Gin Tonic ist ein Trendgetränk. Aber ist das wirklich etwas Neues? Eigentlich ist der Longdrink doch ein absoluter Klassiker, immer beliebt und immer modern, wie WIFI-Diplom-Barkeeper wissen. Und immer mit ganz oben auf der Cocktailkarte jeder Bar. Sicherlich gibt es immer mal wieder höhere Trendwellen in Richtung Gin Tonic. Aber er gehört so oder so in jede Cocktail Bar weltweit. Gin Tonic ist zeitlos und passt einfach immer, besonders beliebt ist der Longdrink im Sommer aufgrund seiner herben Frische. Aber wie kam es eigentlich zu der leckeren Mischung aus Gin und Tonic Water? Woher kommt der Trend, der sich bis heute eisern hält? Dieser langen Geschichte sind wir auf den Grund gegangen…

Gin – ein langer Weg zur Trend-Spirituose

Wenn man nach der Entdeckung von Gin forscht, kommt man in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum Stehen. Zu dieser Zeit erfand Franz de le Boë, ein deutscher Arzt, in den Niederlanden ein Gebräu, welches gegen Nieren- und Magenerkrankungen helfen sollte. Dabei handelte es sich um einen Wacholderschnaps, aus dem sich später der heute bekannte Gin entwickelte. Der Schnaps hatte die gewollte Wirkung auf die Patienten und bekam den Namen Genever, aus dem sich dann der Name „Gin“ formierte. Sein Erfolg war so groß, dass er es schnell über die Grenze der Niederlande hinaus schaffte. Im holländisch-spanischen Krieg (1568 – 1648) gelang der Genever durch die Kollaboration von englischen und niederländischen Soldaten hinüber nach England. In England wurde ein Einfuhrverbot für bestimmte Importe aus Frankreich ausgesprochen und gleichzeitig das Gesetz zur Produktion von Gin gelockert. Dadurch wurde Gin noch bekannter und beliebter und es kam zu einem regelrechten Massenkonsum der Spirituose.

Allgemeine Trunkenheit wurde zur Alltäglichkeit und es folgte der sogenannte Gin Act. Das Gin Act war ein Gesetz, welches die lizenzlose Produktion sowie den Verkauf kleiner Mengen verbot. Damit sollte der Konsum eingeschränkt werden. Die Folge war, dass Gin zum Getränk für wohlhabende Menschen wurde. Allerdings gab es da noch die Schwarzbrennerei, die auch das Gesetz nicht vollkommen stoppen konnte. Diese Zeit ist heute bekannt unter dem Namen Gin Craze.

Erst ein neues Gesetz, das Tippling Act, sorgte für eine Entspannung der Lage. Darin war festgeschrieben, dass Gin wieder produziert werden, aber nicht mehr auf direktem Wege an den Endverbraucher verkauft werden darf. Im Jahr 1757 kam ein Gesetz zum Tragen, in dem auch die Versteuerung von Getreide verankert wurde. Hiermit war die Gin Craze Ära endgültig Geschichte. Zum Glück für uns! Allerdings stiegen dadurch die Getreidepreise und mit ihnen auch die Qualität. So wurde Gin zu der hochwertigen und edlen Spirituose, die wir heute kennen.

Tonic – Über Umwege zum Welterfolg

Als hätte es das Schicksal so gewollte, wurde auch Tonic zur Mitte des 17. Jahrhunderts entdeckt. Zwischen 1620 und 1630 zeigten peruanische Inkas spanischen Glaubensbrüdern die Rinde des Chinarinden-Baumes, die eine heilsame Wirkung haben sollte. Im Jahr 1638 erkrankte die peruanische Countess of Chinchon an Malaria. Durch die Rinde wurde sie geheilt. Daraufhin wurde der Baum Chinchona-Baum genannt und das Pulver aus der Rinde bekam den Namen Chinin. Seither wurde es vor allem für die Heilung von Malaria und zum Senken von Fieber eingesetzt. Als die Briten in Ostindien stationiert waren, brauchten sie eine große Menge des Chinins. Sie setzten das Pulver präventiv vor Malaria ein und schützten sich dadurch vor der heimtückischen Krankheit, die durch Mücken übertragen wird. Das Pulver war sehr bitter und herb und wurde jeden Tag in Wasser aufgelöst von den britischen Soldaten getrunken.

