• 17. Januar 2022 0:12

Barkeeper servieren Drinks und Emotionen

Barkeeper – Beruf oder Berufung? Flamur Bajgora (The Churchill Bar Graz-Heinrichstraße) und Amador Grullon Rodriguez (Rangoon Cocktailbar Graz-Lendplatz) unterrichten nicht nur in der WIFI Diplom-Barkeeper Ausbildung.  Sie leben für ihren Beruf und lieben ihre Bars.

Berühmte Barkeeper, Men and Ladies

Eins ihrer Vorbilder ist der legendäre Münchner Barkeeper Charles Schumann, der auch mit 80 nicht ans Aufhören denkt. Oder „King Cocktail“ Dale DeGroff, Inbegriff für qualitätsbewusste Barkultur – die Älteren unter uns erinnern sich immer noch gern an das sensationelle Rainbow Room in New York … Und dann sind da selbstverständlich auch die ganz Jungen. Der gefragteste Barkeeper Österreichs zurzeit ist wohl Benjamin Ebenbauer, ausgezeichnet als „Bartender of the Year Austria 2021“. Und die berühmteste Barfrau Österreichs ist vermutlich Isabella Lombardo, leidenschaftliche Bartenderin im Wiener Lvdwig.

„Ich bin so glücklich. Jeden Tag, wenn ich mein Lokal betrete, fühle ich mich ganz woanders. Die Bar ist wie ein Teletransport in eine andere Welt. Das Rangoon ist mein Leben!“ – Amador Grullon Rodriguez

Barkeeper sein ist Gastgeber sein

Als Gast bereitet man sich auf den Abend vor, man freut sich aufs Fortgehen, auf Freunde und Bekannte. Und dann, vielleicht so gegen neun Uhr am Abend, taucht man ins gedimmte Licht der Bar-Welt ein. Im Hintergrund läuft angenehme Musik und man genießt den ersten Schluck von seinem Cocktail oder Drink … Warum schmecken die Sachen selbstgemixt zuhause wohl anders und nicht ganz so toll? „Das persönliche Charisma des Barkeepers und das ganze Ambiente fehlen“, schmunzelt Flamur Bajgora.

„Der Beruf des Barkeepers geht weit über das Mixen von Drinks und Cocktails hinaus: Man arbeitet mit hochwertigen Spirituosen, geht individuell auf die Gäste ein, kreiert Getränke und Emotionen. Als Barkeeper ist man vor allem Gastgeber. Die Stars des Abends sind die Gäste. Sie kommen, um mit Freunden und Bekannten schöne Momente zu genießen. Dafür ist man da.“ – Flamur Bajgora

Eine Welt ohne Bars – undenkbar!

Die Österreicherinnen und Österreicher sind sehr gesellige Menschen. Bars sind Orte, wo sie sich mit Familie, Freunden und Bekannten treffen. „Zusammensein, zusammen feiern, das ist Menschsein“, bringt es Flamur auf den Punkt. Seit Menschengedenken macht man das (auch) in Bars. In der „WIFI Diplom-Barkeeper Ausbildung“ lernt man auch etwas über die Geschichte der Bars. In den USA der 20-er und 30-er Jahre, also zur Zeit der Prohibition, waren Alkohol und Bars komplett verboten. Als das allgemeine Alkoholverbot 1933 beendet wurde, feierte sogar Präsident Roosevelt – mit seinem Lieblingsdrink.

Barkeeper mit Persönlichkeit und Charisma

Welches Getränk soll ich nehmen? – Die oft gestellte Frage ist für den Barkeeper hinter dem Tresen eine echte Herausforderung, sein Können unter Beweis zu stellen. „Als Barkeeper muss man Geduld haben, innovativ und kreativ sein und Leute verstehen können. Der ‚Psychologe‘ in einem arbeitet mit“, meint Amador Grullon Rodriguez. Unentschlossene Gäste werden von ihm gefragt, welchen Geschmack sie gerne haben oder was sie als Teenie getrunken haben. Oder er hilft ihnen dabei, eine Erinnerung an schöne Momente aus dem Urlaub zurückzubringen. „Und dann, wenn der Gast nach dem ersten Schluck begeistert ist, darf man sich freuen. Und aufpassen, dass man mit den Füßen immer am Boden bleibt, auch wenn`s gerade sehr gut läuft!“

„Als Barkeeper arbeitet man sehr diszipliniert. Die Nachtgastronomie kann einem viele schöne Momente bescheren, wenn man es mag.“ – Flamur

„Schlafen wird in der Branche überbewertet, Nachtmenschen sind eindeutig bevorzugt.“ – Amador kommt vier Tage in der Woche gegen drei, vier Uhr ins Bett und um sieben ist er wieder munter.

Treffpunkt Bar – herzlich willkommen!

 Kommt man in eine gute Bar, fällt einem meistens auf, wie gemischt die Gäste da sind. Lehrlinge und Professoren, (ältere) Schüler und Pensionisten, Männer, Frauen, einzeln und in Gruppen … Alle unterhalten sich mit- und untereinander. An bzw. in der Bar sind schon unzählige Freundschaften entstanden. Und wenn das so ist, hat der Barkeeper 30 Punkte und gewonnen. Denn der Gast, dem es in der Bar gefällt, der bleibt länger. Und kommt wieder. Und empfiehlt die Bar weiter. Denn eine gute Bar ist eine Welt voller Geschichten und Emotionen – und natürlich voller Cocktails und Drinks.

Sie wollen auch Gastgeber, auch Barkeeper oder Barkeeperin werden? 

Foto: WIFI Steiermark