… kann das äußerst unangenehme Folgen haben. Wir haben mit WIFI-Lehrgangsleiter Christian Fritz darüber gesprochen.

Herr Fritz, die GmbH ist mit großem Abstand die beliebteste Unternehmensform in Österreich. Wo lauern die Fallen für GmbH-Geschäftsführer? Und warum macht es eventuell Sinn, die WIFI-Akademie für GmbH-Geschäftsführer zu besuchen? – 

CHRISTIAN FRITZ: „Ein hoher Prozentsatz aller GmbH-Geschäftsführer/innen weiß nicht, auf was genau sie sich eingelassen haben, und womöglich kennen sie sich in Bezug auf eine mögliche Haftung mit dem eigenen Privatvermögen bei speziellen Rechtsfällen überhaupt nicht aus.“

Christian Fritz, Wifi Steiermark

Was kann eine solche Unkenntnis der rechtlichen Pflichten bewirken?

CHRISTIAN FRITZ: „Wenn sich die Gesellschaft in einer guten wirtschaftlichen Lage befindet, passiert Geschäftsführer/innen in Österreich nur selten etwas. Hierzulande ist es eher unüblich, dass sich die Gesellschaft an ihren Geschäftsführern schadlos hält. Im Gegensatz zu Deutschland z. B. ist ein rechtlicher Fehler für die/den Geschäftsführer/in daher nur selten eine Katastrophe.
Befindet sich die Gesellschaft jedoch in einer wirtschaftlich angespannten Lage, schaut es oft anders aus: Da führt rechtswidriges Tun oder Unterlassen in vielen Fällen zu einer persönlichen Haftung der Geschäftsführung. Im Klartext: Wir sprechen von RECHTLICHEN Fehlern – das unternehmerische Risiko trägt IMMER die Gesellschaft. Stellt der Geschäftsführer einen Insolvenzantrag rechtzeitig und richtig, hat das für ihn keine haftungsrechtlichen Folgen.“

Wie kann ein/e angehende/r Geschäftsführer/in tun, um sich möglichst abzusichern?

CHRISTIAN FRITZ: „In der WIFI-Akademie lernt man auch Tools kennen, um die Gesellschaft zu analysieren – wie wurde sie bisher geführt? Welche Risiken können im Verborgenen lauern und warum ist zum Beispiel der vorherige Geschäftsführer ausgeschieden? Das und mehr ist wichtig, um eventuelle Haftungsgründe von Vornherein ausschließen zu können. Die Kenntnis des gesellschaftlichen Unternehmens ist die Basis für eine erfolgreiche Tätigkeit als Geschäftsführer. Dafür sind die aktuellen Zahlen, aber zum Beispiel auch ein funktionierendes Berichtswesen von entscheidender Bedeutung. Die WIFI-Akademie für GmbH-Geschäftsführer hilft, etwaige Wissenslücken im Bereich Controlling zu schließen.
Und dann ist da noch das Thema Vertrag – man kann ja ohne Angabe von Gründen abgelöst werden, da spielt die Vertragsgestaltung eine wichtige Rolle.“

In der WIFI-Akademie für GmbH-Geschäftsführer/innen geht es um Rechte, aber auch Pflichten, die so ein Spitzenjob mit sich bringt?

CHRISTIAN FRITZ: „Als Geschäftsführer hat man viele durch das Gesetz vorgegebene Pflichten zu erfüllen, die den meisten Praktikern, die aus dem Alltagsgeschäft kommen, nicht bekannt sind. Der Bogen spannt sich hier von Firmenbuch-Anmeldungen bis zur richtigen Verhalten im Falle des Wechsels im Stande der Gesellschafter.“

Die WIFI-Akademie für GmbH-Geschäftsführer ist aber auch für Gründer/innen interessant?

CHRISTIAN FRITZ: „Die Rechtsform mit dem Zusatz ‘mit beschränkter Haftung’hat eine nahezu aphrodisierende Wirkung auf viele angehende Firmeninhaber/innen. Vor allem seit der Gesetzgeber im Juli 2013 die Gründungen durch die drastische Absenkung des erforderlichen Mindestkapitals erleichtert hat. Damals wurde die Bareinlage der Gesellschafter stark herabgesetzt. Seither sind nur 10.000 Euro einzuzahlen, 5.000 Euro davon sofort. Wer das System GmbH – z. B. mit dem damit verbundenen Haftungskonzept – nicht versteht, kann vieles falsch machen. Es gibt kaum etwas Dümmeres, als eine GmbH möglichst schnell husch pfusch zu gründen.“

Auch hier macht es also Sinn, sich vorher schlau zu machen …

CHRISTIAN FRITZ: „Ja, denn das Ergebnis sind oft unglückliche Unternehmer/innen – sei es, dass sich die Kapitalausstattung doch als unzureichend erweist, oder dass Haftungen auftauchen, mit denen man nicht gerechnet hat. Oder es aufgrund unterschiedlicher Strategievorstellungen Streit gibt und man mit den Mitgesellschaftern buchstäblich hadert…
Ich vergleiche das dann oft mit einer schwierigen Ehe. Entweder man bleibt unglücklich oder man geht zum Anwalt und nimmt das Risiko einer schwierigen Trennung auf sich. Es ist auf jeden Fall besser, sich VORHER schlau zu machen!“

Prof. (FH) Christian Fritz, MBA, LL.M., LL.M., ist begeisterter Querdenker aus dem Tiroler Lechtal und einer der beiden Köpfe der Innsbrucker Kanzler Fritz & Schauer. Er hat sich seit über 30 Jahren als renommierter Wirtschaftsmediator, Berater, Managementtrainer und Sachverständiger einen Namen gemacht und weit über 50 Fachpublikationen veröffentlicht. Seit vielen Jahren ist Christian Fritz auch als Lehrgangsleiter und Trainer am WIFI Steiermark tätig.

In der Akademie für GmbH-Geschäftsführer/innen findet der Tiroler klar zu verstehende Worte und untermalt seine Warnungen und Tipps mit vielen, spannend vorgetragenen Beispielen aus dem reichen Erfahrungsschatz – haben wir auch Ihr Interesse geweckt?

Fotos: Melbinger, © Fotolia / alfa27

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