Erst 1825 kamen britische Offiziere darauf, das Pulver im abendlichen Gin aufzulösen. Und so ist der heute bekannte Gin Tonic entstanden. Aber durch den hohen Bedarf, waren die Chinchona-Wälder in Peru fast vom Aussterben bedroht. Die Übernutzung der Wälder hatte sehr hohe Preise des Medikaments zur Folge. Ungefähr im Jahr 1862 gelang es dem britischen Abenteurer Charles Ledger, einige Samen des Chinchona-Baums nach Holland zu bringen. Nach ihm wurde später übrigens das bekannte Ledger´s Tonic benannt. Aber zurück zur Geschichte: Die holländische Regierung legte daraufhin Plantagen in der Kolonie Batavia, im heutigen Indonesien, an und schaffte so einen eigenen Chinin-Anbau. In den 1940er Jahren war Indonesien der größte Chinin-Lieferant der Welt. Erst 1944 gelang es Amerikanern, Chinin auch synthetisch herzustellen. Allerdings muss gesagt werden, dass die Rinde des Chinchona-Baums bis heute der preisgünstigste und qualitativste Lieferant für Chinin ist.

Gin Tonic hat sich von einer Medizin zum trendigen Party-Getränk entwickelt.

Gin und Tonic – Tradition vs. Moderne

Halten wir fest: Sowohl Gin als auch Tonic fanden ihre Entstehung zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Aber das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Beides wurde ursprünglich aus medizinischen Zwecken heraus entwickelt. Gin sollte gegen Magen- und Nierenerkrankungen helfen. Tonic beziehungsweise das Chinin-Pulver, dem der herbe Geschmack entstammt, wurde erfolgreich gegen Malaria aber auch Erkrankungen wie Skorbut eingesetzt.

Gin hieß als Medizin noch Genever. Tonic Water war zur Entwicklungszeit nichts anderes als chininhaltiges Wasser aus einem Pulver einer bestimmten Baumrinde. Dabei war der Chinin-Gehalt so hoch, dass das Wasser alles andere als ein Genuss war. Erst als die Briten Gin zu dem bitteren Wasser hinzugaben und später auch Zitrone und Zucker einsetzten, um das Getränk genießbar zu machen, entstand der heute bekannte Gin Tonic. Und obwohl das alles eher unspektakulär klingt, wurde aus den Medikamenten der Kolonialzeit ein absolutes Genussmittel, welches sich bis heute hoher Beliebtheit erfreut. Wie es der Zufall und auch die Kreativität der Menschen eben manchmal so wollen.

Gin ist bekannt durch seine stimmige Wacholdernote und ist beliebt als sehr zeitlose, traditionelle aber doch moderne und anpassungsfähige Spirituose. Durch seine Wandelbarkeit wird Gin als Zugabe zu anderen Zutaten immer wieder neu entdeckt. Vielleicht liegt genau darin der Trend. Aber nichtsdestotrotz ist Gin und Tonic die ideale Kombination. Deshalb bestellen echte Kenner und Liebhaber auch immer das traditionelle „Gin und Tonic“ und genauso kennen es auch die Barkeeper von heute. Gin Tonic bestellen nur die, die den Longdrink als modernes Trendgetränk genießen möchten.

Ein Trend – viele Möglichkeiten

Gin und Tonic steht immer ganz oben auf der Getränkekarte jeder ernst zu nehmenden Bar. Dabei hat sie das Trendgetränk mit der Zeit weiterentwickelt. So gibt es heute Abwandlungen mit Limette, Grapefruit oder sogar Gurken anstelle der obligatorischen Zitrone im Drink. Außerdem gibt es mittlerweile zahlreiche Marken und Hersteller von Gin – von traditionellen Marken bis hin zu exotischen Varianten. Diese Vielfältigkeit und Wandlungsfähigkeit macht wohl auch den immer währenden Trend aus. Barkeeper mit guter Ausbildung kennen den perfekten Gin mit einem Mischverhältnis von 1:1 bis 1:4. Je nach Geschmack kann das natürlich variieren, aber wir sprechen ja hier vom klassischen Gin Tonic. Der Gin kommt in ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas und wird mit Tonic Water aufgefüllt.

Nach amerikanischer Art wird eine Scheibe Zitrone, nach englischer Art eine Limettenscheibe hinzugegeben. Neuester Trend sind Gurkenscheiben statt fruchtigem Dekor. Fakt ist, die Erfolgsgeschichte von Gin und auch Tonic hat bis heute definitiv Bestand, ist ein All-time-classic und der Geschmack unverwechselbar. Denn Gin fördert den Geschmack des Tonics – beides passt geschmacklich einfach perfekt zusammen, ergänzt sich sozusagen. Genau deshalb ist der Longdrink auch so beliebt. Den Briten sei Dank!

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Fotocredit: Adobe stock – voloshin311

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