Schickte man (angehende) Führungskräfte früher in ein Seminar, stellt ihnen die Personalentwicklung heute immer öfter einen ausgebildeten Coach zur Seite. So ein Coach kann den Mitarbeiter, die Mitarbeiterin individuell begleiten und durch den Einsatz bestimmter Fragetechniken und Methoden neue geistige Horizonte erschließen helfen. Damit gelingt der berühmte Blick über den eigenen Tellerrand, der allein oft schwierig zu bewerkstelligen ist.

Coaching ermöglicht die professionelle Begleitung eines individuellen Entwicklungsprozesses, was ein ‚Einwegspritzen-Seminar’ niemals gewährleisten kann. Dadurch werden punktgenaue Maßnahmen möglich – sowohl bei Sachthemen als auch, was die Reflexion und Weiterentwicklung des eigenen Führungsverhaltens betrifft. – Mag. Günther Kampitsch.

Mag. Günther Kampitsch ist Inhaber der Firma „transfer training + coaching“ in Graz und seit Anfang der 90er-Jahre als Trainer am WIFI tätig. Unter anderem als Lehrgangsleiter für den Diplomlehrgang „Coaching“.  Außerdem ist er Mitglied im Österreichischen Coaching-Dachverband, der Plattform für professionelles Business-Coaching, wobei er die hier verlangten Zertifizierungsrichtlinien sehr ernst nimmt: „Ich achte in meiner Arbeit darauf, den hier definierten Coaching-Begriff sauber von jeglichem inflationären Gebrauch abzugrenzen. Im Sinne des Dachverbandes bedeutet Coaching ausschließlich Unterstützung, Begleitung und Beratung entlang der beruflichen Linie – wenn man auch berücksichtigen muss, dass der gesamte systemische Kontext des Kunden zu betrachten ist, vor allem. bei Balance- oder gar Burnout-Themen.“

Mit dem Coach einen Termin vorbereiten

„Oft haben die Klientinnen und Klienten schon viele Gespräche hinter sich“, weiß Mag. Kampitsch aus langjähriger Erfahrung. „Zwischen ‚Reden’ und ‚Gecoacht werden’ besteht allerdings ein haushoher Unterschied. Nehmen wir den gar nicht so seltenen Fall, dass eine Führungskraft ein eventuell schwieriges Mitarbeitergespräch führen muss / will. Das soll optimale Ergebnisse bringen und deshalb möchte sie sich gezielt darauf vorbereiten – mit einem Coach.“

Coaching – die Methoden

  • Der Coach wird wahrscheinlich erst einmal den systemischen Kontext erfragen: Wer genau ist beteiligt und worum konkret soll es gehen? Und was wäre wenn …?
  • Anschließend regt der Coach die Führungskraft zu einem Perspektivenwechsel an: Stellen Sie sich vor, SIE wären jetzt in der Rolle des Mitarbeiters, versetzen Sie sich doch einmal in seine Lage. Wie würden SIE aus dieser Sicht heraus agieren?
  • Anschließend wird der Coach die Führungskraft möglicherweise einladen, eine Metaperspektive einzunehmen: „Stellen Sie sich vor, wie Sie beide zusammensitzen – gehen Sie in Gedanken fünf Meter weit weg und schauen Sie von draußen auf die Situation drauf …“

„Durch dieses von außen Hinschauen kann die Führungskraft vielleicht ein Muster erkennen, das sich zwischen ihr und dem Mitarbeiter abspielt. Zum Beispiel, dass ein Konkurrenzdenken vorhanden ist. Oder die Draufsicht ermöglicht neue, zündende Ideen, wie sie aus einer ‚Innensicht’ schwierig zu kreieren gewesen wären.“ – Mag. Günther Kampitsch

Berufliche Situationen, die einen Coach erfordern

  • Da wären einmal die typischen Entscheidungssituationen: Wohin will ich mich weiterentwickeln? Soll ich einen neuen Job oder ein Projektangebot annehmen oder besser im gewohnten Kontext bleiben?
    • Oft dreht es sich auch um soziale Konflikte, die einen belasten – also um den Umgang mit Kollegen, Chefs oder dominanten Kunden.
  • Dringend eine Coaching-Begleitung brauchen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die offensichtlich auf dem Weg in ein Burnout sind.

In allen Fällen arbeitet der Coach mit systemischen Fragetechniken und wird versuchen, aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten neue Blickwinkel, Erkenntnisse und Ideen zu gewinnen, erklärt Mag. Kampitsch.

Wer kann Coach werden?

Grundsätzlich kann jeder die Methoden und Werkzeuge des systemischen Coachings erlernen. Wie bei allen zwischenmenschlichen Themen braucht es allerdings Interesse am Gegenüber. „Eine philanthrope Einstellung und Freude an der Kommunikation mit Menschen wären hilfreich“, schmunzelt Mag. Kampitsch.
Außerdem braucht man als Coach viel Geduld, weil Interventionen an und mit Menschen dauern können. Dazu kämen Empathie und ein Gespür für Beziehungsgestaltung– schließlich muss man als Coach oft auch unter  größerem Zeitdruck an die Menschen und ihre Themen „herankommen“. Gleichzeitig sollte man eine gute Distanz zu den Problemen des anderen wahren können, um nicht eingesogen zu werden. Im WIFI-Diplomlehrgang Coaching wird an der entsprechenden Ausgewogenheit zwischen Empathie und professioneller Distanz gearbeitet.

Woher kommt das Coaching eigentlich?

„Aus den USA der 1920er und 1930er Jahre, konkret aus dem Sport“, so Mag. Kampitsch. „Damals verlor der Sport seine Unschuld und wurde zum Big Business.“ Sportteams wurden ab dieser Zeit von Profis gecoacht, dabei ging es um Motivation, Teamdenken, den Willen zum Sieg, Frustrationstoleranz, Strategien und taktische Themen. Genau das, was auch im Unternehmen gebraucht wird. „Schließlich wurden die Coaching-Methoden im Top-Management in Anspruch genommen und sickerten nach und nach top down. Heute sind Coachings in den Personalentwicklungen größerer Unternehmen schon längst neben den Seminaren etabliert.“

Sie finden Coaching mit den Methoden und Werkzeugen ebenfalls faszinierend und wollen sie erlernen?

Fotos: WIFI Steiermark / Melbinger, © Fotolia / baranq

 

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