Aber ob „Doktor Google“ auch hilfreiche Antworten liefert, ist zweifelhaft. Orientierung im breiten Feld der Ernährung liefert da schon eher ein fundiert ausgebildeter Ernährungsexperte, wie es Caroline Schlinter-Maltan ist. Sie unterrichtet am WIFI Steiermark unter anderem am Grundlehrgang für Weight Management und erläutert uns für den WIFI-Blog, ob Gluten tatsächlich so schlecht ist, wie sein Ruf, ob Soja ein gesunder Fleisch-Ersatz ist und welche Rolle der mentale Aspekt bei der Ernährung spielt.

In Sachen Ernährung gibt es laufend neue Trends, die sich oft auch widersprechen …

Caroline SchlinterCaroline Schlinter-Maltan: Es ist wichtig, sich an wissenschaftlichen Studien zu orientieren und nicht „Dr. Google“ zu befragen. Internetportale berufen sich oft auf Studien, die keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse liefern. Damit wird oft nur für „Aufruhr“ gesorgt und die Konsumenten noch weiter verunsichert. Ernährungstrends kommen und gehen, sollten den Einzelnen jedoch nicht zu sehr aus der Bahn werfen können, wenn ein grundlegendes Wissen über Ernährung vorhanden ist.

Einer dieser „Trends“ ist derzeit ja, auf Gluten zu verzichten …

Schlinter-Maltan: Gluten an und für sich ist kein problematischer Inhaltsstoff. Vielmehr könnte es meiner Meinung nach daran liegen, dass verwendetes Weizenmehl für Billigst-Backwaren dermaßen hochgezüchtet ist und Gluten, dass für die Backeigenschaften sehr wichtig ist, in ungewöhnlich hohem Ausmaß enthält, dass dies für manche Menschen schwer zu verdauen ist. Verwendet man jedoch hochwertiges Vollkornbrot und -gebäck, enthält es weit weniger Gluten und noch dazu alle wichtigen und gesunden Nährstoffe, die sich in der Schale (Kleie) des Korns befinden.

Und in Bezug auf Soja, dass ja einerseits als gesunder Fleisch-Ersatz gilt, andererseits aber auch teilweise als „genmanipuliert“ in Verruf geraten ist?

Schlinter-Maltan: Bezüglich Soja lässt sich sagen, dass Qualitäts-Soja aus Österreich ein hochwertiges Produkt ist, wenn man die reinen Sojabohnen verwendet. Was es hierbei zu beachten gilt: Es kommt ebenso wie bei Fleisch auf die Menge an. Sojaanbau ist aus landwirtschaftlicher Sicht nicht unbedingt nachhaltig, da es die Böden bei Monokultur-Zucht auslaugen kann. Ganz besonders kritisch zu betrachten sind hochverarbeitete Fleischersatzprodukte aus Soja, da diese einen sehr langen Herstellungsprozess durchlaufen und somit der Nachhaltigkeitsaspekt in der Produktion dahingestellt sei.
Ein nachhaltiger Verzehr von Bio-Qualitätsfleisch aus Österreich, dass unter Beachtung der rechtlichen Bedingungen für Tier- und Umweltschutz erzeugt wurd erzeugt wurde, steht dem Verzehr von Soja aus Nachhaltigkeitssicht nicht nach. Gesundheitlich gesehen macht natürlich auch hier die Dosis das Gift.

Laien sind mit diesen Widersprüchen oft überfordert bzw. resignieren. Ist es einem Laien überhaupt noch „zumutbar“, zu wissen, was gesunde Ernährung bedeutet?

Schlinter-Maltan: Gesunde Ernährung ist ausgewogen und abwechslungsreich. Ein Zuviel von einer Sache ist nie empfehlenswert, da der menschliche Körper eine breite Palette an Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette) und Mikronährstoffen (Vitamine und Mineralstoffe) benötigt. Wieder auf seinen Körper zu hören, was er braucht und ihm gut tut (und das sind nie 2 Kilo Schokolade), das haben viele Menschen verlernt und erhoffen durch diverse Ernährungsformen eine Richtung zu finden. Doch wenn man auf Hunger- und Sättigungssignale wirklich hört, dann sendet der Körper durchaus die richtigen Signale.

Aber wir müssen wieder lernen darauf zu hören: Sich Zeit nehmen, in Ruhe essen, sich auf das Essen einlassen ohne nebenher Fernzusehen, mit Computer oder Handy beschäftigt zu sein – das wäre ein Schritt in die richtige Richtung und ist ebenso ein wesentlicher Bestandteil gesunder Ernährung. Denn nur so merken wir, wie unser Körper auf unterschiedliche Lebensmittel reagiert und können ihm geben, wonach er verlangt (und das ist wie gesagt nicht die Schokolade).

Wie schafft man als Ernährungsberater/Trainer die Gradwanderung zwischen informieren und „Überberaten“, ohne den „Otto Normalverbraucher“ zu überfordern?

Schlinter-Maltan: Wichtig ist es, eine allgemeine Basis für ein Ernährungswissen zu schaffen. Es gibt so viele Meinungen zu unterschiedlichen Ernährungsthemen, weshalb der Ernährungsberater/Trainer niemals jemandem seine Meinung aufzwingen sollte. Jeder Mensch soll sich sein eigenes Bild machen können und den für sich richtigen Weg einschlagen. Lediglich ein solides Wissensfundament soll weitergegeben werden um selbständige, nachfragende, interessierte und wissbegierige Ernährungsexperten aus „Otto Normalverbrauchern“ zu machen, die das Thema Ernährung logisch hinterfragen und nicht auf irgendwelche Ernährungstrends hereinfallen.

Welche Rolle spielt der mentale Aspekt, der in der Ausbildung für Weight Management ja auch thematisiert wird?

Schlinter-Maltan: Der mentale Aspekt spielt beim Thema Ernährung eine ganz wesentliche Rolle. Der Mensch isst anders, als er sich ernähren sollte und das obwohl er es besser weiß. Doch ein schlechter Tag, eine Niederlage in der Arbeit, Stress zuhause oder vieles andere führen dazu, dass wir zu ungesunden Lebensmitteln greifen. Ernährung und Psyche hängen unweigerlich zusammen.

Es ist wichtig zu erkennen, welche Situationen uns dazu bringen, zu Chips, Schokolade und Co zu greifen und was wir dagegen tun können. Dabei sind kleine Schritte der Weg zum Erfolg. Denn nimmt man sich zu viel vor, dann scheitert es oftmals. Und man verfällt aus Frust wiederum in alte Schemata und denkt sich vielleicht „Ich schaffe das ohnehin nie“, „Ist ja egal, ich kann das nicht“ usw. Auch hierbei ist es wichtig, dass Ernährungsberater/Trainer als Mentoren zur Seite stehen und bei Rückschlägen helfen, nicht aufzugeben, sondern nach vorne zu blicken um das definierte Ziel zu erreichen.

Weiterbildung in Sachen Ernährung

WIFI-Lehrgang für Weight Management
56 Stunden, nächster Kursstart im September 2017
Für ernährungsinteressierte Einsteiger ebenso wie für Menschen, die beruflich im Gesundheits- und Fitnessbereich tätig sind.

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