlich werden hier keine Mengen wie in Großbritannien, Japan oder in den USA produziert“, weiß der Profi.

Gin aus Österreich

„Die Produktion von Gin hat mittlerweile einen echten Höhepunkt erreicht, es gibt einige wirklich sehr gute Gins aus Österreich“, ist Mehmetaj überzeugt und nennt Marken wie Steirischer Gin/Krauss, Aeijst/Thomann, Holy Gin/Hochstrasser, Hands on / Gölles … Damit lassen sich natürlich auch tolle Drinks mixen. Wir denken dabei an Gin Fizz, London Mule oder einfach an den beliebten Gin Tonic.

Edelbrände im Cocktail – die Szene wächst

„Dass wir mit heimischen Edelbränden mixen, ist neu. Das positive Feedback unserer Gäste zeigt uns aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich bin sicher, wir werden Zeiten erleben, wo wir heimische Edelbrände selbstverständlich im Cocktail haben werden. Die Nachfrage steigt schon und früher oder später wird sich der Trend auch über die Grenzen Österreichs hinaus fortsetzen.“ – Oltion Mehmetaj

Oltion Mehmetaj, Koch, Restaurantfachmann, Barkeeper, Edelbrand-Sommelier und WIFI-Trainer in der Ausbildung zum Edelbrandexperten ist gebürtiger Albaner und heute mit ganzem Herzen Österreicher: „Meine Ausbildung, meine Familie, die Kinder sind in der Steiermark geboren … The Churchill Bar, die ich mit meinem Geschäftspartner betreibe, ist in Graz. Ich gebe mein Wissen daher sehr gerne an den Nachwuchs weiter, auch als Dankeschön. Das Mixen mit heimischen Edelbrände in der Bar ist ein echtes Zukunftskonzept.“

Fotos: © sara-sara